Hintergrund

1 Toilette für 3300 Besucher

Die Stadt Zürich wurde buchstäblich von Züri-Fäscht-Besuchern geflutet. Vor allem das Niederdorf hat unter den Wildpinklern gelitten.

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Die Zürcher Innenstadt wurde in den vergangenen drei Tagen von 2,3 Millionen Züri-Fäscht-Besuchern geflutet – und das im wahrsten Sinne des Wortes. In allen Ecken und Gassen der City wurde uriniert. Ein beissender Gestank lag die ganze Zeit über dem Festgelände.

Vor allem das Niederdorf hat unter den Wildpinklern gelitten. «An die Wände zu urinieren, ist das eine. Aber inzwischen wird sogar an Holztüren und in die Eingänge gepinkelt – vom Kot ganz zu schweigen», ärgert sich ein Anwohner. Vor 20 Jahren wäre so was nicht vorgekommen, ist er überzeugt. «Aber es sind Kampftrinker, und irgendwo muss das alles ja hin.»

Mit Giesskannen gegen den Urin

Einige Anwohner versuchten, mit Giesskannen und Wasserschläuchen die Überreste der Festbesucher wegzuputzen. Andere haben sogar ihre Häuserfassaden und Eingänge mit Plastikfolie beklebt, um sie vor dem Urin zu schützen. Das Quartier sei fast unbewohnbar, kommentiert ein Bewohner das Geschehen.

Den Festbesuchern wurde es auch schwer gemacht, ihre Notdurft am passenden Ort zu verrichten. Die Organisatoren des Züri-Fäscht haben auf dem gesamten Festgelände 500 mobile Toilettenanlagen aufgebaut und die Wirte dazu aufgefordert, ihre sanitären Anlagen gegen Bezahlung für das Festpublikum zu öffnen. Hinzu kommen die 28 öffentlichen WC-Anlagen der Stadt mit insgesamt 94 Toiletten, die am Bellevue durch fünf Sanitärcontainer mit je 20 Toiletten ergänzt wurden. Ein WC musste also für rund 3300 Züri-Fäscht-Besucher herhalten. Die Chance war entsprechend gross, dass sie im Bedarfsfall gerade belegt war.

«Das ist tatsächlich so», muss der OK-Chef des Züri-Fäscht, Roland Stahel, zugeben. Allerdings sei die Lösung des Problems nicht ganz so einfach. «Man kann nicht beliebig viele Toitois aufbauen. Passende Standorte zu finden, ist eine komplexe Angelegenheit, denn Laden- und Liegenschaftsbesitzer wollen keine Toiletten vor ihren Häusern.» Mit diesem Problem hatte man auch beim Aufstellen von Containern und zusätzlichen Abfallkübeln zu kämpfen.

Urinpfützen in Handarbeit beseitigen

Entsprechend gross ist der Reinigungsaufwand von Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ). In Handarbeit und zu Fuss müssen die Urinpfützen aus der Altstadt entfernt werden. «Wir sind noch immer daran, die Stadt zu reinigen und die über 1000 bereitgestellten Container zurückzunehmen», sagt ERZ-Sprecherin Leta Filli auf Anfrage. «Derzeit werden schlechte Gerüche mit Antiurinmitteln bekämpft – genauso wie dies bereits in den Nächten auf Samstag und Sonntag geschah. Wir können den Geruch aber erst beseitigen, wenn er wahrnehmbar ist.»

Das Züri-Fäscht sei ein Ereignis der Extreme. «Es waren ausserordentlich viele Menschen unterwegs, und uns stand nur ein sehr kleines Zeitfenster zur Verfügung, um die Stadt wieder zu reinigen», so Filli weiter. Man dürfe dabei nicht vergessen, dass zwei Freinächte hintereinander stattfanden. «Also hatten wir von 5 Uhr bis 6.30 Uhr Zeit, um den Abfall wegzuräumen, damit die Stadt – insbesondere der öffentliche Verkehr – wieder funktionieren konnte.»

Wie viel Müll während des ganzen Festes effektiv entstanden ist, wird das ERZ heute Montagnachmittag mitteilen.

Erstellt: 08.07.2013, 11:27 Uhr

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