Zum Hauptinhalt springen

Schwacher Euro bringt Firmen in Not

Ende letzter Woche wurde der Euro zum tiefsten Gegenwert von fast 1.40 Franken gehandelt. Auch die Unterländer Exportindustrie ist durch diesen historischen Tiefstand gefährdet.

Unterland - Am letzten Donnerstag hatte der Schweizer Franken gegenüber dem Euro sein bisheriges Allzeithoch verzeichnet. Für 1,4006 Franken wurde die europäische Einheitswährung gehandelt. So hoch stand der Schweizer Franken noch nie seit der Einführung des Euro im Jahr 1999.

Ein schwacher Euro hat für die Schweiz Vor- und Nachteile: Einerseits können vor allem Privatpersonen in den Euroländern billiger einkaufen oder Urlaub machen. Andererseits wird die Schweiz so zu einer Hochpreisinsel. Touristen aus dem Euroraum müssen tiefer in die Tasche greifen, um sich einen Aufenthalt in der Schweiz zu leisten. Stark betroffen sind für den Export produzierende Schweizer Firmen.

Auch im Unterland sind einige Unternehmen mit den Problemen des schwachen Euro konfrontiert. Jürg Sulser, Präsident des Bezirksgewerbeverbandes Dielsdorf, spricht von einem sehr ungünstigen Zeitpunkt für eine solche Euro-Baisse. «Die Wirtschaftskrise ist noch in vielen Betrieben spürbar», sagt Sulser. Der schwache Euro trage noch zu einer Verschlimmerung der Situation bei. Seit die milliardenschwere Finanzhilfe für Griechenland stehe, sei der Euro zwar wieder leicht gestiegen; Unternehmen, die vom Export abhängig seien, wüssten aber weiterhin nicht, wie lange dieser Trend anhalte.

Bucher mit leichten Einbussen

Bucher Industries aus Niederweningen hat den schwachen Euro zu spüren bekommen. Obwohl die Zahl der Exporte grösser sei als die der Importe, halte sich der Verlust wegen Währungsabsicherungen in Grenzen, sagt Finanzchef Roger Baillod. «Kurzfristig müssen wir sicher leichte Einbussen hinnehmen. Dank der Grösse des Konzerns können wir dies aber verkraften», so Baillod. Mittelfristig müsste sich der Euro aber erholen, damit die Schweizer Wirtschaft nicht noch mehr leide. Die Produktionsstandorte in der Schweiz würden nicht infrage gestellt, denn die Konkurrenzfähigkeit gegenüber den europäischen Standorten bleibe erhalten, sagt Baillod weiter.

Auch die Höremer Firma Oertli AG teilt das Euro-Schicksal. Sie produziert Holzbearbeitungswerkzeuge und exportiert fast in den ganzen Euroraum. «Bislang ist unsere Produktion sehr gut ausgelastet», sagt Jürgen Gabrielli, Leiter Finanzen bei Oertli. Das Geschäftsjahr habe man mit einem Eurokurs von 1.50 Franken geplant. Knapp tragbar wären noch 1.45 Franken. Der derzeitige Kurs von rund 1.43 Franken sei allerdings sehr bedenklich. Bei einer Stagnierung des Euro auf einem solch tiefen Niveau bis Mitte Jahr müssten Gegenmassnahmen getroffen werden.

Bereits 2009 musste Oertli in der Schweiz zehn Arbeitsplätze abbauen, weil damals unter anderem der Dollar und das Pfund ebenfalls eine starke Abwertung erfuhren. Zudem mussten zwei Kostensenkungspakete geschnürt werden. Ein neuerlicher Stellenabbau sei vorläufig aber nicht geplant, sagt Gabrielli dazu.

Billiger Import nicht bemerkbar

Etwas besser sieht es bei der Bülacher Firma Bachofen + Meier AG aus. Als einer der führenden Hersteller von Veredelungsanlagen exportiert das Unternehmen allerdings nicht hauptsächlich in den Euroraum. «Der grösste Anteil geht in Länder aus Übersee», sagt Markus Fink vom technischen Einkauf. Als Beispiel nennt er Staaten in Südamerika. Aus diesem Grund falle der tiefe Stand des Euro momentan nicht so sehr ins Gewicht.

Bei der Beschaffung der Rohmaterialien greift Bachofen + Meier allerdings mehrheitlich auf Partner aus der Euro-zone zurück. Dass die Preise für den Import durch den tiefen Euro gesunken seien, sei zwar richtig, sagt Fink weiter. «Bislang merken wir von dieser Tendenz aber nicht viel», fügt Fink an. Die Lager im Ausland, wo das Rohmaterial bezogen werde, seien seit Monaten fast leer. Und je grösser die Nachfrage ist, desto teurer wird das ohnehin bereits knappe Angebot. «Wenn sich der Euro nicht bis Mitte Jahr erholt, müssten Gegenmassnahmen getroffen werden», sagt Jürgen Gabrielli, Leiter Finanzen beim Höremer Werkzeugproduzenten Oertli. Foto: René Kälin

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch