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347 Millionen für mehr Zug

Die Zürcher S-Bahn kann massiv ausgebaut werden. Und Höri erhält eine Haltestelle.

Auspacken und durchstarten: Enthüllung einer S-Bahn für Zürich im Juni 2010.
Auspacken und durchstarten: Enthüllung einer S-Bahn für Zürich im Juni 2010.
Keystone

Es hätte ein einstimmiges Ja zur vierten Teilergänzung der S-Bahn im Kantonsrat geben können. Denn selbst die SVP wäre eigentlich für den Rahmenkredit von 337 Millionen Franken gewesen. Dass mehr als die Hälfte der SVP-Fraktion am Ende doch Nein sagte, lag an vergleichsweise mickrigen 10 Millionen Franken für den Bau einer neuen Station in Höri, welche der Kantonsrat gegen den Willen des Regierungsrats in die Vorlage einbaute. Das Parlament hiess den aufgestockten Gesamtkredit schliesslich mit 123:35 Stimmen gut.

Die SVP warnte vergeblich vor der Krediterhöhung. Einzig die GLP sprach sich ebenfalls dagegen aus. Die Erhöhung mache finanzpolitisch keinen Sinn, weil der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) keine Haltestellen baue, sagte Lorenz Habicher (Zürich). Zudem sei der Betrag unrealistisch tief: «Es ist eine grobe Täuschung, zu behaupten, dass für nur 10 Millionen Franken eine Haltestelle gebaut werden kann.» Benno Scherrer (GLP, Uster) fand eine neue Haltestelle in Höri grundsätzlich nicht sinnvoll, weil das Dorf keine 2500 Einwohner hat und wegen des Fluglärms kaum mehr wachsen darf.

«Höri wartet seit 70 Jahren»

Die übrigen Fraktionen waren der Ansicht, eine Haltestelle in Höri mache sehr wohl Sinn. Und auch eine SVP-Politikerin legte sich gegen ihre Partei mächtig für die Haltestelle ins Zeug: Ursula Moor, Gemeindepräsidentin von Höri. Seit 70 Jahren warte Höri schon darauf, sagte sie: «Aber wir wurden immer wieder vertröstet. Nie war der Zeitpunkt dafür richtig. Wann, wenn nicht jetzt, ist es der richtige Zeitpunkt?» Vernünftige Alternativen gebe es nicht, da das Busnetz kaum ausgebaut werden könne.

Willy Germann (CVP, Winterthur) räumte ein, dass eine Haltestelle in Höri raumplanerisch ein Grenzfall sei: «Aber die Nachfrage ist ja da.» Robert Brunner (Grüne, Steinmaur) erinnerte daran, dass nicht nur Höri, sondern auch Bülach-Süd zum Einzugsgebiet des neuen Bahnhofs gehöre. Zudem könnten in Höri Arbeitsplätze angesiedelt werden. Dafür aber brauche es die Station.

«Erpressung» der SVP

Dass die SVP bei einem Ja zum Bahnhof Höri mit der Ablehnung der gesamten Teilergänzung drohte, beeindruckte die übrigen Fraktionen nicht. Aber die SVP musste einiges an Schelte über sich ergehen lassen. «Erpressung» sei das, sagte Gabriela Winkler (FDP, Oberglatt). Der Rat sagte schliesslich mit 92:69 Stimmen Ja zur Station Höri.

Keine Chance hatte der Antrag von Benno Scherrer (Uster), den Kredit um weitere 110 Millionen Franken aufzustocken. Damit sollte die Strecke Uster–Aathal auf Doppelspur ausgebaut werden, um die häufigen Verspätungen auf den Oberländer S-Bahn-Linien zu reduzieren. Nur SP und Grüne unterstützten ihn. Der Antrag wurde mit 100:61 Stimmen abgelehnt.

Im Übrigen zeigten sich alle Fraktionen sehr angetan von der S-Bahn-Ergänzung, die ab 2015 so richtig greift. Der ZVV habe wieder einmal sehr sorgfältige Arbeit geleistet, lobten alle Fraktionen von SVP bis Grün. Für fast alle Regionen ergäben sich Verbesserungen, auch wenn noch nicht jedes Problem gelöst werden könne.

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