Ja zum Unisponsoring – aber mit klaren Regeln

Der Vertrag der Universität Zürich mit der Grossbank UBS gab im Kantonsrat kontrovers zu reden. Bürgerliche sind zufrieden, Linke skeptisch.

Die Universität Zürich unter Spardruck: Tendenz zu Fremdfinanzierung steigend.

Die Universität Zürich unter Spardruck: Tendenz zu Fremdfinanzierung steigend. Bild: Keystone

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Zürich – Ein paar Lacher hatte Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) gestern in der Kantonsratsdebatte über das UBS-Sponsoring an der Uni Zürich auf ihrer Seite. «Ich habe dem Gaul sehr gründlich ins Maul geschaut», versicherte sie dem Rat, einen Spruch von Res Marti (Grüne, Zürich) aufnehmend. Dieser hatte zuvor gefragt, was die Trojaner wohl vom Sprichwort «Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul» gehalten hätten.

Das Sprichwort aufgegriffen hatte Marti, weil Unirektor Michael Hengartner bei Zuwendungen wie jener der UBS künftig nicht mehr von Sponsoring, sondern von Schenkungen reden will, wie er in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» erklärt hatte. Erst auf Druck von Journalisten und Politik war der Vertrag zwischen der Universität und der UBS öffentlich geworden. Der Kantonsrat debattierte wegen einer Interpellation von Moritz Spillmann (SP, Ottenbach) über das 100-Millionen-Franken-Sponsoring am Institut für Volkswirtschaftslehre.

Spillmann sagte, die Freiheit und Unabhängigkeit von Forschung und Lehre sei ein Grundsatz. Weder mittelbares noch unmittelbares Einmischen von aussen sei akzeptabel. «Wer bei solchen Sponsoringverträgen nicht transparent ist, macht sich verdächtig.» Res Marti ergänzte, die Uni habe einen gesellschaftlichen Auftrag zur Grundlagenforschung für die Allgemeinheit.

Mattea Meyer (SP, Winterthur) geisselte das UBS-Sponsoring gar als «massiven Ausverkauf von Freiheit und Demokratie» – wer bezahle, wolle das Recht zur Mitbestimmung. Die Uni sei unter Spardruck, die Tendenz zur Finanzierung von aussen, die momentan bei knapp 4 Prozent liege, steigend.

«Forschen auf Befehl geht nicht»

Zeigten sich die linken Parteien sehr skeptisch, können bürgerliche Parlamentarier am Sponsoring nichts Falsches sehen. Die Uni gerate damit nicht unter die Fittiche der Wirtschaft, sagte Dieter Kläy (FDP, Winterthur). Dafür sei der finanzielle Anteil zu klein. Doch auch er räumte ein, dass die Freiheit der Uni wesentlich sei, Forschen auf Befehl gehe nicht an. Das «ewige Misstrauen der linken Ideologen gegenüber der Wirtschaft» prangerte Rochus Burtscher (SVP, Dietikon) an. Je höher der Betrag des Sponsorings sei, desto höher sei das Misstrauen. Die Unterstützer dürfe man nicht ständig vor den Kopf stossen. «Es ist doch legitim, wenn Geldgeber sagen, in welche Richtung ihr Einsatz verwendet wird.»

Auch die CVP sprach sich für Sponsoring und Drittgelder aus, wie Lorenz Schmid sagte. Er wünsche sich, dass die Unileitung und der Unirat aus dem UBS-Fall Lehren gezogen hätten bezüglich Transparenz und Unabhängigkeit.

Einig waren sich fast alle im Rat, dass es für Sponsoringgelder oder Schenkungen klare Regeln braucht. Regierungsrätin Regine Aeppli (SP) sagte, die Freiheit von Forschung und Lehre sei das klare Ziel. Würden sich Politik und Wirtschaft einmischen, wäre das eine Gefahr für die Universität Zürich.

Erstellt: 29.04.2014, 07:40 Uhr

SP-Kantonsrat Moritz Spillmann: «Wer bei solchen Sponsoringverträgen nicht transparent ist, macht sich verdächtig.»

SP-Regierungsrätin Regine Aeppli: «Ich habe dem Gaul sehr gründlich ins Maul geschaut.»


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