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Später zur Schule, um die S-Bahn zu entlasten

Schüler sollen ausschlafen, statt in der Stosszeit Züge zu verstopfen. Das fordert ein SP-Politiker. Fachleute reden von einer «Scheinlösung».

Von Daniel Schneebeli Zürich – Wer morgens um 7 Uhr zur Arbeit fährt, weiss, wie voll die Züge sind – vor allem auf den Linien S 5 und S 12. Und um diese Zeit ist ein beträchtlicher Teil der Fahrgäste Mittel- und Berufsschüler. SP-Kantonsrat Marcel Burlet schlägt nun in einer parlamentarischen Anfrage vor, den Schulbeginn von 7.30 auf 9 Uhr zu verschieben. Nur noch in Polen müssten die Jugendlichen so früh zur Schule wie in der Schweiz. In Deutschland beginne der Unterricht um 8 Uhr und in den anderen europäischen Ländern gar erst um 9 Uhr. Für Burlet könnten so nicht nur die Engpässe auf dem S-Bahn-Netz behoben, sondern auch noch das Problem der übermüdeten Schüler gelöst werden. Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass die innere Uhr von Jugendlichen anders ticke als jene von Kindern und älteren Menschen. Im Unterschied zu ihnen könnten Junge nicht so früh einschlafen, müssten aber morgens länger liegen bleiben. Die Frage ist nur: Wollen die Jugendlichen ausschlafen? Dem ist vor zwei Jahren Dominik Benz, damals Mittelschüler an der Kantonsschule Rychenberg in Winterthur, in seiner Maturarbeit nachgegangen. Er hat herausgefunden, dass Mittelschüler über alle Jahrgänge hinweg im Schnitt einen Schulbeginn von 8.20 Uhr wünschen. Benz findet daran vor allem erstaunlich, dass die Älteren nicht später zur Schule gehen möchten: «Wahrscheinlich sitzen sie am Morgen lieber müde in der Schule und kommen abends nicht zu spät heim.» Eine Verlagerung des Problems Skeptisch sind Lehrpersonen und Schulrektoren. Alexandra Siegrist-Tsakanakis, Physiklehrerin im Gymnasium Wiedikon, weiss aus ihrer Unterrichtserfahrung: «Am Morgen sind Jugendliche am aufnahmefähigsten.» Das findet auch Peter Ritzmann, Mathematiklehrer und Rektor an der Kantonsschule Küsnacht. Fachleute führen kaum lösbare organisatorische Probleme bei der Stundenplangestaltung und bei der Raumplanung an. Für Ritzmann ist aber Burlets Vorschlag noch aus einem anderen Grund eine «Scheinlösung». Wenn man morgens später beginne, sei der Unterricht auch später zu Ende: «Dann verstopfen die Jugendlichen die Züge einfach in der Stosszeit am Abend.» Diese Befürchtung hat auch der ZVV. Mediensprecherin Ursula Hess spricht von einer «Verlagerung des Problems». Wie viele Mittel- und Berufsschüler morgens unterwegs sind, kann sie nicht sagen, da dies nicht erhoben werde. Aus einer Forschungsarbeit zur Mittelschullandschaft im Kanton Zürich (TA vom 18. 2.) geht aber hervor, dass Schülerinnen und Schüler morgens teilweise mehr als 50 Prozent der Fahrgäste ausmachen.

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