2 Jahre 11 Monate für Steinwurf

Ein Schweizer muss hinter Gitter, nachdem er am 1. Mai 2012 einen Polizisten mit einem Steinwurf schwer verletzte. Die Stadtpolizei ist erfreut über das Urteil.

Chaoten gegen Beamte: Gewalttätige Demonstranten gehen an der Nachdemo 2012 auf einen zivilen Polizisten los.

Chaoten gegen Beamte: Gewalttätige Demonstranten gehen an der Nachdemo 2012 auf einen zivilen Polizisten los. Bild: Screenshot youtube

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Der 1. Mai 2012 verlief vergleichsweise friedlich – und doch kam es bei der Bäckeranlage im Verlauf des Nachmittags zu Krawallen. Chaoten errichteten Barrikaden und zündeten Container an. Zivile Beamte der Stadtpolizei beobachteten das Geschehen. Dabei warf ein 32-jähriger Schweizer einen Stein und traf einen fast gleichaltrigen Beamten am Kopf. Der Mann erlitt schwere Verletzungen und bleibende Schäden, unter anderem einen beidseitigen Tinnitus, Schwindel, Schmerzen und einen Schleier im linken Auge.

Heute musste sich der Steinewerfer vor Bezirksgericht verantworten. Da er weitgehend geständig ist, kam es zu einem abgekürzten Verfahren. Das Gericht hat den Mann unter anderem wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 11 Monaten verurteilt. Die Strafe ist teilbedingt: Sechs Monate muss der Mann absitzen, für die restlichen 29 Monate gilt eine Probezeit von vier Jahren.

Er machte öfter Krawall

Der Verurteilte ist bei den Justizbehörden kein Unbekannter. Die Anklageschrift lässt vermuten, dass der FCZ-Fan gerne Krawall macht. Er hat an mindestens drei weiteren «öffentlichen Zusammenrottungen» teilgenommen, wie es im Justizjargon heisst: An einer unbewilligten Kundgebung unter dem Motto «Antirepression» im Juni 2011 in Bern, an einer ebenso unbewilligten Demo gegen das WEF im Januar 2011 und an Scharmützeln nach einem Fussballmatch FCZ - Basel nur fünf Tage nach der 1.-Mai-Demo.

Zudem brannte der Mann mehrmals Pyro-Fackeln ab. Auch das ist strafbar. Und schliesslich war er dabei, als an jenem 1. Mai Container angezündet wurden. Verurteilt wurde er deshalb nicht nur wegen Körperverletzung, sondern auch wegen mehrfachen Landfriedensbruchs, mehrfachen Vergehens gegen das Sprengstoffgesetz, Sachbeschädigung und Gewalt und Drohung gegen Beamte.

Immer mehr Gewalt gegen Beamte

Die Stadtpolizei zeigte sich in einer Medienmitteilung erfreut über das Urteil. Dieses sei als klares Signal zu werten, dass Gewalt gegen Polizistinnen und Polizisten nicht toleriert werde. Gemäss der Mitteilung kommt es immer öfter zu Gewalttaten gegen Polizeibeamte, aber auch gegen Feuerwehrleute und Sanitäter.

Meistens kämen die Betroffenen zum Glück glimpflich davon. Der Beamte, der durch den Steinwurf verletzt worden ist, hat hingegen bis heute mit den Folgen zu kämpfen. Er war mehrere Monate arbeitsunfähig; seine Tätigkeit als Fahnder musste er aufgeben. Inzwischen arbeitet er als Ermittler im Innendienst.

Erstellt: 21.05.2014, 11:24 Uhr

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