15 neue Wohnungen für Menschen mit starken Allergien

In Leimbach unterstützt die Stadt ein Bauprojekt für MCS-Kranke. 1,3 Millionen Franken fehlen noch.

Europaweit einzigartiges Projekt: Geplantes MCS-Haus in Leimbach.

Europaweit einzigartiges Projekt: Geplantes MCS-Haus in Leimbach. Bild: PD (Visualisierung)

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Es gibt Menschen, die ertragen keine normale Wohnung, denn sie reagieren selbst auf die kleinsten Spuren chemischer Stoffe überempfindlich. Es sind sogenannte MCS-Patienten, von denen in der Schweiz schätzungsweise 5000 leben. 50 Betroffene haben sich vor zwei Jahren zur Wohnbaugenossenschaft Gesundes Wohnen MCS zusammengeschlossen. Ihr Ziel: ein Wohnhaus bauen für Menschen, die an MCS leiden.

Unterstützung bekommen sie von der Stadt Zürich, die der Wohnbaugenossenschaft ein Grundstück im Baurecht für 60 Jahre zur Verfügung stellt. Dabei handelt es sich um eine 1200 Quadratmeter grosse Parzelle am Rebenweg in Leimbach. Auf diesem Stück Land soll bis 2013 ein Haus mit 15 Wohnungen für MCS-Kranke entstehen. Das Gebäude hat zwei Voll- und je ein Unter- und Dachgeschoss. Angeboten werden vergünstigte Eineinhalb- (1050 Franken) bis Dreieinhalb-Zimmer-Wohnungen (1350 Franken). Das Projekt ist aus einem Studienauftrag unter fünf Architekturbüros hervorgegangen. Das Siegerprojekt stammt von Andreas Zimmermann Architekten in Zürich. Die Kosten belaufen sich auf 5,8 Millionen Franken, 1,3 Millionen davon sind über Spenden aufzubringen.

Gute Luft in Leimbach

«Dieses Projekt wird als Pionierleistung für gesundes Wohnen in die Geschichte eingehen», sagte Stadtrat Martin Vollenwyder (FDP) gestern an der Medienkonferenz. Es sei europaweit einzigartig. Das Legislaturziel «Wohnraum für alle» heisse in dieser Stadt auch, eine Bevölkerungsgruppe zu unterstützten, die es auf dem Wohnungsmarkt besonders schwer habe. Laut Vollenwyder hat die Stadt die Kosten von 150'000 Franken für die Durchführung des Studienauftrags unter den fünf Architekten vorfinanziert. Sie erhofft sich vom Projekt weitere Erkenntnisse für schadstoffarmes Bauen.

Das Stück Land im Leimbach wurde nach langen Vorabklärungen gefunden. Es ist laut Arno Roggo, Direktor der städtischen Liegenschaftenverwaltung, ideal, weil es dort eine gute Luftqualität gebe. Auch ist die Belastung durch Elektrosmog sowie Lärm- und Geruchsemissionen nicht zu gross. Die Wohnbaugenossenschaft will einen Bau realisieren, der höchste baubiologische Ansprüche erfüllt und nach wissenschaftlichen Kriterien ausgewertet wird.

Schleusen in den Wohnungen

MCS-gerechte Bauten sind aufwendig und teuer zu realisieren, da nur äusserst sorgfältig ausgewähltes Baumaterial verwendet werden darf. Aussergewöhnlich sind auch die Wohnungen konzipiert: Wer eine solche betrete, müsse zuerst durch eine spezielle Schleuse mit Garderobe und Waschmaschine gehen, wie Architekt Andreas Zimmermann erklärte. So können sich die Mieter vor dem Betreten ihrer Wohnung von chemischen Substanzen reinigen. Je tiefer man in die Wohnung vordringt, desto «reiner» wird sie.

Christian Schifferle, seit Jahrzehnten MCS-Patient und Präsident der Wohnbaugenossenschaft, zeigte sich zuversichtlich, dass mit diesem Projekt «gesundes Bauen» konsequent umgesetzt wird. «Endlich liegt der seit langem ersehnte Wunsch nach Wohnungen für einige der MCS-Betroffenen in Reichweite.»

Mehr Nachrichten und Hintergründe aus der Stadt Zürich gibt es täglich im Regionalbund des Tages-Anzeigers. Schreiben Sie direkt an stadt@tages-anzeiger.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.09.2010, 21:03 Uhr

MCS: Wissen noch lückenhaft

Menschen, die von Multiple Chemical Sensitivity (MCS) betroffen sind, reagieren überempfindlich auf Alltagsstoffe wie Parfüms, Rauch, Lösungsmittel, Insektizide oder Pestizide. Die Folgen: chronische Erschöpfung, Muskelkrämpfe, Übelkeit, Hautausschläge, Schwindel, Gedächtnisstörungen, Angstgefühle und Depressionen. Die MCS-Forschung ist noch jung, das Wissen lückenhaft; entsprechend schwer tun sich die Ärzte, das Phänomen als organisches Leiden anzu- erkennen. Neue Forschungen zeigen, dass veränderte genetische Anlagen im Körper dem MCS-Patienten den Abbau von toxischen Chemikalien – auch in kleinsten Mengen – erschweren bis verunmöglichen. (sth)

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