270 Franken Busse für ungeschnürten Karton

Karton ist in der Stadt Zürich erst richtig gebündelt, wenn er zwei Kriterien erfüllt. Sonst steht die Polizei vor der Tür.

So ist der Karton illegal gebündelt. Wird der Boden nass, haben es die ERZ-Mitarbeiter schwer.

So ist der Karton illegal gebündelt. Wird der Boden nass, haben es die ERZ-Mitarbeiter schwer. Bild: Doris Fanconi

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Evi macht mit ihm, was sie will. Sie behandelt ihn wie ein Nichts. Schleudert ihn durch die Luft, dann auf den Boden, zuletzt gegen eine Wand. Ebenso tut es Friederike. Der Karton hat es schwer mit den Frauen, wenn sie als Sturmtiefs, wie sie dieser Tage auftreten, ihr Unwesen treiben. Und vor allem dann, wenn er nicht richtig bereitgestellt ist.

Doch «richtig» bereitgestellt ist in der Stadt Zürich ein grosses Wort. Richtig heisst: am richtigen Tag zur rechten Zeit und, vor allem, korrekt gebündelt. Ist dem nicht so, kann das eine saftige Geldbusse zur Folge haben. Ohne jede Vorwarnung.

So ist es einer Zürcherin aus dem Kreis 3 ergangen. Sie hat ihren Karton am Sammeltag rechtzeitig, sprich vor 7 Uhr morgens, zum anderen Altkarton auf die Strasse gestellt. Eine grosse Kartonschachtel, darin kleinere Kartons. So, wie sie dies bis dato immer tat. Doch der Karton wurde nicht abgeholt, wie die Sendung «Espresso» berichtet. Weil die Frau an ein Versehen des Entsorgungsunternehmens glaubte, liess sie den Karton bis am nächsten Tag auf der Strasse stehen. Doch statt des Entsorgungsunternehmens fuhr die Polizei bei ihr vor und informierte sie über die ihr drohende Busse. Ihr Vergehen: Verstoss gegen die Abfallvorschriften.

Kein Karton in der grossen Schachtel

Korrekt gebündelt ist Karton folgendermassen: Die einzelnen Kartons sind platt gedrückt und ähnlich einem Zeitungsbund mit einer Schnur zusammengebunden. Kleinere Kartons können in einer grösseren Schachtel verstaut werden, aber auch diese muss flach gedrückt und gefaltet sowie korrekterweise mit einer Schnur zusammengebunden werden. Kleinere Kartons in eine grössere Kartonschachtel zu stecken und diese allenfalls noch mit Klebeband zu verschliessen, ist nicht erlaubt.

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Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ) begründet ihren Entscheid damit, dass sie nur bei gebündeltem Karton Gewähr habe, dass sich zwischen dem Karton kein Abfall verstecke, der in der Kartonsammlung nichts zu suchen hätte. Dazu gehören beispielsweise auch Papiertaschen vom Grossverteiler. Das imprägnierte Papier löst sich im Wasser nicht auf und stört so den Recyclingprozess. Zudem könnte sich der Boden grosser, gefüllter Kartonschachteln bei Nässe auflösen und die Arbeit der ERZ-Mitarbeiter erschweren. Die Art, wie Karton korrekt entsorgt werden muss, sei überdies in allen Entsorgungskalendern festgehalten. Deshalb liessen die Entsorgungsunternehmen falsch gebündelten Karton stehen.

Andere Städte sind kulanter

Die Frau erhielt schliesslich ein halbes Jahr später für ihr Vergehen vom Statthalteramt der Stadt Zürich eine Busse von 270 Franken, 120 Franken Busse und 150 Franken Gebühren. In anderen Zürcher Gemeinden wäre es der Frau besser ergangen. Viele haben zwar dieselben Vorgaben, sind in der Handhabung aber einiges kulanter. In Uster etwa wird falsch geschnürter Karton zwar auch stehen gelassen, der fehlbare Entsorger aber lediglich mit einem Hinweiszettel auf das richtige Bündeln hingewiesen. An den meisten anderen Orten wird jedes Kartonbündel mitgenommen. Dies, weil es keine Anzeichen gibt, dass im Übermass falsch entsorgt wird.

In Winterthur darf der Karton auch in grossen Kartons auf die Strasse gestellt werden. Eine Schnur muss aber auch da sein. Ein Verstoss wird mit 50 Franken Umtriebsgebühr geahndet. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.01.2018, 14:18 Uhr

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