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Sonova setzt auf Hörimplantate

Der Zürcher Hersteller von Hörgeräten expandiert und kauft für eine halbe Milliarde Franken die amerikanische Advanced Bionics. Diesmal dürften die Kartellbehörden schweigen.

Der Stäfner Weltkonzern Sonova kämpfte zuletzt mit zwei Problemen: In der Kasse lag zu viel bares Geld. Und als der Hörgerätehersteller das Geld ausgeben und den dänischen Konkurrenten Resound übernehmen wollte, legten sich die Kartellbehörden quer.

Das war vor zwei Jahren. Nun nimmt Sonova einen neuen Anlauf. Für eine halbe Milliarde Franken will der Konzern die amerikanische Advanced Bionics kaufen. Diesmal dürfte es klappen: Die Amerikaner sind spezialisiert auf Implantate und damit in einem anderen Geschäftsfeld tätig als Sonova. Der Stäfner Konzern ist führend bei klassischen, extern hinter dem Ohr angebrachten Schallverstärkern, die das Gehör direkt mit einem akustischen Signal versorgen. Hier ist Sonova mit 26 Prozent Marktanteil Weltmarktführer vor William Demant und Siemens.

Advanced Bionics dagegen bewegt sich im Feld der Implantate (siehe Grafik). Diese Form der Innenohr-Hörhilfe, sogenannte Cochlea-Implantate, kommt bei schwerem Hörverlust zum Zuge. Zum Beispiel bei tauben Neugeborenen oder nach einem Unfall oder einer Krankheit mit massivem Hörschaden. Jährlich rechnet Sonova mit 200 000 Fällen weltweit. Nur jeder Zehnte davon erhält heute ein Implantat. Sonova-Chef Valentin Chapero sagt: «Der Markt ist signifikant unterpenetriert, das Wachstumspotenzial beträchtlich.»

Dienstleistung steht im Zentrum

In der Schweiz, den USA und anderen europäischen Ländern werden die Kosten von den Krankenkassen übernommen. Ein Implantat kostet zwischen 20 000 und 25 000 Franken. Die lebenslange Beratung, das Erneuern des Prozessors und Ähnliches hat ebenfalls ihren Preis: rund 60 000 bis 80 000 Franken. Seit einigen Jahren betont Sonova denn auch, kein Hersteller von Hörgeräten zu sein, sondern ein Dienstleister für besseres Hören. Die neuste Übernahme unterstreicht diese Positionierung. Der chirurgische Eingriff ist nur der erste Schritt für eine lebenslange Beziehung zwischen Firma und Patient.

Chapero spricht von einem Glücksfall: «Die Übernahme ist eine Chance, wie sie nur einmal im Leben vorkommt.» Dass der verantwortliche Chef schwärmt, erstaunt wenig. Doch auch von Beobachtern und Analysten wird die Übernahme trotz des stolzen Preises (eine halbe Milliarde bei einem Umsatz von 117 Millionen Franken bei Advanced Bionics) gelobt. Sonova sei es gelungen, das Portfolio entscheidend zu verbreitern, und sie könne nun fast die gesamte Palette von Hörlösungen unter einem Dach anbieten. Zudem sei es auf Dauer ja auch unbefriedigend, mit dem Gewinn nur eigene Aktien zurückzukaufen, wie das Sonova zuletzt gemacht habe. Das laufende Aktienrückkaufprogramm wird jetzt sistiert.

Unmittelbar profitieren wird vom Deal aber vor allem Advanced Bionics: Die weiterhin eigenständig geführte neue Geschäftseinheit erhält Zugang zur renommierten Sonova-Sprach-Technologie. Vor allem aber ist Sonovas Vertriebs- und Marketingstruktur einiges grösser als die der Amerikaner. Diese verkauften letztes Jahr 4800 Implantate, die Stäfner dagegen 2 Millionen Hörgeräte. Sonova-Chef Chapero sieht denn auch hier das grosse Potenzial: «Innerhalb von drei bis fünf Jahren sollen die Implantatverkäufe verdoppelt werden», sagt er. Das Margenziel liegt bei über 20 Prozent.

Der Kaufpreis wird in bar bezahlt. Zur Finanzierung nimmt Sonova ein Akquisitionsdarlehen von 470 Millionen Franken auf. Die Rückzahlung dürfte kein Problem sein. Branchenkenner des Analystenhauses Helvea gehen davon aus, dass Sonova bereits nächstes Jahr über 400 Millionen Franken in Cash halten wird.

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