Brutaler Räuber der Pink-Panther-Bande in Zürich vor Gericht

Einem Mann drohen 16 Jahre Gefängnis für bewaffnete Überfälle auf Schmuckläden und wilde Verfolgungsjagedn mit der Polizei.

Der Angeklagte soll an zehn Überfällen beteiligt gewesen sein. Video: Tamedia/Stadtpolizei Zürich/SRF

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Die Anklageschrift umfasst 45 Seiten, in welcher minutiös die zehn Raubüberfälle in Deutschland, Österreich, Tschechien und in der Schweiz beschrieben werden. Der 37-jährige Serbe, ohne Beruf, verheiratet und wohnhaft in Belgrad, gehört zum Umfeld der sogenannten Pink-Panther-Bande, einem losen Netz von Profiräubern aus dem ehemaligen Jugoslawien.

Heute Mittwoch steht der 37-Jährige vor dem Bezirksgericht Zürich. Die auf organisierte Kriminalität spezialisierte Staatsanwaltschaft wirft ihm mehrfachen Raub, Sachbeschädigung, Fälschung von Ausweisen und Entwendung von Fluchtautos zum Gebrauch sowie weitere Delikte vor. Der Staatsanwalt verlangt eine lange Freiheitsstrafe von 16 Jahren.

Rekordbeute von sieben Millionen Franken

Grund für die Raubserie waren Schulden in der Höhe von 10'000 bis 15'000 Euro. Im März 2008 hatte der Serbe einen bis heute nicht identifizierten Landsmann kennengelernt. Dieser sagte ihm, dass seine Schulden erlassen würden, wenn er mit zwei weiteren Mittätern in Deutschland einen Raubüberfall verübe. Der Beschuldigte sagte zu, erhielt ein Flugbillett nach Düsseldorf, wo das Trio einen Juwelierladen ausrauben sollte.

Am 27. März 2008 betraten sie das Geschäft, bedrohten mit Pistolen die Angestellten und flohen mit Schmuck und Luxusuhren im Wert rund 650'000 Euro. Die Täter reisten dann wieder nach Belgrad zurück.

Innerhalb von drei Minuten überfielen sie bewaffnet ein Uhrengeschäft beim Paradeplatz. Danach lieferten sie sich eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei – und entkamen.

Nach diesem ersten Raubüberfall fand der Beschuldigte offenbar Gefallen an seinem Job. Zwischen Dezember 2008 und Februar 2016 war er laut Anklageschrift noch an neun weiteren Überfällen beteiligt: fünf in der Schweiz, je zwei in Deutschland und Österreich und einer in Prag in Tschechien.

Das Strickmuster war immer ähnlich. Ein unbekannter Auftraggeber kontaktierte den Beschuldigten in Belgrad, informierte ihn über den geplanten Überfall, gab ihm Flugtickets und nannte Komplizen. Die Taten wurden in unterschiedlicher Besetzung durchgeführt; meist von drei oder vier Personen. Der Lohn des Beschuldigten betrug in sechs Fällen je 30'000 Euro, in vier Fällen waren es zwischen 5000 und 20'000 Euro.

Von den in der Schweiz verübten Überfällen sorgten die drei an der Zürcher Bahnhof- und an der Rämistrasse für Schlagzeilen. So machte der Beschuldigte am 13. April 2013 mit vier Komplizen eine Rekordbeute von über sieben Millionen Franken, als sie innerhalb von knapp drei Minuten das Uhrengeschäft Türler beim Paradeplatz bewaffnet überfielen und sich anschliessend mit der Polizei eine wilde Verfolgungsjagd lieferten und entkamen. Dabei hatten die Räuber auch sogenannte Krähenfüsse auf die Strasse geworfen, sodass bei drei Streifenwagen die Pneus zerstochen wurden.

Bilder – Überfall auf Zürcher Juweliergeschäft

Beim Überfall auf das Juweliergeschäft Gübelin im Mai 2010 raubten die Täter Uhren und Schmuck im Verkaufswert von 5,5 Millionen.

Bei der dritten Tat in Zürich, im Februar 2016 in der Bijouterie Harry Hofmann an der Rämistrasse, hatte die Beute einen Verkaufswert von 3,4 Millionen Franken. Auch hier handelte es sich wie in den anderen Fällen mehrheitlich um Luxusuhren.

Weiterer Prozess in Prag

Der Serbe sitzt seit März 2016 im Gefängnis. Er war am Grenzübergang bei St. Margrethen von der Grenzwache bei der Ausreise nach Österreich verhaftet worden. Laut dem Staatsanwalt muss sich der Beschuldigte für neun der zehn Überfälle vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Deutschland und Österreich hatten ihre Fälle der Schweiz abgetreten. Einzig die Tat in Prag wird nicht hier verhandelt. Der Serbe wird nach Verbüssung der Strafe der tschechischen Justiz übergeben.

Neben dem 37-jährigen Beschuldigten sitzen noch sechs weitere Räuber aus dem Pink-Panther-Umfeld in Zürichs Gefängnissen und warten auf den Prozess. Es sind vier Männer, die im Februar 2018 in Lugano verhaftet und der Zürcher Staatsanwaltschaft übergeben wurden. Einer von ihnen soll beim Rammbockraub auf die Bijouterie Graff an der Bahnhofstrasse im Mai 2016 beteiligt gewesen sein. Bei zwei weiteren Verhafteten handelt es sich um Mittäter bei den Überfällen auf die Uhrengeschäfte Bucherer im Oktober 2017 und Harry Hofmann im Februar 2016 an der Rämistrasse beim Bellevue.

Tagesanzeiger.ch/Newsnet informiert über das Urteil im Verlauf des Tages.

Erstellt: 28.08.2018, 22:31 Uhr

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