200 unbewilligte Zürcher Parkplätze

An Spitzentagen dürfen Zoobesucher auf die trockengelegte Fläche der Dolder-Eisbahn ausweichen. Das sorgt für Zoff.

Werden rege benutzt: Die unbewilligten Parkplätze der Dolder-Eisbahn. Foto: PD

Werden rege benutzt: Die unbewilligten Parkplätze der Dolder-Eisbahn. Foto: PD

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Wie bitte? Ein «Notüberlaufparkplatz»? Den gibt es in der Tat im rot-grünen Zürich. So nennt sich die trockengelegte Fläche der Dolder-Eisbahn an der Adlisbergstrasse. Sie wird ausserhalb der Wintersaison an Wochenenden und an Feiertagen sowie in den Frühlings- und Sommerferien stillschweigend zum Autopark – sofern keine Events stattfinden und sämtliche Aussenparkplätze rund um den Zoo belegt sind. Mit Platz für deutlich über 200 Personenwagen. Rechtzeitig zu den Osterfeiertagen ist die Sportanlage jedoch wieder parat, sie darf von jetzt an bis Ende September temporär genutzt werden. Der Stadtrat hat die Bevölkerung darüber nie ins Bild gesetzt.

Wer dort parkiert, muss für 15 Franken eine Tageskarte lösen. Die Einnahmen fliessen vollumfänglich in die Kasse des Zoos, es sind «je nach Jahr einige Tausend Franken», wie Zoo-Direktor Alex Rübel auf Anfrage sagt. Für die Benutzer des «Notüberlaufparkplatzes» stellt ein Shuttle-Bus die Verbindung hinauf zum Haupteingang sicher. Ein ÖV-Ticket ist nicht nötig, die Fahrt ist gratis, sie geht auf die Rechnung des Zoos.

Der Zoo als Untermieter

Die Eigentümerin der Eisbahn ist die Stadt Zürich. Das Sportamt hat die Anlage seit Ende November 1996 an die Betreiberin vermietet, an die Dolder Kunsteisbahn AG, unbefristet, aber jährlich kündbar. Diese wiederum vermietet die Eisfläche zwischenzeitlich an den Zoo weiter. Alex Rübel erklärt: «Um den Verkehr im Raum Zoo für alle erträglich zu halten, sind wir auf die Dolder AG zugegangen.» Wie viel der Zoo für die Benutzung bezahlt, will der Direktor nicht sagen. Im Betrag enthalten sind auch jene Arbeiten, welche nötig waren, um die Betonschicht der Eisfläche mit einer Schutzbeschichtung zu versehen.

Der Stadtrat lässt diese Untervermietung zu. Die Regelung des Parkierens auf dem «Notüberlaufparkplatz» sei Gegenstand einer Vereinbarung zwischen der Zoo Zürich AG und der Dolder Kunsteisbahn AG, die Stadt Zürich sei daran nicht beteiligt, antwortete er unlängst auf einen entsprechenden Vorstoss der Grünen. Für ihn stelle der «Notüberlaufparkplatz» lediglich eine «untergeordnete Nutzungsänderung» dar, weshalb diese «gemäss ständiger Praxis nicht bewilligungspflichtig» sei, gibt der Stadtrat weiter zu Protokoll.

Das ärgert die Grünen, weil im Gestaltungsplan Zoo Zürich mit Umweltverträglichkeitsbericht ein solcher Autoabstellplatz nirgends vermerkt ist. Die Grünen sind der Ansicht, dass durch den «Notüberlaufparkplatz» die Immissionen im stark belasteten Quartier Fluntern noch stärker spürbar sind. Gemeinderat und VCS-Co-Geschäftsführer Markus Knauss sagt: «Es ist für mich rätselhaft, warum dafür keine Bewilligung nötig ist.» Hier gehe es nicht um etwas Einmaliges. Wenn auf einem Eisfeld jährlich wiederkehrend so viele Parkplätze im Angebot stünden, handle es sich um eine klare Nutzungsänderung. So gesehen brauche es ein Bewilligungsfahren, in dem eben die gesamte Verkehrsproblematik rund um den Zoo wieder aufgerollt werde. «Hier gibt sich der Stadtrat aber militant passiv, das ist nicht lösungsorientiert, und da ich ärgere mich sehr über die links-grüne Regierung.»

Anwohner flüchten

Konsterniert sind auch Leute im Quartier. Ein Anwohner, der seit Jahren zwischen der Dolder-Anlage und dem Zoo zu Hause ist, sagt: «An Spitzentagen ist der permanente Parksuchverkehr kaum noch auszuhalten. Immer mehr Bewohner regen sich auf, sie verbringen darum das Wochenende und die Feiertage öfters auswärts, einige überlegen sich gar, vom Zürichberg wegzuziehen.» Die Nachfrage nach Parkplätzen rund um den Zoo übersteigt das Angebot jährlich an mehr als 50 Tagen.

Der Stadtrat seinerseits verspricht, dass das Eisfeld Dolder nicht öfter als «an etwa sechs Spitzentagen pro Jahr» zum Parkfeld werde. Diese Zahl ist allerdings nicht Bestandteil des Mietvertrags. Das bestätigt Hermann Schumacher, stellvertretender Direktor des Sportamts sowie Vize-VR-Präsident der Dolder Kunsteisbahn.

Grüne «zähneknirschend»

Zoodirektor Alex Rübel versichert, die Eisfläche sei bisher nicht mehr als an «durchschnittlich sechs Tagen» für Autos geöffnet worden. Genaue Zahlen nennt er nicht. Er sieht den «Notüberlaufparkplatz» – im Gegensatz zu Anwohnern, VCS und Grünen – als «letzte Massnahme, damit im Flunternquartier nicht alle mit dem Auto herumkurven». Umwege und Suchverkehr würden so vermindert, mögliche Rückstaus verhindert. Gleicher Ansicht ist Polizeivorsteher Richard Wolff (AL), wie er in einem Brief an einen Anwohner schreibt: «An Spitzentagen wäre mit einer massiven Verschärfung der Verkehrssituation zu rechnen, würde das Parkieren auf dem Eisfeld Dolder untersagt.»

Die Grünen sehen zurzeit keine Handlungsmöglichkeiten mehr und müssen die Situation «zähneknirschend» zur Kenntnis nehmen, wie Markus Knauss sagt. Vorerst. Im Jahr 2017 entscheidet das Stadtparlament wiederum über den Betriebsbeitrag an die Dolder Kunsteisbahn in der Höhe von 375 000 Franken für weitere fünf Jahre. Dann könnten die Grünen verlangen, dass das Geld nur fliesst, wenn auf den «Notüberlaufparkplatz» verzichtet wird.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.03.2016, 22:59 Uhr

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Zoobesuch: Fast zwei Drittel reisen per Auto an

Jedes Jahr besuchen ­deutlich mehr als eine Million ­Personen den Zoo Zürich.

Erhebungen im Rahmen des Verkehrskonzeptes haben ergeben, dass der Zoo Zürich einen ÖV-Anteil von lediglich etwa 35 Prozent aufweist. Nach Darstellung des Stadtrats ist dieser Anteil verglichen mit anderen Freizeitinstitutionen hoch. Dazu beigetragen hätten der Einsatz von Niederflurtrams auf der Strecke zum Zoo und der Bau der Bushaltestelle Zoo/Forrenweid, wo die Linie 751 Fahrgäste vom Bahnhof Stettbach zum Zoo transportiert.

Seilbahn frühestens 2022

Die geplante Luftseilbahn zwischen dem Bahnhof Stettbach und dem Zoo dürfte frühestens 2022 in Betrieb gehen – wenn überhaupt. Wegen Einsprachen und Beschwerden ist das Projekt noch immer blockiert. Um der Anreise per Auto zusätzlich entgegenzutreten, hat der Stadtrat 2012 höhere Parkiertarife an Sonn- und Feiertagen eingeführt. Mit der Folge, dass die Leute den Zoo vermehrt unter der Woche besuchen. Anhand «stichprobenartiger Messungen des Zoos», so Direktor Alex Rübel, habe der ÖV-Anteil im letzten Jahr rund 50 Prozent betragen.

Im Jahr 2013 besuchten 1,08 Millionen Personen den Zoo, 2014 waren es 1,42 Millionen, wie aus den Jahresberichten hervorgeht – Rekord. Das schlechte Wetter hielt die Besucher nicht ab: «Wir konnten extrem viele Eintritte verkaufen, etwa 30 Prozent mehr als im Vorjahr», sagte damals Direktor Rübel. Abgesehen vom Jahr 2014 liegt laut Stadtrat die effektive Besucherinnen- und Besucherzahl bei ungefähr 1 Million Personen pro Jahr. Das entspreche den Prognosen im Umweltverträglichkeitsbericht. 2015 wurde diese Schätzung aber erneut deutlich übertroffen, der Zoo registrierte 1,23 Millionen Eintritte. Anwohner führen die wachsende Besucherzahl auf den stetigen Ausbau, die immer grössere Attraktivität und die landesweiten Marketingkampagnen des Zoos zurück. Alex Rübel hält fest, dass der «Notüberlaufparkplatz» nichts mit der Jahres­besucherzahl zu tun habe, vielmehr mit dem «ereignisorientierten Reagierenkönnen an absoluten Spitzentagen». (TA)


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