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So sollen Kindergärtler besser Deutsch lernen

Die Primarschule Dübendorf geht bei der Sprachförderung von Migrantenkindern neue Wege. Neben Sprachunterricht im Kindergarten sollen die Kinder auch in der Freizeit noch mehr Deutsch sprechen.

Dübendorf - In den Dübendorfer Kindergärten Nelkenstrasse und Birchlen besuchen fremdsprachige Eltern - meist Mütter - zusammen mit ihren Kindern den Deutschunterricht. Jeden Montagnachmittag während zweier Stunden. Die Eltern sollen so lernen, wie das Schweizer Schulsystem funktioniert und wie sie ihre Kinder zu Hause auf die Schule vorbereiten können - so die Idee des vor zwei Jahren lancierten Dübendorfer Pilotprojekts «Erfolgreicher Schulstart». Mit guten Deutschkenntnissen können die Kinder in der Primarschule dem Unterricht besser folgen und starten so erfolgreicher in ihre Schulkarriere.

In Dübendorf ist das Problem mit den fremdsprachigen Kindern akut: Von 200 Kindern, die jedes Jahr neu in den Kindergarten kommen, sprechen mehr als die Hälfte kein Deutsch. «Es gibt auch Quartierkindergärten, wo über 70 Prozent fremdsprachig sind», sagte Edith Jöhr (BDP), Präsidentin der Primarschulpflege Dübendorf, gestern an einer Medienorientierung. Das 2008 lancierte Projekt «Erfolgreicher Schulstart» soll den Kindern das Deutschlernen erleichtern.

Beginn schon im Kindergarten

In den vergangenen zwei Jahren absolvierten 37 Personen den Eltern-Kind-Deutschkurs im Kindergarten. «Das Pilotprojekt ist ein Erfolg», sagte die verantwortliche Schulpflegerin Susanne Hänni. 85 Prozent der angesprochenen Eltern hätten teilgenommen. Dies obwohl die Skepsis zu Beginn des Kurses gross gewesen sei. «Die Eltern konnten nicht nur ihre Sprachkenntnisse verbessern, sondern sie knüpften im Kurs auch Kontakte und fanden so aus ihrer häuslichen Isolation heraus», hat Hänni festgestellt. Allerdings seien die sprachlichen Fortschritte bei den Eltern eher ernüchternd gewesen. «Es gab aber auch Mütter, die danach den Mut hatten, einen Deutschkurs zu besuchen», so Hänni.

Im kommenden Schuljahr baut die Primarschule Dübendorf das Pilotprojekt zusammen mit dem Schweizerischen Roten Kreuz aus und lässt es vom Institut für Bildungsevaluation der Universität Zürich wissenschaftlich begleiten. Wie sich das Projekt auf die Sprachkompetenzen der Kinder auswirkt, eruiert das Institut mit einer Untersuchung. Es begleitet die Kinder über drei Jahre und testet ihre Sprachkenntnisse immer wieder. «Die Studie soll zeigen, welche Massnahmen sinnvoll sind, damit Migrantenkinder den sprachlichen Rückstand aufholen können», sagt Urs Moser vom Institut für Bildungsevaluation. Erste Ergebnisse sind für Ende 2013 zu erwarten. Finanziert wird die Studie von der Jacobs Foundation, die sich für die Bildung von jungen Menschen einsetzt. Sie hat dafür 350 000 Franken gestiftet.

Das neue Förderungsmodell von Dübendorf umfasst drei Elemente:

Sprachkompetenz: Die fremdsprachigen Kinder besuchen vier Lektionen Deutschunterricht im Kindergarten.

Einbezug der Eltern: An einem Nachmittag pro Woche lernen die Kinder zusammen mit Mutter oder Vater Deutsch. Sie erhalten so einen Einblick, wie die Schule in der Schweiz funktioniert.

Deutsch in der Freizeit: Während zwei bis drei Stunden pro Woche besuchen die fremdsprachigen Kinder einen deutschsprachigen Gastgeber. Dieses Integrationsangebot hat das Schweizerische Rote Kreuz Kanton Zürich 1993 mit dem Titel «Mitten unter uns» lanciert und bietet es derzeit in acht Gemeinden im Kanton an. Im Oberland beispielsweise in Illnau-Effretikon, Uster, Wetzikon und Rüti. Neu kommt Dübendorf hinzu. Dafür sucht das Rote Kreuz noch Gastgeber aus Dübendorf (siehe Box). Ebenfalls geplant ist, dass die Kinder in Sport- und Bewegungskursen (J & S-Kids) Deutsch lernen. Im kommenden Schuljahr werden zudem in den Kindergärten Zwinggarten und Strehlgasse neu ebenfalls Eltern-Kind-Deutschkurse angeboten.

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