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Sie hält in der Nacht Wache, wenn der Tod ganz nah ist

Verena Fässler ist die Präsidentin des Vereins freiwillige Sitzwache in Männedorf. Sie leistet Leuten Gesellschaft, die im Spital im Sterben liegen.

Philosophieren über den Tod muss man am Bett von Sterbenden oder Schwerkranken selten. «Eigentlich ist das schade», findet Verena Fässler und dreht nachdenklich ihr Cola-Glas in der Hand. Sie sitzt am Stubentisch ihrer Männedörfler Wohnung, in der sie zusammen mit ihrem Mann lebt. Mehrmals pro Jahr verbringt sie einen Abend oder eine Nacht ganz woanders: im Spital Männedorf, wo sie am Krankenbett unentgeltlich Sitzwache hält. In der Regel ist es dann still, denn die Schwerkranken schlafen oder dösen – beruhigt durch die Nähe eines Menschen, der für sie da ist.

Angst vor Gesprächen über das Sterben und den Tod hätte sie keine, sagt die 58-Jährige. Sie ist mit diesen Themen seit jungen Jahren vertraut. In Biel, wo sie aufgewachsen ist, hat man die Verstorbenen jeweils zu Hause aufgebahrt. Einen Tag oder gar länger stand der offene Sarg mit der Leiche eines nahen Verwandten in einem Schlafzimmer. «So hatte die Familie Zeit, sich zu verabschieden», sagt Fässler. Als sie 12 Jahre alt war, lag ihr über 80-jähriger Grossvater aufgebahrt in der Stube. Es war ein trauriger, aber friedlicher Abschied.

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