12-Jährige auf dem Weg zur Schützenkönigin

Am Knabenschiessen knallen nicht nur Schüsse, es platzen auch Träume. Für einige gehen sie in Erfüllung. Zum Beispiel für Silja Müller, die gute Chancen hat, Schützenkönigin zu werden.

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Am Schluss weinen beide im Schiessstand vor Freude und aus Traurigkeit, Silja Müller und Rahel Nievergelt. Beide sind in der ersten Sek, beide wohnen in Unterstrass und beide haben zum ersten Mal am Knabenschiessen geschossen.

Die zwölfjährige Silja erzielte am Samstagmorgen als erste Teilnehmerin das Punktemaximum: Fünf mal in die Mitte, 35 Punkte. Damit hätte sie nie gerechnet, nachdem sie am Übungsschiessen auf dem Hönggerberg 25 Punkte erzielt hatte. Was sie noch nicht weiss: Bis Sonntagabend wird ihr nur gerade einer — Janic Mikes aus Rapperswil-Jona — das Wasser reichen.

Freundin Rahel (13) hat im Albisgüetli all ihre Schüsse neben die Scheibe gesetzt – ein glatter Nuller. «Ich weiss auch nicht, was ich falsch gemacht habe, beim Probeschiessen traf ich zwei mal in die Mitte», sagt sie noch immer ein bisschen traurig, nachdem sich die beiden Freundinnen ausgeweint haben. Aber: «Ich freue mich natürlich mit Silja.» Diese ist ratlos: «Keine Ahnung, warum ich so genau getroffen habe.» Vielleicht lag es daran, dass sie mit dem Korn – dem kleinen Stift auf dem Gewehr – an den unteren Rand der schwarzen Scheibenmitte gezielt hat, und nicht ins Zentrum. Beim Probeschiessen waren ihr die Schüsse immer zu hoch geraten. Im Schützenhaus liegen Glück und Pech so nah nebeneinander, wie die Schiessenden auf ihren Pritschen. Rund 5000 kleine Schicksale werden jeweils am Knabenschiessen geschrieben.

Sekundenbruchteile und Zehntelmillimeter sind entscheidend. 300 Meter vor dem Visier steht die Scheibe, 30 Zentimeter beträgt der Durchmesser der schwarzen Mitte. Das Wetter ist ideal am Samstagmorgen, Regen und Wind haben aufgehört, keine Sonne blendet die Schützinnen und Schützen.

Oft fiebert die ganze Familie mit, Mütter und kleine Geschwister stehen hinter den Seilen, die die Wartenden von den Schiessständen trennen. Papas geben letzte Anweisungen. «Wenn du dort liegst, darfst Du nur noch nach vorne schauen», mahnt einer seinen Sohn. Er scheint nervöser zu sein als der Kleine, der sich cool hinlegt und 25 Punkte schafft. Tapfer lächelt er, als der Vater sagt: «Ganz gut für den Anfang.» Man spürt: Der Ehrgeiz hätte mehr erwartet. Bei beiden.

Für den Sieger gibts 5000 Franken

Enttäuscht sagt ein Mädchen, das mit ihrer Clique erschienen ist: «Beim dritten Mal hab ich voll daneben geschossen, sonst hätte ich einen Dreissiger geschafft, aber es ist eigentlich voll easy». Dann gehen sie ihre Schützenwurst essen. Ein stolzer Junge darf im unteren Stock einen Sofortpreis auslesen. Für 28 bis 31 Punkte gibts zum Beispiel Taschenlampe, Dächlikappe, Rucksack oder Manicure-Set. Roller, Velos, Computer, Uhren für 32 Punkte und mehr stehen auf dem Gabentisch beim Eingang und werden erst am Montag verteilt. Drei Jungs marschieren mit cooler Miene zum Schiessstand, die Bügel der obligatorischen Gehörschütze locker in den Nacken gelegt. Doch dann getraut sich keiner vor. Anders das Mädchen mit der Zahnspange, das gerade das Standblatt gelöst hat und sich von der Freundin verabschiedet: «Man hört sich am Radio», spielt sie auf das Interview an, das sie als Schützenkönigin am Montag zu geben hofft. Vergeblich, wie sich später zeigen wird.

Am Montag werden die letzten Schützen versuchen, wie Silja Müller und Janic Mikes auf 35 Punkte zu kommen. Sonst machen die beiden um elf Uhr den Titel und den 5000-Franken-Scheck unter sich aus. Für Silja ist klar, dass sie auch nächstes Jahr wieder mitschiessen wird. Einem Schützenverein will sie aber nicht beitreten. «Es wäre mir dann doch zu langweilig, ständig nur da zu liegen und auf die Scheibe zu zielen.»

Wer wird Schützenkönigin oder Schützenkönig? Weitere Informationen folgen auf Tagesanzeiger.ch (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.09.2008, 11:09 Uhr

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