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Schwarz. Weiss. Und viele, viele bunte Bilder

Hanspeter Fäh, Flachmaler aus Hinteregg, und Grace Fäh-Amuom, Kunstmalerin aus Kenia, geben dem Begriff Kunst-Handwerk einen neuen Sinn.

Von Daniel J. Schüz Egg – Ein Gepardenpaar hockt in der Savanne, stolze Massai-Krieger blicken in die Ferne, und über allem spannt wolkig-blau Afrikas Himmel. Hanspeter Fäh, Malermeister in Egg, hat ihn an die Decke gepinselt. Seine Gattin Grace Fäh-Amuom belebt die Wände mit den Bildern, die sie im Gedächtnis bewahrt. Nicht nur im Wohnzimmer, auch in den anderen Räumen des Flarz-Reihenhauses in Hinteregg nehmen Träume in farbenfrohen Szenen Gestalt an und zeugen von der Sehnsucht der 30-jährigen Künstlerin nach der fernen Heimat. «Meine Bilder entstehen im Herzen und kommen aus dem Bauch, während Hanspeter den Pinsel mit einer Perfektion führt, die der Kopf ihm diktiert», sagt Fäh-Amuom. Und der 50-Jährige schwärmt: «Grace mischt Farben zusammen, die ich nie zustande brächte – es sind die Farben Afrikas.» In Afrika, vor viereinhalb Jahren, wusste die junge Frau noch nicht um ihr Talent. Damals führte sie Safari-Touristen in den Tsavo-Nationalpark. Von einer Kilimandscharo-Expedition zurück, entdeckte Fäh in Mombasa auf einem Markt die junge Frau inmitten einer Touristengruppe. Sie war gerade dabei, den Besuchern zu erklären, dass dieser Markt noch vor weniger als hundert Jahren unter dem Namen Fort Jesus ein Umschlagplatz von Sklavenhändlern gewesen sei, als sich ihre Blicke trafen. «Irgendwie haben wir es geahnt», erinnert sich Fäh an diesen «wichtigsten Moment meines Lebens». «Es war ganz offensichtlich», ergänzt Fäh-Amuom, «wir sind füreinander bestimmt.» Und so war sie ihrem «Muzungu» – weissen Mann – in die Schweiz gefolgt. Auf dem Zivilstandsamt und vor dem Traualtar hat sie Ja gesagt. Unterdessen spricht sie fast schon fliessend Schweizerdeutsch. Vom Schicksal getroffen Das Glück schien vollkommen, als im April 2008 Paul David zur Welt kam. Längst hatte Fäh die Hoffnung aufgegeben, doch noch Vater zu werden. Doch das Glück war nur von kurzer Dauer: Gegen das schwere Lungenleiden, das den Säugling vom ersten Tag an plagte, waren die Ärzte machtlos. Paul David starb noch vor dem ersten Geburtstag. Und Fäh fühlte sich zum ersten Mal von jenem Gott verlassen, dem er stets so bedingungslos vertraut hatte. Die kleine Jessy Jordan hat ihn davor bewahrt, mit dem Schicksal zu hadern. «Tscheytschey», wie die Eltern ihre Tochter liebevoll rufen, ist, so Vater Fäh, «gsund und gfrässig». Zudem könne sie schon so fröhlich grinsen wie eine Grosse. Natürlich wird sie dabei sein, wenn ihre Eltern im Januar nach Afrika reisen und noch einmal heiraten. «Diesmal richtig», sagt Fäh-Amuom, «richtig nach der Tradition unseres Stammes.» Bei den Luo am Viktoriasee legen die Stammesältesten eine Woche vor der Hochzeit den Preis für die Braut fest. Fäh ist auf alles gefasst und rechnet mit fünf bis sechs Kühen, «beim ersten Dutzend ist die Schmerzgrenze erreicht». Das Ehepaar brauche noch etwas Geld für ein Stück Land, das es in Afrika erwerben wolle. «Dann bauen wir ein Haus, das wir an Touristen vermieten und später selbst bewohnen – als Altersresidenz», sagt Fäh. Gut möglich, dass dann auch dort die Stubendecke wolkig-blau strahlt. Darunter wirft ein Fahnenschwinger das Schweizer Kreuz in den Himmel. Kühe weiden vor dem Matterhorn. Sennen blasen ins Alphorn. In Öl auf Leinwand. Vom 16. August bis Mitte Oktober stellt die Bibliothek Egg Bilder von Grace Fäh-Amuom aus. Haben ihr Glück gefunden: Grace Amuom und Hanspeter Fäh mit Tochter Jessy Jordan. Foto: Daniel J. Schüz

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