«2018 werden wir Meister»

Der Fussballclub United Zürich will am FCZ und an GC vorbeiziehen und Schweizer Meister werden. Der Plan ist verwegen, doch bisher hat der Club die gesteckten Ziele erreicht.

Grosse Pläne: Der FC United Zürich will in die Superleague.

Grosse Pläne: Der FC United Zürich will in die Superleague.

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Ein kleiner Club will den Zürcher Fussball umkrempeln. Dieser steckt im Moment in einer Krise: GC strauchelt, der Vizemeister FCZ ist auf Platz 6 abgestürzt. Die Zürcher Vereine entgehen dem Abstiegskampf vorerst, weil Sion 36 Punkte abgezogen wurden und Xamax die Lizenz verloren hat.

Keine rosigen Aussichten für Zürcher Fussballfans. Wer den beiden Traditionsclubs nicht beim Abstiegskampf zusehen mag, dem will ein kleiner Zweitligist Grund zum Jubeln geben: United Zürich hat die letzte Fussballsaison zwar nur an der Spitze der zweiten regionalen Liga abgeschlossen. Doch das ist insofern bemerkenswert, als dieses Resultat genau dem Zwischenziel des grossen Masterplans der Vereinsleitung entspricht: Schritt für Schritt an die Spitze: «2018 werden wir Meister», sagt die Vereinsleitung.

Der grosse Zehnjahresplan

Was diesen Club von anderen Vereinen unterscheidet, sind nicht primär die grossspurigen Ambitionen. Jeder Quartierverein träumt insgeheim davon, aufzusteigen. Aber die auch als «Lionhearts» bekannten Fussballer von United planen ihren Aufstieg minutiös. 2007 beschliessen Vereinspräsident Orhan Yilmaz, Vizepräsident und Finanzchef Bernhard Fanger und Sportchef Giuseppe Fabio, den Club zu professionalisieren. Dafür stellen sie einen Zehnjahresplan auf.

In den ersten fünf Jahren soll der Club aus der fünften in die zweite regionale Liga aufsteigen. Das haben die Fussballer mittlerweile erreicht. Nun beginnt Phase zwei: Der Aufstieg in die Superleague in den nächsten sechs Jahren.

Kleine Hoffnungsträger

Um den Plan umzusetzen, investieren die Macher des FC United Zürich nicht nur viel Geld, sondern holen auch namhafte Köpfe ins Boot. Die 1. Mannschaft wird von Massimo Rizzo, dem Assistenten des FCZ-Sportchefs, trainiert. Die meisten der Spieler haben Erstliga-Erfahrung. Vor allem aber setzen Fanger und Yilmaz auf den Nachwuchs: «Um unsere Vision zu erreichen, investieren wir in die Förderung von Talenten.» Als technischer Leiter der Junioren fungiert einer der bekanntesten Zürcher Fussballer: GC-Spieler Ricardo Cabanas.

Um für den Nachwuchs möglichst attraktiv zu sein, müssen die Kinder hier zwar eine Jahresgebühr bezahlen, bekommen die Ausrüstung aber geschenkt. So sollen junge Talente auf den Club aufmerksam werden. Die Vereinsleitung wirbt auch aktiv die kleinen Spieler anderer Lokalclubs ab.

Doch die beiden umtriebigen Unternehmer gehen noch weiter: Die Pro Athletix Sportlervermittlung, die ebenfalls Ylmaz und Fanger gehört, baut an der Elfenbeinküste einen Club auf. Auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet bestätigt Fanger, dass dort talentierte Spieler rekrutiert und nach Europa gebracht werden sollen. Falls United Zürich in die Profiliga aufsteigt, sollen die Spieler aus der Elfenbeinküste in den Club integriert werden. «Das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen. Wir schauen uns jetzt mal die Dossiers von drei jungen Spielern an», sagt Fanger.

Abnehmen um mitzuspielen

Auch die Ziele der Junioren in Zürich stehen bereits fest: In den nächsten zwei Jahren sollen die C- bis A-Junioren in die Coca Cola Junior-League aufsteigen, und bis 2018 will United Zürich drei eigene Nachwuchsmannschaften aufbauen. Allem Ehrgeiz zum Trotz: Im Umgang mit den jungen Spielern zeigt sich der Trainer und Fussballscout Daniel Guttmann betont nachsichtig. «In den grossen Clubs zählt nur die aktuelle Leistung. Ist ein Junge verletzt, wird er fallen gelassen. So vergeht den Kindern die Lust am Spiel.» Es sei doch viel wichtiger, dass die Jungs Freude am Fussball hätten, denn: «Man muss ehrlich sein mit den Kids. Es gibt ganz wenige, die den Sprung zum Profifussballer schaffen können.»

Aber eine Wohlfühloase ist das Juniorentraining auch bei United Zürich nicht: Während alle Jungs im Samstagstraining dem Ball hinterher jagen, schaut ein etwa 10-Jähriger dem Treiben von der Bank aus zu. «Wir mussten ihm sagen, dass er abnehmen soll. Dann darf er wieder mitspielen», erklärt einer der Trainer.

Tagesanzeiger.ch/Newsnet beleuchtet in drei Teilen die grossen Pläne und die Mechanismen im Hintergrund des FC United Zürich.

Erstellt: 24.01.2012, 11:24 Uhr

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