15 Jahre Haft wegen Tötung der schwangeren Freundin

Ein 39-Jähriger wurde vom Bezirksgericht Zürich wegen vorsätzlicher Tötung zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren verurteilt. Der Mann soll 2009 seine schwangerer Freundin und das Ungeborene getötet haben.

Verurteilter Physiotherapeut: Die Anklage forderte 20 Jahre Haft für seine Verbrechen.

Verurteilter Physiotherapeut: Die Anklage forderte 20 Jahre Haft für seine Verbrechen. Bild: Robert Honegger

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Das Bezirksgericht Zürich hat den Mann, der im August 2009 in Zürich seine schwangere Freundin getötet hat, zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren verurteilt. Die Anklagevertreterin hatte 20 Jahre gefordert. Das Gericht sprach den heute 39-jährigen Mann der vorsätzlichen Tötung und des strafbaren Schwangerschaftsabbruchs schuldig. Es lastete dem Verurteilten nicht nur die Tötung der 38-jährigen Frau, sondern auch jene des ungeborenen Kindes an. Dazu kam ein Schuldspruch wegen Vergewaltigung einer zweiten Frau.

Der Beschuldigte hatte während der Verhandlung jegliche Tötungsabsicht bestritten und einen Unfall geltend gemacht. Die Frau - eine Fitness-Vizeweltmeisterin - habe ihn angegriffen, er habe sich bloss gewehrt. Seine Freundin sei hingefallen und habe sich dabei verletzt. Er habe erfolglos versucht, sie zu reanimieren.

Gemäss Anklage kam es im Rahmen einer zunächst verbalen Auseinandersetzung in der Wohnung der Frau im Zürcher Kreis 6 zu Tätlichkeiten. Der Streit dreht sich um eine Dreiecksbeziehung des Angeklagten. So war er nicht nur mit der schwangeren Freundin liiert, sondern auch mit einer tschechischen Ärztin, die von ihm ebenfalls ein Kind erwartete. Als seine Freundin erklärte, dass sie alles der Medizinerin erzählen würde, kam es zum Kampf.

Tote in Wohnung zurückgelassen

Gemäss Anklage packte der damals 37-jährige Physiotherapeut seine Freundin und warf sie zu Boden. Daraufhin habe er sich rittlings auf das am Boden liegende und im dritten Monat schwangere Opfer gesetzt, ihm mit einer Hand den Hals zugedrückt, bis es sich nicht mehr bewegte.

Kurz darauf stand die Frau aber wieder auf und ging auf den Mann los. Dieser nahm sie in den Schwitzkasten und drückte, bis ein Halswirbel brach und die Nervenbahnen stark gequetscht wurden. Diese Verletzungen führten laut Anklage zum Tod der Frau und des Ungeborenen.

Ohne Polizei oder Sanität zu informieren, verliess der Mann die Wohnung. Dort wurde die Tote erst zwei Tage später entdeckt.

Brutale Tat

Das Gericht schloss einen Unfall aus. Dabei stützte sich das Gremium auf die ersten Aussagen des Beschuldigten in der Untersuchung ab. Damals hatte er noch zugegeben, dass er das Genick seiner Partnerin gebrochen hatte.

Der Gerichtsvorsitzende sprach von einer rücksichtslosen Brutalität des Physiotherapeuten. Dieser soll der Mutter der getöteten Frau ein Schmerzensgeld von 60'000 Franken bezahlen. Die Verteidigung, die einen Freispruch verlangt hatte, erwägt, den Entscheid an das Obergericht weiterziehen. (kpn/sda)

Erstellt: 24.08.2011, 20:31 Uhr

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Die Anklage hat einer höhere Strafe gefordert: Bezirksgericht Zürich. (Archivbild) (Bild: Keystone )

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