Sie stiess eine Rentnerin um – drei Tage später verstarb die ältere Frau

Eine 31-Jährige rempelte an einer VBZ-Haltestelle eine 79-Jährige an. Heute musste sie sich vor Gericht verantworten. Nun ist das Urteil gefallen.

An der Haltestelle Zehntenhausplatz in Zürich-Affoltern fand der Streit statt.

An der Haltestelle Zehntenhausplatz in Zürich-Affoltern fand der Streit statt. Bild: Urs Jaudas

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Man glaubte sich im ersten Moment an den Fall im Frankfurter Hauptbahnhof erinnert, wo ein mutmasslich psychisch angeschlagener Mann einen achtjährigen Knaben und dessen Mutter vor einen einfahrenden Zug stiess, wobei der Achtjährige sein Leben verlor. Doch vom Umstand abgesehen, dass auch die 31-jährige Frau im Zürcher Fall psychisch schwer gestört ist, lassen sich die beiden Fälle nicht vergleichen.

Die Schweizerin hatte sich im Mai letzten Jahres schreiend zur VBZ-Haltestelle Zehntenhausplatz in Zürich-Affoltern begeben und dort eine 79-jährige Frau seitlich angerempelt und sie dann laut Anklage «aggressiv» und «heftig» gestossen.

Die Rentnerin stürzte kopfüber auf den Asphalt und erlitt Zahnverletzungen sowie Schürfungen und Hämatome an Kinn und Knie. Drei Tage später verstarb die Frau im Spital an einem Aortariss. Ob die Frau den Riss beim Sturz erlitt, oder ob es sich – wie die Fachleute sagen – um ein natürliches Geschehen handelte, konnten die Rechtsmediziner nicht entscheiden.

Die 31-Jährige konnte deshalb nicht wegen eines Tötungsdeliktes angeklagt werden. Trotz der vergleichsweise geringen Verletzungen klagte die Staatsanwaltschaft eine versuchte schwere Körperverletzung an. Angesichts des Alters der Frau hätte sie «leicht schwerere, auch durchaus lebensgefährliche Verletzungen erleiden können». Der Staatsanwalt verlangte eine unbedingte zweijährige Freiheitsstrafe und die Anordnung einer stationären Massnahme.

Der Verteidiger plädierte im Hauptstandpunkt für einen Freispruch. Zeugen hätten nur das Anrempeln beobachtet. Aber niemand habe gesehen, dass seine Mandantin die Frau auch zu Boden gestossen habe. «Es ist völlig unklar, auf welche Weise die 79-Jährige zu Fall kam.»

Frau leidet wohl an paranoider Schizophrenie

Das Bezirksgericht folgte dem Antrag des Staatsanwalts, verurteilte die 31-Jährige zu einer unbedingten zweijährigen Freiheitsstrafe. Da die Frau mit grösster Wahrscheinlichkeit an einer paranoiden Schizophrenie leidet, ordnete es eine stationäre Therapie an. Wie vom Gesetz vorgesehen, wird in einem solchen Fall die Freiheitsstrafe zu Gunsten der stationären Therapie aufgeschoben.

Die Frau selber hatte sowohl in der Strafuntersuchung wie auch während der Verhandlung fast durchgehend geschwiegen. Auch an der psychiatrischen Begutachtung hatte sie die Teilnahme verweigert. Ausserhalb des Gerichtssaals hingegen griff sie sowohl ihre Mutter wie auch die Tochter der verstorbenen 79-Jährigen verbal beleidigend an.

Zudem verlangte sie laut und wortreich die Entlassung ihres Verteidigers. Dieser beantragte vor Gericht, von seinem amtlichen Mandat entbunden zu werden. Das Gericht wies den Antrag ab. Die Beschuldigte wollte nicht sagen, inwiefern das Vertrauensverhältnis zerrüttet sein soll.

Erstellt: 19.08.2019, 08:02 Uhr

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