Zürcher Polizisten jagen Verbrecher mit neuem Gefährt

Die Bike Police in Zürich soll schlagkräftiger werden. Jetzt ist sie erstmals mit schnellen E-Bikes unterwegs.

45 km/h schnell: Die Stadtpolizei Zürich testet neue E-Bikes.
Video: Sabina Bobst

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Es ist eine Truppe, auf die man bei der Stadtpolizei Zürich stolz ist: die Bike Police. Sie wurde vor zehn Jahren gegründet, umfasst mittlerweile 75 Polizistinnen und Polizisten und löste die Reiterstaffel ab, die jeweils im Sommer am See patrouillierte. Die Bike-Polizisten sind erfolgreich im Kampf gegen Gesetzesbrecher. So haben sie 2015 auf ihren total 1000 Patrouillen 3000 Ordnungsbussen verhängt und 38 Personen festgenommen.

Dennoch gibt es Schwierigkeiten. Herausfordernd ist insbesondere die Topografie der Stadt. Bei einer Fahrt vom Bellevue nach Witikon zum Beispiel müssen die Polizisten nicht nur eine Strecke von rund 3 Kilometern zurücklegen, sondern auch eine Höhendifferenz von 200 Metern überwinden. Das bringt selbst gut trainierte Personen ins Schwitzen. Hinzu kommt, dass der Veloverkehr mit den vielen E-Bikes immer schneller wird. Deshalb testet die Stadtpolizei nun seit rund drei Wochen drei schnelle E-Bikes, die ein gelbes Nummernschild benötigen, wie Polizeisprecher Marco Cortesi bestätigt.

Es sind gut 5000 Franken teure Gefährte des deutschen Herstellers HNF-Nicolai, mit denen man eine Geschwindigkeit von bis zu 45 km/h erreicht und somit mühelos im Stadtverkehr mithalten kann. Laut Cortesi fokussiert die Polizei auf verschiedene Faktoren bei den Tests. Unter anderem ist das Gewicht der Räder ein Thema, denn sie sind rund doppelt so schwer wie normale Velos, was im Einsatz ein Nachteil sein könnte.

Mit E-Bikern mithalten

SVP-Politiker Roger Bartholdi setzt sich besonders im Gemeinderat für die Bike Police ein. Der Kauf solcher schnellen Bikes sei eine prüfenswerte Investition, sagte er, auch wenn er persönlich kein Freund davon sei. Aber: «Ich kann nachvollziehen, dass Bike-Polizistinnen und -Polizisten in Zürich gerne mit motorisierten Fahrrädern unterwegs wären.» Bei der Verfolgung von fehlbaren Verkehrsteilnehmern sei es wichtig, dass die Polizei nicht abgehängt werde.

Seit 2011 bei der Bike Police: Aris Vassaras mit seinem neuen Arbeitsgerät. Bild: Sabina Bobst

Bartholdi sieht aber Nachteile. Da wären die höheren Kosten, und er fragt sich, ob E-Bikes für den Dienst tauglich sind. So müssten Hindernisse schnell überwunden werden, was mit einem gut 25 Kilogramm schweren Velo schwierig sei. Auch punkto Stabilität hat er Vorbehalte. Denn wenn es schnell gehen muss, werden die Fahrräder auch mal zu Boden geworfen statt auf den Ständer gestellt.

Grundsätzlich erachtet Bartholdi die Anschaffung von E-Bikes als Schritt in die richtige Richtung. Seiner Meinung nach lässt die Ausrüstung der Zürcher Bike Police noch immer zu wünschen übrig. Insbesondere die Bekleidung sei verbesserungswürdig: «Eine Standarduniform ist für den Dienst auf dem Fahrrad suboptimal.»

In Winterthur kein Thema

Die Zürcher Stadtpolizei ist das erste Polizeikorps im Kanton, welches im Einsatz E-Bikes testet. Bei der Bike Police in Winterthur sind sie derzeit kein Thema, obwohl auch auf Winterthurer Stadtgebiet einige Steigungen zu überwinden sind. «Es geht in der Bike Police nicht primär darum, möglichst schnell zu sein, sondern auch darum, einen direkten Kontakt mit der Bevölkerung zu pflegen. Weiter haben wir mit den normalen Bikes gute Erfahrungen gemacht, vor allem was Flexibilität bei Verfolgungen und Verhaftungen betrifft», sagt Mediensprecher Adrian Feubli.

Auch bei der Zürcher Kantonspolizei sind E-Bikes kein Thema, weil es dort gar keine Velopolizisten gibt. Ganz anders sieht es in St. Moritz aus, wo die Bike Police schon seit 15 Jahren auf E-Mountainbikes unterwegs ist. Im Oberengadin sind allerdings die Steigungen und das Einsatzgebiet nicht vergleichbar mit Winterthur oder Zürich. Dort können entlegene Orte oft nur mit dem Fahrrad schnell erreicht werden.

Ob die Stadtpolizei die E-Bikes definitiv anschaffen wird und in welcher Anzahl, ist ebenso wie die Dauer des Versuchs laut Cortesi noch offen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.10.2018, 10:58 Uhr

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