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«Sobald eine Frau im Raum ist, verhalten sich Männer anders»

Heute findet in Horgen das zweite Männerpalaver statt. Der Sozialdiakon der reformierten Kirche, Peter Raich, spricht mit Männern über Haushalt, Glaube oder Sexualität.

Mit Peter Raich sprach Nicole Trossmann Herr Raich, ich kann mir nicht recht vorstellen, dass viele Männer das Bedürfnis haben, gemeinsam über den Haushalt zu sprechen – aber genau das war das Thema des ersten Palavers. Hand aufs Herz: Wie viele Männer kamen? Das verrate ich nicht. Das Palaver ist vertraulich, und darum will ich Details bis hin zur Zahl der Teilnehmer geheim halten. Kam überhaupt jemand? Natürlich. Wir waren genug Männer – zwischen 35 und 74 Jahren übrigens –, um die Palaverrunde zu starten. Ich will aber keine konkrete Zahl nennen; ist sie hoch oder niedrig, in beiden Fällen fühlten sich vielleicht manche Männer abgeschreckt, weil ihnen die Runde zu familiär oder eben zu anonym erscheint. Nun denn. Doch warum riefen Sie diese Palaverrunden überhaupt ins Leben? Sehen Sie, es erinnerte mich an manche afrikanischen Völker. Dort ruft ein Stammeshäuptling die Männer des Dorfs zusammen, wirft ein Thema ein und hört sich schweigend an, was jeder dazu zu sagen hat. Mich faszinierte dieser Gedanke. Das Palaver war anregend, ich spürte grosse Solidarität – und lernte Dimensionen des Mann-Seins kennen, die ich mir nicht hätte träumen lassen. Ein Beispiel bitte. Ein Thema war der Umgang mit dem Geld. Wenn etwa ein Partner jahrelang sämtliche Finanzen des Haushalts alleine regelt und dieser Partner, aus welchen Gründen auch immer, ausfällt, wird die Situation schnell heikel. Wir sprachen zudem auch über die geschichtliche Rollenentwicklung: Heute gilt es als normal, dass beide Partner im Haushalt helfen, früher wäre es keinem Mann in den Sinn gekommen, einen Staubsauger in die Hand zu nehmen. Es kamen sehr persönliche, ja intime Dinge zum Vorschein. Wir sprachen auch über Dinge, welche die Männer zu Hause mit ihren Frauen nicht thematisieren. Nicht? Nein. Schon früher erzählten mir Männer immer wieder, dass sie sich, sobald eine Frau im Raum ist, anders verhalten. Sie haben das Gefühl, sich profilieren und Stärke zeigen zu müssen. Sie begannen letzte Woche mit einem harmlosen Thema: Haushalt. Das Thema heute, «Männer und Sexualität», ist weniger unverfänglich. Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Männer sich untereinander dazu öffnen wollen. Das sagen Sie als Frau. Zugegeben, ich bin selber sehr gespannt, ob das Thema mehr oder weniger Männer anlockt. Aber abschätzen kann man das nie: In Zürich, wo ähnliche Männerpalaver schon stattfanden, dachte ich, zu «Männer und Glaube» käme kaum einer – und wir wurden überrannt. Männerpalaver, heute 20 Uhr, See la vie, Horgen. Thema: Männer und Sexualität. Das Männerpalaver wird findet im November noch zweimal statt. Die Themen sind dabei «Männer und Kindheit» (17. 11.) und «Männer und Glaube» (24. 11.). Das Forum wird von der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde organisiert. «Ich bin selber gespannt, ob das Thema Sexualität mehr oder weniger Männer anlockt. Aber abschätzen kann man das nie.» Peter Raich, Sozialdiakon Peter Raich.

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