29 Franken für eine Übernachtung im Auto

Erstmals ist die Zahl der Airbnb-Angebote im Kanton Zürich erhoben worden. Es gibt ganz spezielle Übernachtungsmöglichkeiten.

Eines der beliebtesten Zürcher Airbnb-Angebote: Diese Wohnung nahe des Flughafens. Bild: PD

Eines der beliebtesten Zürcher Airbnb-Angebote: Diese Wohnung nahe des Flughafens. Bild: PD

Im Kanton Zürich gab es laut statistischem Jahrbuch bei der letzten Erhebung fast 26’000 Hotelbetten – das allein wäre ein Wachstum von rund 20 Prozent innert nur 10 Jahren. Hinzu kommen aber noch einmal fast 7000 Betten, die bisher in keiner offiziellen Statistik auftauchten: Es sind jene, die über die Onlineplattform Airbnb vermietet werden. Auf diese Zahl sind die Experten des Statistischen Amts des Kantons Zürich gekommen, die diese Angebote erstmals systematisch untersucht haben.

Darunter befinden sich bisweilen sonderbare Objekte. Zum Beispiel dieser Chevrolet, den ein Anbieter unweit des Bahnhofs Winterthur hinter ein Haus gestellt hat:

Für 29 Franken pro Nacht kann man darin übernachten. Ohne Heizung, Licht, Dusche und WC wohlgemerkt – um die Körperpflege könne man sich im Bahnhof kümmern. Eine Kundin aus London, die im Oktober zwei Nächte lang in dem Wagen gefroren hat, erntete vom Vermieter wenig Mitleid. Ihre Beschwerde, dass es nicht mal Kerzen zum Anzünden gebe, beantwortete er mit der Bemerkung, sie sei wohl krank im Kopf – «ist ja voll gefährlich».

Von Holzklasse bis Penthouse

Ähnlich abenteuerlich wirkt auch ein Angebot aus dem Säuliamt. Dort hat ein Vermieter eine rudimentäre Holzplattform hoch hinauf in einen Baum gehängt, die man nur per Kletterseil erreicht. Darauf könnten zwei Personen gut gesichert übernachten. Das Versprechen: «Sanft wirst du vom Wind in den Schlaf geschaukelt.»

Am luxuriösen Ende der Skala befindet sich eine Wohnung direkt am Zürcher Münsterhof, die 770 Franken die Nacht kostet. Dafür gibt es den Blick auf Zürichs berühmteste Wahrzeichen, eine Dachterrasse mit Whirlpool und eine Sauna. Und einen Concierge-Service dazu.

Die kantonalen Statistiker interessierten sich allerdings nicht für solche Kuriositäten, sondern für die nackten Zahlen, die sie mittels automatisierter Abfragen der Airbnb-Website sammelten. Dies weil die Plattform zu einem «ernst zu nehmenden Konkurrenten der traditionellen Hotellerie» geworden sei, wie es in einer Medienmitteilung heisst. Airbnb stehe auch in der Kritik – nicht nur seitens der Hotelleriebranche, sondern auch wegen möglicher Auswirkungen auf die städtischen Wohnungsmärkte. Um eine sachliche Diskussion führen zu können, seien möglichst zuverlässige und präzise Zahlen zur Bedeutung von Airbnb unentbehrlich.

Konzentration auf die Stadt

Die Statistiker konzentrierten sich bei ihrer Untersuchung vor allem auf die geografische Verteilung der Angebote und auf die Preise. Über 70 Prozent aller Airbnb-Unterkünfte im Kanton befinden sich in der Stadt Zürich. Die Konzentration des Angebots aufs touristische und wirtschaftliche Zentrum ist damit deutlich ausgeprägter als bei den klassischen Hotels: Von diesen befinden sich nur 40 Prozent auf Stadtgebiet.

Die Preise für die Airbnb-Angebote variieren stark, was unter anderem an den sehr unterschiedlichen Objekten liegt. Zum Zeitpunkt der Auswertung Ende August reichte die Spanne von 18 Franken für ein Privatzimmer in der Nähe der ETH bis hin zu 1000 Franken für eine Villa am Zürichsee. Der mittlere Preis für ein Zimmer beträgt in den meisten Landgemeinden um die 50 Franken pro Nacht. In der Stadt Zürich sind es je nach Kreis und Zentrumslage bis zu 80 Franken. Wer eine ganze Wohnung mieten will, zahlt im Stadtzentrum im Mittel etwas über 130 Franken.

Auch manche Landgemeinden fallen mit einer erhöhten Airbnb-Dichte auf. Zum Beispiel das kleine Laufen-Uhwiesen, wo auf gut 1600 Einwohner gleich fünf Angebote kommen. Das liegt nicht nur an der Nähe des Rheinfalls, der zu Fuss in einer halben Stunde zu erreichen ist, sondern vor allem daran, dass hier eine Anbieterin das Feld professionell bewirtschaftet: Sie hat aus mehreren historischen Liegenschaften im Dorfkern, darunter schmucke Riegelhäuser, schicke Unterkünfte für Touristen gemacht.

Die Profis übernehmen

Anders als in den Anfangszeiten von Airbnb sind die Anbieter längst nicht mehr nur Leute, die ein ungenutztes Zimmer in ihrer Privatwohnung an Gäste vermieten. Auch Firmen wie Swiss Star Apartments, spezialisiert auf möblierte Wohnungen, nutzen die Plattform, um darauf ihre Objekte in der Stadt Zürich anzupreisen.

Aus der Westschweiz ist das Beispiel von Jasmina Salihovic bekannt, die sich ein Imperium von über hundert Zimmern und Wohnungen aufgebaut hat. Und in der Stadt Genf, deren Angebot von der Website Insideairbnb.com ausgewertet worden ist, bietet der Spitzenreiter mit Namen Marc 43 Objekte an. Dahinter verbirgt sich der CEO der Firma Keys'n'Fly Vacation Rentals, die sich dem professionellen Airbnb-Management verschrieben hat. Die Statistiker des Kantons Zürich haben aber nicht untersucht, wer hier die führenden Anbieter sind.

Die Zürcher Top 5

Dafür lässt sich mit ihrem Abfrageprogramm herausfinden, welches die gefragtesten Zürcher Airbnb-Angebote sind, wenn man sich an die Zahl der Kundenbewertungen hält. In den Top 5 finden sich ausschliesslich ganz normale Privatzimmer mit guter Lage zu relativ günstigem Preis:

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.12.2016, 12:27 Uhr

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