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Spital geht auf die Gesunden los

Das Spital Männedorf richtet sich mit Fachreferaten an Leute, die noch nicht krank sind – auch ausserhalb seines Einzuggebiets. Die Konkurrenz nimmt das gelassen hin.

Von Frank Speidel, Matthias Mehl und Christian Dietz-Saluz Männedorf - «Bauchgeschichten» informiert über Beschwerden im Bauchraum, «Krebs berührt» über Behandlungen von Krebserkrankungen – das Spital Männedorf lädt diesen Winter zu Informationsveranstaltungen, die sich ganz klar an Gesunde richten. «Wir gehen zu den Menschen, bevor sie krank sind», sagt der Direktor des Spitals, Ralph Baumgartner. Es gehe darum, das Publikum auf einen Wechsel vom Gesundsein zur Krankheit vorzubereiten. «Der durchschnittliche Patient besitzt wenig Wissen über Behandlungsmethoden in Spitälern», sagt Baumgartner. Die Veranstaltungen finden in Meilen und in Rapperswil statt. Auch dort will man das Spital Männedorf bekannter machen. «Nüchtern gesagt, geht es um Information», sagt Baumgartner. «Wenn wir rausgehen, ist der Weg für die Interessenten kürzer. Ausserdem sendet unser Auftritt auswärts Signale aus: Wir gehen zu den Menschen.» Bereits heute würden rund zehn Prozent der Patienten in Männedorf aus dem Raum Rapperswil stammen, sagt Baumgartner. Zudem verzeichneten die Regionen Rapperswil und Obersee ein Bevölkerungswachstum. «Wir sind gut verankert» Dass damit das Spital Uznach direkt konkurrenziert wird, nehmen die Spitalverantwortlichen in der Region Obersee gelassen zur Kenntnis. «Angst vor den Mitbewerbern haben wir keine», sagt der Direktor des Spitals Linth in Uznach, Urs Graf. Man sei in der Region schliesslich sehr gut verankert. Daran änderten auch die geplanten Fachreferate nichts, welche das Spital Männedorf ab Ende Januar im Kunstzeughaus Rapperswil durchführen wird. Beim Branchenverband der Krankenversicherer, Santésuisse, beobachtet man schon seit längerem, dass sich Spitäler zu verkaufen versuchen. Dass so Gesunde zu Kranken gemacht werden, glaubt Santésuisse-Mediensprecherin Françoise Tschanz aber nicht: «Es liegt in der Verantwortung der Ärzte, keine unnötigen Behandlungen vorzunehmen.» Eigenwerbung im Trend Wenn Spitäler sachlich informierten und aktuelles Wissen vermittelten, habe Santésuisse nichts dagegen einzuwenden, sagt Tschanz. Dass Spitäler vermehrt Eigenwerbung betreiben, liege im Trend und zeige die grösseren unternehmerischen Freiheiten der Spitäler: «Sie wollen ein eigenes Profil entwickeln.» Künstlich erschaffene Kosten wegen gesunder «Kranken» befürchtet man bei Santésuisse nicht. Auch Männedorfs Spitaldirektor Baumgartner befürchtet keine Verteuerung des Gesundheitssystems: «Das Spital», sagt er, «hat einen Auftrag zur Erhaltung der Gesundheit der Bevölkerung. Dazu gehört auch die Vermittlung von Informationen.» Natürlich erhofft sich Baumgartner für sein Spital einen Image-Gewinn. Die Botschaft laute: «Das Spital präsentieren, das Spital regional verankern, das Spital mit drei Fachthemen näherbringen, den Patienten über sich, seine Gesundheit und seine Möglichkeiten informieren.» Denn eine Umfrage letzten Sommer hat ergeben, dass das Spital Männedorf mit seinen Angeboten nicht überall so bekannt ist, wie sich Baumgartner das erhofft hat. Ob die Vortragsserie eine einmalige Sache bleibt oder ob sie fortgesetzt wird, ist laut Baumgartner noch offen. Denn ob die PR-Offensive des Spitals ein Erfolg wird, lässt sich kaum messen, sagt Baumgartner.

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