Darf man mit einer Drohne über Blochers Villa fliegen?

Ein neuer Kurs zeigt Drohnen-Piloten, worauf sie achten müssen. Denn verbindliche Regeln gibt es bisher kaum.

Das sollten Sie über Drohnen wissen. (Video: Lea Blum)

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Technikfreaks lieben sie, doch immer mehr Leute fühlen sich von den kleinen Dingern gestört und ausspioniert. Bereits Billigmodelle ab gut 100 Franken liefern hochauflösende Bilder direkt aufs Tablet oder Handy des Piloten. Drohnen schwirren auf Skipisten oder über Bike-Trails, gesteuert aus dem Rucksack der Sportler. Und die Polizei überwacht Demonstrationen aus der Luft.

Weiterer Grund für das schlechte Image: Drohnen spielen meist eine miese Rolle in Spionagefilmen und militärischen Anwendungen. «Dabei sind sie ein ausgezeichnetes Arbeitsinstrument, wenn man verantwortungsvoll mit ihnen umgeht», sagt Frédéric Hemmeler, Helipilot, Skyguide-Mitarbeiter und Gründer der ersten Schweizer Drohnenschule Fly&Film.

Die 40'000-Franken Drohne

Auf dem Waffenplatz im aargauischen Brugg steht am Donnerstag eine Hightech-Drohne – 40'000 Franken teuer und 40 Kilo schwer. Pilot Yann Mathier steuert sie trotz kräftiger Bise zentimetergenau über die Kampfbahn der Genie-Truppen – GPS hilft bei der Stabilisierung. Die Drohne trägt einen 20 Liter fassenden Tank für Pflanzenschutzmittel. Mit diesem Modell werden im Wallis bereits ganze Rebberge gespritzt. Ein Tank reicht für 10 Hektaren.

Die Agrardrohne im Sprüheinsatz in Weinbergen. (Video: Lea Blum mit Material von Fly&Film)

Die Vorteile sind offensichtlich: Sie ist viel leiser als ein Helikopter, kann auch unter Kabeln und zwischen Bäumen durchfliegen, und sie sprayt präziser als ein Heli. Im Gegensatz zu einem Traktor zieht sie keine Furchen in den Rebberg. Und der Pilot muss sich nicht von Sprühmitteln einnebeln lassen wie bei manueller Ausbringung.

Bis 100'000 Drohnen summen schon

«In der Luftfahrt beginnt eine neue Ära», ist Frédéric Hemmeler überzeugt. In der Schweiz gibt es bereits 20'000 bis 100'000 Drohnen. Genaue Zahlen fehlen, weil ein Grossteil übers Internet bezogen wird. Da die allermeisten Piloten blutige Amateure sind, dürfte es früher oder später zu Unfällen kommen, wenn Drohnen anderen Flugkörpern in die Quere kommen oder abstürzen. «Bis spätestens 2020 braucht es für den Betrieb von grossen Drohnen eine Lizenz», ist Hemmeler überzeugt. Die EU mache bereits Druck. Mit seiner Drohnenschule will er vorangehen.

Noch sind die Vorschriften selbst in der gut regulierten Schweiz kaum existent. Heute gilt:

  • Jeder darf eine Drohne bis zu 500 Gramm Gewicht steigen lassen.

  • Drohnen zwischen 500 Gramm und 30 Kilo brauchen eine Haftpflichtversicherung bis zu einer Deckung von einer Million. «Das Papier gehört auf Mann, sonst gibts eine Busse», sagt Hemmeler.

  • Drohnen über 30 Kilo brauchen eine Bewilligung des Bundesamts für Zivilluftfahrt.

  • Im Abstand von weniger als fünf Kilometern von einem Flugplatz sowie über Natur- und Vogelschutzgebieten sind Drohen verboten.

  • Menschenansammlungen von über 24 Personen dürfen sich Drohnen höchstens 100 Meter annähern.

  • Der Pilot muss immer direkten Augenkontakt zu Drohne haben.

  • Beim Fotografieren und Filmen müssen die Persönlichkeitsrechte von Drittpersonen gewahrt werden. Menschen dürfen nicht ohne ihr Einverständnis fotografiert werden.

Erste Drohnenschulen gibts seit kurzem im Wallis und in der Westschweiz. Im Technopark Aargau in Brugg wurde am Mittwoch die erste Deutschschweizer Schule vorgestellt. Ein Kurs dauert eine Woche und kostet 1850 Franken. Die Schule richtet sich an Personen, die mit Drohnen Geld verdienen möchten – Fotografen, Landwirte, Baufachleute, Rettungskräfte – und solche, die schon einen Bezug zur Aviatik haben wie Piloten oder erfahrene Modellflieger. Der Kurs besteht je zur Hälfte aus Theorie und Praxis.

Für Spanner sind Fernrohre billiger

«Darf man eine Drohne über Blochers Villa fliegen lassen?», fragt einer. «Im Prinzip ja», sagt Hemmeler, «wenn man Herrn Blocher auf dem Bild nicht erkennt.» Und wie ists mit der Nachbarin, die auf dem Balkon ein Sonnenbad nimmt? Auch diese darf man nicht erkennen. Für Privatdetektive und Spanner eignen sich Drohnen aber nicht, sagt der Profi, weil die Auflösung der Kamera zu gering und das Sirren der Propeller viel zu auffällig sei. «Wenn schon, wäre jedes Fernrohr aus dem Warenhaus geeigneter», so Hemmeler.

Für den Schulgründer und langjährigen Helipiloten im kanadischen Busch sind Drohnen ein Arbeitsinstrument. Ideale Einsatzmöglichkeiten sind überall dort, wo sie günstiger und leiser sind als Helis, an unzugänglicher Orten – «und dort, wo Menschen vor einem Risiko bewahrt werden können». Zum Beispiel bei Lawinensprengungen, bei der Suche von Verschütteten oder dem Einfliegen von Medikamenten in unzugänglichen Gebieten. Die Post experimentiert mit Drohnen, und auch Spitäler setzen sie schon ein. «Die Entwicklung ist rasant», sagt Hemmeler, bald können auch Personen mit Drohnen transportiert werden. Leistungsmässig steht und fällt die Entwicklung der Drohnen allerdings – wie auch bei Elektroautos – mit der Batteriekapazität.

Erstellt: 14.04.2017, 11:31 Uhr

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