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Spychers Rückkehr nach der Rückkehr

Mit GC gewann Christoph Spycher 2003 seinen einzigen Meistertitel. Mit YB und Emotionen spielt er morgen Sonntag im Letzigrund.

Von Ueli Kägi Für YB applaudierten in Istanbul am Mittwochabend die türkischen Zuschauer. YB spielt im Playoff um die Champions-League-Qualifikation. Aber für YB zählt das alles nichts, wenn das Team morgen Sonntag bei GC antritt. Die Super League ist das Basisgeschäft, und nach drei Runden liegen die Young Boys, im vergangenen Jahr Zweiter, ohne Sieg mit zwei Punkten auf Platz 8. Das Spiel gegen GC, im Vorjahr Dritter, ist ein Duell auf Augenhöhe. Die Zürcher sind gleich schwach gestartet. «So schön es gegen Fenerbahçe war», sagt Christoph Spycher, «so klar ist es, dass wir gegen GC gewinnen müssen, damit wir nicht mit dem Rücken zur Wand stehen.» Es wird ein besonderer Anlass sein für Spycher morgen im Letzigrund. Vier Jahre lang stand er bei den Grasshoppers unter Vertrag, bevor er 2005 nach Frankfurt in die Bundesliga wechselte. Mit ihnen verbindet ihn die Erinnerung an seinen grössten Erfolg auf Klubebene, als die Mannschaft den dramatischen Zweikampf gegen den FCB im Frühling 2003 mit dem Meistertitel abschloss. Und mit ihnen verbinden ihn noch gelegentliche Kontakte mit Ricardo Cabanas und Goalietrainer Patrick Foletti. In diesem Sommer hat Spycher Eintracht Frankfurt ohne Not verlassen und eine Lücke hinterlassen. Er war Captain und erlebte, wie sehr Trainer Michael Skibbe auf eine Vertragsverlängerung drängte. Er entschied sich zur Rückkehr in die Schweiz, weil die Erfüllung eines Bubentraums auf ihn wartete: ein Vertrag bei YB. Für ihn, der in Oberscherli in der Gemeinde Köniz aufgewachsen ist. Für ihn, der für Sternenberg, Bümpliz und Münsingen spielte. Für ihn, der seine Verwandtschaft und einen grossen Teil seiner Freunde in Bern hat. Und vor allem: für ihn, der sich in Bern zu Hause fühlt und hier die Zukunft seiner Familie sieht. YB-Wechsel: Eine Imagefrage Nach fünf Bundesliga-Saisons und im Alter von 32 Jahren fand es Spycher Zeit für diesen Entschluss. Er mochte nicht 35 sein bei der Rückkehr. Er wollte nicht «die Visitenkarte eines alternden Fussballers abgeben, der die Karriere ausklingen lässt», das war für ihn eine «Imagefrage und eine Frage des Stolzes». Der Wechselentscheid fiel ihm trotzdem nicht leicht, weil er die Wertschätzung bei der Eintracht spürte, weil er die Entwicklung der Mannschaft in der vergangenen Saison sah, weil er lieb gewonnene Freunde zurückliess. Er sagt: «Ich wäre noch sehr, sehr gerne weiter in Frankfurt dabei gewesen.» Und auch: «Am liebsten hätte ich zwei Dinge gleichzeitig getan.» Frankfurt war für Spycher im Rückblick «der absolut notwendige Schritt, um weiterzukommen». Er fühlt sich jetzt als Fussballer und Persönlichkeit gereift. Er hat erlebt, wie sich deutsche Spieler ungeachtet ihrer fussballerischen Fähigkeiten mit grossem Selbstbewusstsein vorstellen. Er hat gelernt, sich durchzusetzen, und findet es «nicht schlecht, wenn du dir eine Scheibe vom Selbstbewusstsein des Bundesliga-Fussballers abschneidest». Und er ist froh, dass er in Frankfurt nicht den Abgang verpasst hat wie andere, die lange im Klub waren und plötzlich nur noch auf der Bank sassen. Er sagt: «Es ist gescheiter, zu gehen und bei den Leuten in guter Erinnerung zu sein.» Er findet: «Ich bekam den Abschied, den ich mir wünschte.» YB kann ihm nicht das Frankfurter Geld und auch nicht die Reize der Bundesliga geben. Aber YB bietet ihm die Perspektive eines Schweizer Grossklubs mit Anstellung über das (vorläufig) auf 2013 festgelegte Ende als Fussballprofi hinaus. Ein Jahr hat Matura-Absolvent Spycher danach die Möglichkeit, bei den Young Boys und der vereinstragenden Stade de Suisse Nationalstadion Wankdorf AG alle Zukunftsmöglichkeiten zwischen Trainerjob und Management zu prüfen. Christoph Spycher ist einer, der sich Fragen stellt und eine Meinung macht. Aber er ist keiner, der sich überall produziert. Er würde später dem Geschäft gut tun, wie er jetzt seinen Mannschaften gut tut mit seiner Arbeitsweise, geprägt von Leidenschaft und Engagement. Bei YB ist Spycher vom Linksverteidiger ins Mittelfeld aufgerückt. Er hat keine Zeit benötigt, um die vorgesehene Rolle als Führungsspieler zu übernehmen, er war sofort akzeptiert. Er glaubt, dass gerade viele der jüngeren Spieler darauf gewartet hätten, dass einer wie er komme. «Eine gewisse Basisqualität» Gegen Fenerbahçe war YB ein starkes YB, das Gegenprogramm zum Meisterschafts-YB mit zwei Unentschieden gegen Thun und Luzern und einem 1:2 in Bellinzona. Für Spycher ist es «beruhigend», dass sein Team europäisch spielt in diesem Herbst, in der Champions oder wenigstens in der Europa League. Für Spycher ist es klar, dass YB nicht 36 Runden lang so stark sein kann wie nun in Hin- und Rückspiel der Champions-League-Qualifikation. Für Spycher ist aber auch klar, dass Auftritte wie am vergangenen Wochenende in Bellinzona nicht zulässig sind, die Mannschaft habe zwar nach dem Fenerbahçe-Hinspiel etwas schwere Beine gehabt, sei aber im Kopf nicht bereit gewesen. Er erwartet eine «gewisse Basisqualität», damit sich schwächere Auftritte auch einmal mit einer Standardsituation oder Einzelleistung aufpolieren lassen. Spycher sagt, die Abgänge von Doumbia und Yapi mit 35 Toren seien zwar nicht einfach zu kompensieren, er sieht trotzdem genügend Qualität, um in der Liga vorne mitspielen zu können. Nur findet er: «Es wäre im Moment einfacher für uns, wenn wir ein paar Punkte mehr hätten.»

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