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Schweizer Meisterschaften sind keine «Chäpslete»

Sie lagen und schossen alle in einer Reihe. Kranzgewinner gab es an der Gruppenmeisterschaft im Gewehrschiessen über 300 m im Zürcher Albisgüetli keine, dafür Medaillen für die Besten.

Schiessen. - Die Titelverteidiger mussten am Samstag früh nach Zürich aufbrechen. Nun haben sie sich vor dem Albisgüetli eingefunden. Roland Grossen, Wilhelm und Albrecht Stucki, Hansueli Wenger sowie Vreni Gasser von den Feldschützen Fahrni bei Thun - die Sieger der letzten beiden Jahre der Schweizer Gruppenmeisterschaften im Feld B, in dem mit dem nicht nachgerüsteten Sturmgewehr 57/02 geschossen wird. «Unser Ziel ist der Titel», sagt Grossen, «wir wollen den Hattrick». Mitgebracht haben sie ihre Waffen, Schiessutensilien und «öppis fürs Znüni», sagt Vreni Gasser.

Als Erstes hissen die Thuner ihre Schützenfahne auf einem der Tische der Festwirtschaft vor dem Eingang des Albisgüetli. Nebenan wehen bereits die Flaggen der Schützengesellschaften von Heimenschwand und Bucholterberg, Bettwiesen, Guggisberg, Liebistorf-Kleinbösingen-Wallenbuch oder Rüeschegg-Graben. Die Namen beweisen: kaum ein Dorf oder Weiler in der Schweiz, der nicht einen Schiessstand hat und in einer Schützengesellschaft organisiert ist. Aktiv sind die Schützen allemal, wie auch die Statistik belegt: Kein Land der Welt verbraucht pro Kopf mehr Munition an Schiessständen als die Schweiz.

Bevor die Schützen von Fahrni bei Thun die der Gruppe zugelosten Scheiben 11 bis 15 am linken Ende im Schützenhaus Albisgüetli ins Visier nehmen, müssen sie sich einem rigorosen Sicherheitscheck unterziehen. Im Foyer des Gebäudes führen Dienstchef Walter Oesch und seine Mitarbeiter die Waffen- und Ausrüstungskontrolle durch. «Wir kontrollieren Gewehr, Ausrüstung, Jacke, Handschuhe, einfach alles», sagt Oesch.

Serienfeuer auf Weiss

Nach der Kontrolle gehts für die Gruppe Fahrni bei Thun zur Standblatt- und Munitionsausgabe. Vor dem Eingang in den Schiessstand steht auf Plakaten nochmals geschrieben, welche Vorschriften im Innern der Anlage gelten. So muss beim Sturmgewehr 57/02 der Serienfeuerspeicher auf Weiss stehen und der Winterabzug eingeschwenkt sein. Sicherheit wird auch am Wettkampf selbst grossgeschrieben. Je ein Warner wartet bei den Scheiben 11 bis 15 auf die Titelverteidiger. Die Berner Oberländer gehen konzentriert ans Werk. Mit 349 Punkten gelingt ihnen in der Final-Qualifikation das beste Resultat im Feld B.

Kaum haben die Thuner ihre Serie geschossen, machen sie der nächsten Gruppe Platz, wie überhaupt in der Schiessanlage ein stetes Kommen und Gehen herrscht. Die Gruppenmeisterschaften laufen reibungslos ab, was im Umgang mit Gewehren nicht immer der Fall ist, wie jüngste Ereignisse zeigen.

Unfälle machen betroffen

So kam vorletzte Woche der bekannte St. Galler Rapper Shame bei einem Schiessunfall ums Leben. Der 27-Jährige war nach dem Schiessen des «Obligatorischen» durch einen Schuss in den Kopf tödlich getroffen worden. Der Schuss hatte sich auf dem Parkplatz ausserhalb des Schiessstandes aus dem Sturmgewehr eines 28-jährigen Kollegen gelöst. «Solche Unfälle sind schlimm und machen betroffen», sagt Andreas Casutt, der Schiessleiter der Gruppenmeisterschaften und Vorstandsmitglied der Schützengesellschaft der Stadt Zürich. «Es kann nicht sein, dass diese Waffe nicht entladen war.» Er fügt an, die Armee müsse bereits in der Ausbildung fürs «Obligatorische» noch mehr tun, damit die Vorschriften eingehalten werden. Die Sportschützen hingegen wüssten, um was es gehe. «Schweizer Gruppenmeisterschaften sind keine‹Chäpslete›. Die Schützen gehen da seriös ihrem Hobby nach und verbringen zusammen eine gute Zeit.»

Die gute Laune lassen sich auch die Thuner aus Fahrni nicht verderben, obwohl die 348 Punkte im Final nicht ganz zum Triumph reichen. Die Titelverteidiger müssen sich hinter Wattenwil Grundbach und Bertschikon mit Bronze begnügen. Gold holen zudem Aarau II bei den Standard- und Sportwaffengewehren sowie Rüeschegg-Graben bei den aufgerüsteten Sturmgewehren.

Die Sportschützen im Albisgüetli haben ihre Gewehre im Griff - dennoch müssen sie sich einem eingehenden Sicherheitscheck unterziehen.

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