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Polizei drückte 13-mal ab

Ein Mann wurde gestern in Zürich von Polizisten aus Notwehr angeschossen. Die Frage stellt sich, weshalb so oft auf ihn gefeuert wurde.

In Wiedikon hat ein Mann eine Polizeipatrouille angegriffen. Die Polizei schoss daraufhin auf ihn. (27.12.2015)
In Wiedikon hat ein Mann eine Polizeipatrouille angegriffen. Die Polizei schoss daraufhin auf ihn. (27.12.2015)
Newspictures
Beim Schusswechsel wurde der Angreifer verletzt. Er liegt im Spital. (27.12.2015)
Beim Schusswechsel wurde der Angreifer verletzt. Er liegt im Spital. (27.12.2015)
Newspictures
Nachbarn wollen mehrere Schüsse gehört haben. (27.12.2015)
Nachbarn wollen mehrere Schüsse gehört haben. (27.12.2015)
Helene Arnet (TA)
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Einen Tag nach der Messerattacke eines 42-jährigen Mannes auf eine Polizeipatrouille in der Nähe der Schmiede Wiedikon ist das Motiv für den Vorfall noch immer nicht bekannt. «Der verletzte Äthiopier liegt in kritisch-stabilem Zustand im Spital und konnte noch nicht von uns befragt werden», sagt der zuständige Staatsanwalt Ulrich Weder auf Anfrage.

Der Mann war gestern Sonntagmorgen kurz nach sechs Uhr mit einem 25 cm langen Fleischermesser im Kreis 3 unterwegs und wurde von einer Patrouille der Stadtpolizei Zürich bemerkt. Als die Polizisten ihn anhalten wollten, rannte er gemäss einer Medienmitteilung mit dem Messer auf sie zu. Die Beamten machten in der Folge nach mehreren Warnrufen von der Schusswaffe Gebrauch.

Unter gewissen Umständen gerechtfertigt

«Wir gehen zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass zwei Polizeibeamte geschossen haben und es insgesamt zu 13 Schussabgaben kam», sagt Weder. Die beiden Polizisten, welche geschossen haben, sowie weitere Zeugen wurden inzwischen durch den Staatsanwalt befragt. Über ihre Aussagen werden keine Angaben gemacht.

Der Schusswaffengebrauch ist im Polizeirecht vorgesehen und unter gewissen Umständen gerechtfertigt. Diese werden in jedem Fall von der Staatsanwaltschaft untersucht und geklärt. Notwehr oder Notwehrhilfe – also die Unterstützung eines Angegriffenen durch Dritte – wären solche Rechtfertigungsgründe für eine Schussabgabe. Die Stadtpolizei Zürich macht im vorliegenden Fall Notwehr geltend.

Das Abgeben von Schüssen in einer solchen Notsituation ist Teil der Schiessausbildung bei der Stadtpolizei Zürich. Warum im aktuellen Fall mehrere Male gefeuert wurde und ob die grosse Anzahl Schüsse gerechtfertigt war, ist Gegenstand der Ermittlungen. «Auch die Frage, an welcher Stelle der Äthiopier getroffen wurde, ist Teil dieser forensischen und rechtsmedizinischen Untersuchungen», sagt Weder.

Schützen weiter im Dienst

Wie Polizeisprecher Marco Cortesi gegenüber Redaktion Tamedia sagt, stehen die beiden Polizisten weiter im Dienst. Sie sind nicht suspendiert worden. «Wir bieten unseren Einsatzkräften psychologische Betreuung an, wenn sie diese nach einem solchen Vorfall in Anspruch nehmen wollen. Es steht den Polizisten frei, das Angebot zu nutzen. Ob die beiden Männer davon Gebrauch machen, entzieht sich meiner Kenntnis.»

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