Zürcher Gericht spricht Puffmutter frei

Das Bezirksgericht Zürich hat eine 28-jährige Rumänin vom Vorwurf des Menschenhandels freigesprochen. In anderen Delikten ist der Schuldnachweis erbracht.

Es war kein Menschenhandel: Der Bezirksrichter hat über den Fall einer 28-jährigen Rumänin, die ihre Landsfrau zur Prositution gezwungen haben soll, entscheiden.

Es war kein Menschenhandel: Der Bezirksrichter hat über den Fall einer 28-jährigen Rumänin, die ihre Landsfrau zur Prositution gezwungen haben soll, entscheiden. Bild: TA

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Doch kein Menschenhandel: Das Bezirksgericht Zürich hat am Mittwoch eine 28-jährige Frau vom schweren Vorwurf des Menschenhandels freigesprochen. Wegen Drogendelikten und Förderung der Prostitution erliess es nur eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten.

Die Staatsanwaltschaft warf der Rumänin vor, eine grade mal 19-jährige Landsfrau unter falschen Versprechungen in die Schweiz gelockt und hier zur Prostitution gezwungen zu haben. Dabei soll sie auch Gewalt angewendet haben.

Die Anklage forderte eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren. 18 Monate sollte die Frau absitzen, 18 Monate sollten bedingt aufgeschoben werden, bei einer Probezeit von zwei Jahren.

Der Verteidiger plädierte auf eine bedingte Freiheitsstrafe von 15 bis 21 Monaten wegen Drogendelikten, die seine Mandantin zugegeben hatte. Sie hatte im Auftrag anderer Kokain verkauft und vermittelt. Von den anderen Delikten sei sie freizusprechen.

Menschenhandel nicht zu belegen

Den Anklagepunkt Förderung der Prostitution sah das Gericht als erfüllt an. Die 19-jährige Geschädigte arbeitete in Bordellen, welche die Beschuldigte unter anderem mit ihrem Liebhaber und zwei anderen Personen in Basel und Zürich führte. Gegen sie laufen separate Verfahren. Die «lebensnahen Schilderungen» der Geschädigten seien insgesamt glaubhaft, so das Gericht.

Der Vorwurf des Menschenhandels dagegen sei nicht zu belegen. Immerhin habe die Geschädigte gewusst dass sie – wie im Jahr zuvor – als Prostituierte arbeiten werde. Es sei nicht klar, was unter den Frauen genau als Arbeitsbedingungen abgemacht war.

Falsche Vorstellungen

Falsche Vorstellungen bei der einen könnten nicht als aktive Täuschung durch die andere interpretiert werden. Zudem sei die 19-Jährige nicht «aus prekären Verhältnissen» gekommen, wie dies bei Menschenhandel im Allgemeinen der Fall sei. Das Verfahren wegen mehrfacher einfacher Körperverletzung stellte das Gericht ein, weil gar kein gültiger Strafantrag vorlag.

Die Beschuldigte muss einen Teil der Verfahrenskosten übernehmen. Der Geschädigten hat sie eine Genugtuung von 8000 Franken zu zahlen. Die Anwältin der Privatklägerin hatte 20'000 Franken gefordert. Dass diese Summe nicht allzu hoch ist, begründete das Gericht damit, dass die Geschädigte nur gerade einen Monate lang – von Anfang Mai bis Anfang Juni 2014 – in den Bordellen der Beschuldigten arbeitete.

Jetzt wird sie Altenpflegerin

Die Rumänin hat bereits gut 14 Monate Untersuchungs- und Sicherheitshaft abgesessen und ein Entlassungsgesuch gestellt. Nachdem der Gerichtsvorsitzende erklärt hatte, der Entlassungsbefehl werde sogleich ausgedruckt und unterschrieben, schlug die junge Frau die Hände vors Gesicht und schluchzte ihre ganze Anspannung heraus.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Er wisse noch nicht, ob er es anfechte, sagte der Staatsanwalt zur Nachrichtenagentur SDA, jedenfalls sei es «nicht so schlimm». Der Verteidiger wollte keinen Kommentar abgeben.

Die Beschuldigte möchte nach ihrer Freilassung in Rumänien eine Ausbildung zur Altenpflegerin absolvieren. Die heute 28-Jährige hat in ihrer Heimat ein Sportgymnasium absolviert und ein Jus-Studium begonnen, bevor sie in die Schweiz kam, um hier als Prostituierte Geld zu verdienen. Wenn sie könnte, würde sie gern «die Zeit zurückdrehen» sagte sie in ihrem Schlusswort. (sda/nag)

Erstellt: 21.03.2018, 17:11 Uhr

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