Siebers Pfuusbus braucht neuen Pfuus

Zürichs wichtigste mobile Notschlafstelle ist komplett veraltet: Der Wagen von Pfarrer Sieber hat ausgedient und muss ersetzt werden. Doch die Spenden dafür sind bescheiden.

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Der Pfuusbus von Pfarrer Sieber ist in Zürich seit vielen Jahren eine Institution. An den kalten Winterwochen von Mitte November bis Mitte April steht das Fahrzeug seit 13 Jahren auf einem Areal im Albisgüetli.

Der Bus ist eine Anlaufstelle für Menschen ab 18 Jahren, die obdachlos sind und keine Wohnmöglichkeit in Aussicht haben. Im Pfuusbus bekommen sie eine Schlafgelegenheit und werden verpflegt. Das Angebot ist ein Erfolg: In der vergangenen Saison wurden über 3800 Übernachtungen verzeichnet, 700 mehr als 2014.

Nun stösst der Pfuusbus an seine Grenzen. «Er ist komplett veraltet und rostet innen und aussen», sagt Monika Christen von den Sozialwerken Pfarrer Ernst Sieber (SWS), «seit einigen Jahren bangen wir bei jedem Winteranfang, ob er noch eine weitere Saison durchhält.»

Der 17 Meter lange Sattelschlepper ist 14 Jahre alt. Die Betriebskosten steigen, die Wartungsarbeiten fallen von Jahr zu Jahr teurer aus. Christen: «Es wird Zeit für einen neuen Pfuusbus, deshalb sammeln wir nun Geld.» Das Ziel sei, ab kommenden November mit dem neuen Bus die Obdachlosen zu empfangen.

Geräumige Küche als Begegnungsort

Der neue Bus kostet 100'000 Franken. Sein Vorteil: Er bietet 15 modern ausgerüstete Schlafplätze (3 mehr als bisher) und verfügt über Heizung, Toiletten und eine Dusche. «Er besitzt eine grosse, gut ausgebaute Wohnküche mit Kühlschrank, Kochherd und Sitzgelegenheiten», sagt Christen. Da die Wasserversorgung wie auch die Energieversorgung des Busses auf keine externe Quelle angewiesen ist, kann das Fahrzeug unabhängig vom Standort betrieben werden.

«So sind wir flexibler und können dort hinfahren, wo die Not ist», sagt Christen. Sie schwärmt von der geräumigen Küche als neuem Begegnungsort, denn viele Obdachlose suchen den Bus nur für eine einfache, warme Mahlzeit auf oder suchen die Gesellschaft anderer.

Schritt ins digitale Zeitalter

Damit die wichtige Überlebenshilfe für Obdachlose überleben kann, schlagen die Sozialwerke bei der Spendensuche neue Wege ein, indem sie verstärkt auf das Internet setzen. Ab sofort können Spendenwillige auf der Plattform Letshelp.ch ihre Geldbeträge abgeben. Mit diesem kürzlich gestarteten Internetangebot vollziehen die Schweizer Hilfswerke den Schritt ins digitale Zeitalter. Auf der Website präsentieren sich neben dem Pfuusbus von Pfarrer Ernst Sieber 14 weitere ausländische wie inländische Projekte, die finanzielle Unterstützung suchen.

Die Website ist übersichtlich gestaltet. Die Spender können die Projekte schnell nach Organisation oder Themen filtern und somit zweckgebunden spenden. Initiiert wurde die neue Spendenplattform von der Zertifizierungsstelle Zewo, dem Berufsverband Swissfoundraising und der Swisscom. Mitmachen dürfen nur Hilfswerke, die mit einem Zewo-Gütesiegel ausgezeichnet sind.

Für die SWS ist der Spendenaufruf auf der neuen Plattform ein Versuch, wie Hansueli Gujer erklärt, Fundraising-Beauftragter bei SWS. «Wir können dank des Internets unsere Spendenaktion breiteren Bevölkerungskreisen präsentieren als bisher.»

Bis jetzt fallen die Spenden bescheiden aus: Der neue Bus hat aktuell 15 Unterstützer, die insgesamt 890 Franken gespendet haben. Die Aktion läuft noch 81 Tage.

Erstellt: 07.07.2016, 10:59 Uhr

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