«Wir holen uns in Schwamendingen ein Stück Natur zurück»

Bundesrätin Simonetta Sommaruga hat die Baustelle für das Zürcher Autobahndach eröffnet – 13 Jahre nach der Abstimmung.

Stadtrat Richard Wolff, Regierungsrätin Carmen Walker Späh und Bundesrätin Simonetta Sommaruga setzen symbolisch das dreiteilige Band zusammen. Video: saf

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Für einmal dominiert diesen Montag am Schwamendinger Tulpenweg nicht das Donnern der Baumaschinen. Stattdessen geniessen rund hundert Gäste mit einem Kaffee in der Hand die Sonne. Ab und an übertönt ein hupender Lastwagen von der Autobahn her die schwatzende Schar.

«Die oberste Verkehrsgarnitur ist hier», murmelt ein Herr im Anzug seinem Kollegen zu. Doch die Verkehrsspitze fehlt noch. Kurz vor zehn Uhr ist sie endlich da: SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga spaziert unter den Blicken der Gäste mit ihrer Entourage über die im vergangenen Dezember installierte Fussgängerbrücke. «Hesch sie gsee», flüstern sich die Gäste zu.

Die Fahrt zeigt, was sich mit der Einhausung in Schwamendingen verändert: Zwischen Schöneich und Aubrugg wird die Autobahn überdacht. Video: Lea Blum

Grund für die hohe Aufwartung ist der Spatenstich zur Einhausung Schwamendingen – und dies ist «kein Aprilscherz», wie die Medienmitteilung betont. Es ist dies der offizielle Startschuss für die Hauptarbeiten und zugleich der erste Spatenstich für die Bundesrätin in ihrer neuen Funktion als Vorsteherin des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek).

Im Beisein von FDP-Regierungsrätin Carmen Walker Späh und AL-Stadtrat Richard Wolff feierte sie das Projekt, das die heute durch die Autobahn geteilten Quartierteile Schwamendingen-Mitte und Saatlen wieder zusammenwachsen lassen soll.

«Ich hoffe, dass Schwamendingen Schule machen wird», sagt Sommaruga. Es brauche solch kluge Ansätze an weiteren Knotenpunkten der Schweiz. «Wir holen uns ein Stück Natur zurück», sagte sie im Hinblick auf den geplanten Park.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga: «Der Druck aus der Bevölkerung hat sich gelohnt.» Bild: Urs Jaudas

Mit der Einhausung dieses stark befahrenen Autobahnabschnitts werde der unhaltbare Zustand zwar nicht ganz beseitigt, aber erträglich gemacht. «Der Druck aus der Bevölkerung hat sich gelohnt.»

«Dieser Deckel ist die Heilung einer alten Wunde», sagte der Vorsteher des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements der Stadt Zürich, Richard Wolff (AL). «Die Einhausung bringt für die Bevölkerung Ruhe und Gesundheit.»

Wolff sprach von einem tiefgreifenden Wandel im Quartier. Da sei es wichtig, dass die Bevölkerung und auch die Baugenossenschaften miteinbezogen würden. So mussten für die Einhausung denn auch 20 Gebäude abgerissen werden. «Schwamendingen ist von der Verdichtung betroffen wie kaum ein anderes Quartier.»

Positiv hebt Wolff die Zusammenarbeit mit dem Quartierverein hervor. So sei man dank ihm auch davon abgekommen, die neuen Strassen Spundwand- und Lunkenweg zu nennen, erwähnte er und erntete dafür den ersten Lacher der Zuschauer. Stattdessen werden künftig zwei berühmte Schwamendinger ihren eigenen Weg erhalten (Anna Häuptli und Otto Nauer).

«Solche Projekte brauchen einen langen Atem und Hartnäckigkeit», sagte denn auch die Vorsteherin des Zürcher Volkswirtschaftsdepartements Carmen Walker Späh (FDP). Und so müsse nun auch für die Realisierung noch etwas Geduld aufgebracht werden. Das Millionenprojekt soll etwa Ende 2024 in Betrieb genommen werden.

Spatenstich ohne Spaten

Der eigentliche Spatenstich kam dann ohne Spaten aus. Ein dreiteiliges, rot-gelb-blaues Band symbolisierte die Zusammenarbeit von Bund, Kanton und Stadt. Ohne dieses Miteinander sei ein Projekt dieser Art und Grösse nicht realisierbar, gab das Bundesamt für Strassen (Astra) an.

Das Band soll aber auch ein Zeichen dafür sein, dass die Einhausung Schwamendingen verbindend wirkt: Sie lässt die heute durch die Autobahn geteilten Quartierteile Schwamendingen-Mitte und Saatlen wieder zusammenwachsen.

Ein Moment, der auf sich warten liess

Lange haben der Bund, der Kanton und die Stadt Zürich auf den Moment gewartet, in dem sie den Startschuss für die Überdachung des Autobahnabschnitts in Schwamendingen geben können. Ursprünglich war das Bauende für 2012 vorgesehen. So hiess es in der Volksabstimmung 2006, zu der 87 Prozent des Volks Ja gesagt hat.

Umfangreiche Bewilligungsverfahren, Diskussionen um die Kostenaufteilung und Verhandlungen mit den von Enteignungen betroffenen Grundeigentümern zogen das Projekt in die Länge. Rekurse gab es hingegen keine. Nun soll die Überdachung 2023 stehen.

Verschieben Sie den Regler und sehen Sie die Veränderung in Schwamendingen.

Die Einhausung wird die Strasse auf einer Länge von knapp einem Kilometer mit einem Tunnel überdecken, was die Anwohner von Lärm und Abgasen entlasten soll. Auf der Strasse verkehren täglich 120'000 Fahrzeuge. Die Betonwände werden begrünt, und auf dem rund dreissig Meter breiten Dach entsteht ein Hochpark. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 445 Millionen Franken.

Wer sich selbst ein Bild von den Bauarbeiten machen will, kann sich für eine Führung beim Besucherzentrum melden: 60 Minuten, bis 40 Personen, gratis. Anmeldung: https://einhausung.ch/ (saf/sda)

Erstellt: 01.04.2019, 13:08 Uhr

Einhausung Schwamendingen

Die Zahlen


  • 940 Meter Autobahn zwischen Schöneichtunnel und Verzweigung Aubrugg mit sechs Fahrspuren werden überdacht.

  • Der neue Schöneichtunnel wird somit 1,7 Kilometer lang.


  • Das Dach besteht aus 234 freitragenden Betonelemente.

  • Ein Betonelement hat eine Spannweite von 30 Metern und ist bis 70 Tonnen schwer.

  • Die Pfähle werden bis 30 Meter tief in den Boden verankert.

  • Es gibt 10 Bauphasen. Während derer kommt es teilweise zu Totalsperrungen der Strasse.

  • Der Hochpark entsteht 7 Meter über dem Autobahntrassee.

  • 19 Gebäude werden wegen der Einhausung abgerissen.

  • Der Bau soll nach 5-jähriger Bauzeit 2023 fertig gestellt sein.

  • Das Bauwerk kostet 298 Millionen Franken. Der Bund übernimmt 167 Millionen, der Kanton 73 Millionen und die Stadt 58 Millionen Franken. (ema)

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