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So war es in Hinwil während des Zweiten Weltkriegs

Das Ortsmuseum eröffnet am 2. Mai die neue Ausstellung. Ein Rückblick auf die Zeit mit Radio Beromünster, Anbauschlacht und Internierungslager Girenbad.

Hinwil - «Wir wollten keine Militärausstellung», erklärt Initiator Roland Glättli. «Wir wollten zeigen, wie die Zivilbevölkerung die Kriegszeit in Hinwil miterlebt hat.» In aufwendiger Vorarbeit, aus Interviews mit Zeitzeugen und unzähligen Exponaten entstand die diesjährige Sonderausstellung mit viel Liebe zum Detail. Die nachgestellten Wohnräume erwecken den Eindruck, als seien sie noch bewohnt. In der Küche steht der getupfte Milchhafen bereit, im Bauernstübli tickt die Wanduhr an der rosa Blümchentapete.

Trudi Keller-Aeppli hat als 9-Jährige den Zweiten Weltkrieg als Bauerntochter miterlebt. Sie erinnert sich, wie sie im Wohnzimmer am Radio das Kriegsgeschehen mitverfolgte. Besonders gut könne sie sich an die Reden von Hitler erinnern; vom Inhalt habe sie nicht viel verstanden, aber der Tonfall klinge ihr noch heute in den Ohren. Kriegsberichte und andere Originalausschnitte aus den damaligen Beromünster-Sendungen sind ab kommendem Samstag im Hinwiler Ortsmuseum zu hören.

Frauen waren auf sich gestellt

Ein grosser Teil der Sammlung befasst sich mit den Folgen der Mobilmachung im September 1939. Keller-Aeppli erinnert sich: «Es war nach dem Mittagessen, Vater hatte gerade noch die Gülle aufs Feld gebracht, als wir es im Radio hörten. Dann war es so weit.» Die Soldaten wurden zur Grenzverteidigung berufen. Wie da der Vater über Hitler geflucht habe, so habe sie ihren Vater noch nie fluchen hören.

Jetzt waren die Frauen auf sich gestellt und mussten allein für Familie und Hof sorgen. Ein Stelleninserat aus dieser Zeit lautet: «Gesucht: Serviertochter, die melken und mähen kann.» Auch dieser Beizer und Bauer musste einrücken und liess seine Arbeit zurück. Die Exponate aus Fundus und Leihgaben verdeutlichen, wie sich die Hinwiler gemeinsam neu organisierten.

Erinnerung an Anbauschlacht

Zurück von der Grenzverteidigung zogen die Soldaten und ihre Familien gleich in die nächste Schlacht: die Anbauschlacht. Mit dem Plan Zwahlen sollte die Selbstversorgung im Land sichergestellt werden. So wurden auch in Hinwil Wälder abgeholzt und Riete trockengelegt, um mehr Lebensmittel anbauen zu können. Ein Kartoffelacker im Museumsinnenhof, gesponsert von der Gärtnerei Muggli, soll an der Vernissage an die Anbauschlacht erinnern.

Besonders Benzin als typisches Importgut war knapp. Ausstellungsinitiator Roland Glättli berichtet, wie damals ein Bauer seinen Rapid von der Kuh aufs Feld ziehen liess, um erst dort den Motor starten zu müssen. Fotos und Gegenstände der Ausstellung zeigen, wie man sich in der Knappheit mit Ersatzstoffen aushalf; Brot aus Kartoffelmehl, Kaffeeersatz und Korkzapfenkonstruktionen anstelle von Velopneus.

Zunehmend erhielt die Hinwiler Wirtschaft Unterstützung von Internierten - grösstenteils Polen. Zum Internierungslager in Girenbad gelang es Museumsvorstandsmitglied Marianne Meili in aufwendiger Recherche, Fotos und Berichte von Zeitzeugen zu einem Ausstellungsteil zusammenzutragen. Einen besonderen Platz nimmt darin die Geschichte des internierten jüdischen Tenorsängers Joseph Schmidt ein.

Am 2. Mai findet die Vernissage mit Museumsbeizli statt; am 6. Juni unterhalten Hinwiler Lehrer der Musikschule Zürcher Oberland im Rahmen des Projekts «Klingende Museen» mit Liedern aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Lebensmittelkarte von 1940. Foto: PD

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