10 Millionen für ein Gartenparadies

In Zürich wird eine neue Art von Schrebergarten lanciert. Das passt der SVP und der FDP nicht. Das letzte Wort hat das Volk.

Im neuen Dunkelhölzli soll der Gemeinschaftssinn gestärkt werden. (Quelle: Stadt Zürich, Grafik: mrue, san)

Im neuen Dunkelhölzli soll der Gemeinschaftssinn gestärkt werden. (Quelle: Stadt Zürich, Grafik: mrue, san)

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Die grösste Anbaufläche für Hobbygärtner in Zürich: Dies plant die Stadt im Gebiet Dunkelhölzli am Rand von Altstetten. Auf dem städtischen Areal soll ab 2019 auf rund 40'000 Quadratmetern ein Gartenareal mit diversen Nutzungsformen wie Gemeinschaftsgärten, klassischen Familiengärten und Gemüsefeldern entstehen.

Das Dunkelhölzli dient unter anderem als Ersatz für die Schrebergärten auf dem Vulkanareal in Altstetten, die wegen des Baus des ZSC-Stadions verloren gehen. Stolze 12,8 Millionen Franken wollte der Stadtrat in die Umgestaltung und Sanierung des Dunkelhölzli investieren, inklusive Bachneugestaltung, Bau eines Gemeinschaftsgebäudes, parkartiger Wiesenflächen und neuer Wege.

Doch der Gemeinderat wünschte eine etwas günstigere Lösung. Gestern kürzte er den Kredit auf 10,5 Millionen Franken. Das Gemeinschaftsgebäude wird gestrichen, stattdessen soll das bestehende Wirtschaftsgebäude saniert werden. Mit 78 zu 40 Stimmen stimmte das Parlament dieser abgespeckten Variante zu.

«Kolchose geht gar nicht»

SVP und FDP ging das immer noch viel zu weit. Dubravko Sinovcic (SVP) sprach von einem überdimensionierten Gartenbau-Luxusprojekt, das mit seinen Gemeinschaftsgärten an eine Kolchose erinnere – «das geht gar nicht». Ein grosser Betrag werde für etwas ausgegeben, das nur einer kleinen Gruppe zugutekomme, damit sich diese selbst verwirklichen könne.

Roger Tognella (FDP) wollte den Kredit auf 3 Millionen Franken senken. Auch damit liessen sich die Schrebergärten realisieren. Die «grüne Lunge von Altstetten» sollte möglichst unangetastet bleiben, deshalb dürfe nur das wirklich Notwendige realisiert werden. «Filippo, du verzeihst, aber die Weisung hat nicht wirklich begeistert», sagte er an die Adresse «seines» Stadtrats Filippo Leutenegger (FDP), aus dessen Departement die Dunkelhölzli-Vorlage stammt. Diese habe in Altstetten für einen Aufruhr gesorgt, so Tognella.

Quartierbewohner bangen um die Erhaltung eines der letzten intakten Naturparadiese der Stadt und befürchten, im Dunkelhölzli könnte ein Vergnügungspark entstehen. Zudem seien Verkehrserschliessung und Parkierungsfrage ungelöst. Prompt kündigte die FDP das Behördenreferendum gegen den 10-Millionen-Kredit an. Zusammen mit der SVP bringt sie die nötigen 42 Stimmen zusammen, womit das Volk über das Gartenparadies am Stadtrand entscheiden wird, wohl im nächsten Sommer.

«Wohlausgewogenes Projekt»

SP, Grüne, GLP, AL und CVP verteidigten die Vorlage. Es handle sich um ein sinnvolles Gesamtpaket, sagte Helen Glaser (SP). Wichtig sei, dass das Projekt nicht von oben her verordnet werde; die künftigen Nutzerinnen und Nutzer sollten von Beginn an mit einbezogen werden. Für Markus Kunz (Grüne) handelt es sich um eine «einmalige Gelegenheit für innovative Ansätze in der Gartenbewirtschaftung». Im Dunkelhölzli entstehe ein spannender Mix unterschiedlicher Formen des Gärtnerns.

Markus Knauss (Grüne) sprach von einem «wohlausgewogenen Projekt», das Platz schaffe für die vertriebenen Vulkan-Schrebergärtner und auch der Quartierbevölkerung einiges bringe. Guido Hüni (GLP) betonte den Stellenwert des Gärtnerns: «Es macht die Leute einfach glücklich.» Er stimmte für die Vorlage, wies allerdings auch auf einen gewissen «Zürich-Finish» hin, welcher mitschwinge, der Ausbaustandard sei im Vergleich zu andern Städten hoch.

Stadtrat Filippo Leutenegger nannte die 10 Millionen «einen stattlichen Betrag für Schrebergärten». Der Betrag sei aber gerechtfertigt, das brauche es, um Ersatz zu schaffen. In den letzten Jahren hätten sehr viele Familiengärten in Zürich geopfert werden müssen. «Es gibt viel Unmut unter den Betroffenen.»

Erstellt: 02.11.2017, 08:20 Uhr

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