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Sie lernte mit 30 schwimmen und wurde zur Crawl-Königin im City

Im Hallenbad City hat die Oberriednerin Paula Weber unzähligen Zürchern das Schwimmen gelehrt. Nach der Schliessung wird sie ihre Längen im See schwimmen. Aufgezeichnet von Ev Manz

«Es ist herrlich. Ich geniesse die letzten Tage im City in vollen Zügen. So wenige Schwimmer hatte es in all den Jahren nie. Jetzt komme ich auch selber wieder zum Schwimmen, meine Kurse sind alle schon zu Ende. Diese Woche bin ich praktisch jeden Morgen um sieben Uhr im Bad gestanden - manchmal schon mit einer Velofahrt von Oberrieden in den Waden - und eine Stunde geschwommen. Eigentlich immer Crawl, Brust- und Rückencrawl. Herrlich. Man muss ja auch mit 60 noch was tun, oder? Aber ich muss sagen: So fällt es mir noch schwerer, am Wochenende vom Hallenbad City Abschied zu nehmen. Zum Glück ist es nur vorübergehend, und zum Glück wohne ich am See.

23 Jahre lang stand ich zwei Abende die Woche am Beckenrand und gab Kurse. Meist mehrere hintereinander. Wie viele Zürcher bei mir schwimmen gelernt haben, weiss ich nicht. Aber es waren viele. Immer wieder winkt mir jemand von der Bahn, grüsst mich jemand, plaudert kurz. Eine Gruppe von Triathlon-Männern, alles Kästen, ist mir speziell in Erinnerung geblieben. Sie trauten mir zuerst nicht ganz, im Stil: Was will denn die Grossmutter da? Aber als sie dann von Mal zu Mal besser schwammen, hatten wir einen Riesenspass. Überhaupt waren Männer, die den Kurs besuchten, seltener. Heute ist es sehr durchmischt, auch von den Nationalitäten her. Einzig in einem Anfängerkurs für Brust sind vorwiegend Ausländer.

Am Anfang unterrichtete ich noch alle Lagen, in den letzten Jahren nur noch Crawl. Das hat sich so ergeben, auch, weil ich wegen meines Rückens und meiner lädierten Hüften irgendwann nur noch crawlen konnte. Aber ich muss schon sagen: Die Verbindung von Bewegung, Atemtechnik und Wasserlage beim Crawlen fasziniert mich schon ganz besonders. Wenn meine Kursteilnehmer nach einer Übung das richtige Zusammenspiel spüren, das Aha-Erlebnis haben und gleiten, dann freut mich das.

Das habe ich ja am eigenen Leib erlebt. Bis 30 konnte ich nämlich überhaupt nicht schwimmen, obwohl ich schon immer ein Bewegungsmensch. war. Bürglen, der Ort meiner Kindheit im Urnerland, lag nicht direkt am Vierwaldstättersee, und in einer Familie mit neun Kindern hatte Schwimmen keinen Platz. Trotzdem bin ich Anfang zwanzig in Frankreich Wasserski gefahren.

Nach der Arbeit im Gastgewerbe und der Geburt meiner zwei Söhne kam der Wunsch auf, doch noch selber schwimmen zu lernen. Seit je war das Wasser neben den Bergen mein Element. Ich versuchte es zuerst mit meinem Mann, aber das ging nicht. Der Respekt war zu wenig gross. Er konnte mir zwar die Bewegung zeigen, die panische Angst vor der Tiefe unter mir aber blieb. Dann besuchte ich einen Schwimmkurs beim Schwimmverein Zürileu.

Den ersten Brustkurs habe ich drei- oder viermal absolviert. Erst dann zitterten die Beine nicht mehr. Danach machte ich Fortschritte, und alles ging ganz schnell. Der Verein suchte neue Schwimmtrainer, und ich sagte zu. Statt zurück ins Gastgewerbe zu gehen, wo ich mein erstes Standbein hatte, stand ich fortan mit dem blauen Trainerleibchen im Hallenbad und besuchte Ausbildungskurse. Ich sagte mir, so bleibe ich dran. Und, voilà.

Die Schliessung des City gibt mir jetzt Gelegenheit, etwas kürzerzutreten. Neben den drei Kursen, die ich noch habe, bleibt mir etwas mehr Zeit für meine beiden Enkel und meinen Mann. Er ist zwar keine Sportskanone, unterstützte mich aber immer, wenn ich Sport machen wollte. Er war sogar froh, wenn ich ging, denn so war ich nachher wieder auszuhalten. Dazu kommen die Hauswartung von zwei Häusern in der Stadt, Wandern, Jassen, Aqua-fit, Skifahren, Reisen.

Das Schwimmen aber wird bleiben. Wohin ich denn nun schwimmen gehe, wollten viele meiner Kursteilnehmer wissen. Im See, sagte ich ihnen, und sie staunten. Aber es ist so. Sobald die Wassertemperatur auf über 16 Grad steigt, werde ich zwischen Oberrieden und Horgen schwimmen. Im Anfang noch im Neopren-Anzug, da mich sonst die Hüften schmerzen. Und nur zehn Minuten, damit sich der Körper an die Kälte gewöhnt. Aber das dehne ich dann aus, bis dreimal eine Stunde pro Tag. In der Badehose und mit dem Badetuch muss ich nur die Seestrasse überqueren und bin schon auf unserem Seeplatz. Das ist natürlich ideal. Ich habe mir auch schon überlegt, einen Kurs am See anzubieten, aber ich habe noch nicht die ideale Form gefunden.

Das Schwimmen im See unterscheidet sich nämlich stark vom dem im Becken. Noch heute, wenn ich manchmal daran denke, was alles unter mir liegt, möchte ich grad rausgehen. Die Fischer kennen mich bereits, auch bin ich ihnen schon in die Quere gekommen. Mit den Schiffen gab es nie Probleme. Einzig die Panta Rhei macht so hohe Wellen, dass sogar mit der Crawltechnik das Atmen schwierig wird.

Unterrichten würde ich aber auch nach dem Umbau des Hallenbads City gern. Ich freue mich zum Beispiel auf das Glasdach. Die Frage ist nur, ob ich in zwei Jahren noch fit bin. Nein, es geht mir ja in dem Sinne wunderbar. Und eigentlich möchte ich noch einigen Zürchern das Aha-Erlebnis ermöglichen.» Schwimmer schauen zur Trainerin Paula Weber auf. Foto: Patrick Gutenberg

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