61 Klima-Aktivisten müssen in Haft bleiben

In Zürich forderten Dutzende die Freilassung der verhafteten Aktivisten. Nur Einzelne kamen frei – einer erzählt von den Haftbedingungen.

Am Dienstag demonstrierten mehrere Personen vor dem Polizeigebäude der Kantonspolizei Zürich und forderten die Freilassung der verhafteten Aktivisten.

Am Dienstag demonstrierten mehrere Personen vor dem Polizeigebäude der Kantonspolizei Zürich und forderten die Freilassung der verhafteten Aktivisten.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Vor der Kaserne versammelten sich am Dienstagnachmittag zwischen 80 und 100 Personen, um gegen die Inhaftierung der etwas mehr als 60 gestern verhafteten Aktivisten zu protestieren. Sie skandierten Sprüche wie «Klimaschützen ist kein Verbrechen» und zeigten lautstark Solidarität, wenn sich einer der Inhaftierten an einem der Fenster zeigte.

Die Aktivistinnen und Aktivisten sind gestern von der Stadtpolizei verhaftet worden, nachdem sie in weisse Overalls gekleidet mehrere Stunden lang die Eingänge des CS-Hauptsitzes am Paradeplatz blockiert hatten. Sie forderten damit von der Grossbank, die Investements in Öl, Gas und Kohle zu stoppen. Die CS reichte daraufhin wegen Nötigung, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung Strafanzeige ein.

Aktivisten bleiben in Haft

Die Sprecherin der Organisatoren-Gruppe Collective Climate Justice (CCJ) sagte, dass zumindest Teile der Gruppe, die sich um das Gebäude der Kantonspolizei Zürich postiert hat, das Gelände erst wieder verlassen werden, wenn die Inhaftierten freigelassen worden sind. «Wir wollen unsere Kollegen in Empfang nehmen», sagte Kohlmann. Sie erwartete, dass dies am Dienstagabend noch der Fall sein könnte.

Laut einer Mitteilung der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich müssen allerdings 61 vorläufig festgenommenen Personen für eine weitere Nacht in Haft bleiben. «Angesichts der aussergewöhnlich hohen Zahl von gleichzeitig 61 festgenommenen Personen nehmen die damit verbundenen umfangreichen Ermittlungs- und Untersuchungshandlungen sehr viel Zeit in Anspruch», begründet die Oberstaatsanwaltschaft den Entscheid. Erschwert würden die Verfahren von Polizei und Staatsanwaltschaft dadurch, dass die verhafteten Personen teilweise von ihrem Recht zur Aussageverweigerung Gebrauch machen.

Frist läuft am Mittwoch ab

Die Juso der Stadt Zürich kritisierte die Inhaftierung der Klimaschützer. «Dass die Aktivisten und Aktivistinnen für über 24 Stunden festgehalten werden, ist ein untragbarer Zustand», sagt Nathan Donno von der Juso Zürich. Das Gesetz sehe vor, dass Aktivisten nach 24 Stunden wieder auf freiem Fuss seien, ausser die Polizei stelle beim Haftrichter einen entsprechenden Antrag. Laut der Juso gibt es dafür aber keinen Grund.

Artikel 224 der Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO) besagt, dass die Staatsanwaltschaft eine beschuldigte Person spätestens vor Ablauf von 48 Stunden nach Verhaftung auf freien Fuss zu setzen hat oder gegen sie beim Zwangsmassnahmengericht Antrag auf Anordnung von Untersuchungshaft zu stellen. Der Ablauf dieser Frist ist am Mittwochmorgen.

Verhafteter: «In der Zelle ist man sehr abgeschottet»

Bereits am Montagabend versammelten nach Angaben von CCJ rund 200 Klimaschützer zu einer spontanen Demonstration auf dem Helvetiaplatz. Mit Trommeln, Töpfen und Deckeln ausgerüstet, protestierten sie dagegen, dass die 64 festgenommenen Personen von der Stadtpolizei festgehalten werden.

Doch nur Einzelne kamen am Dienstag frei. Einer davon ist Aktivist Arsène Formaz. Der 53-Jährige ist Betriebssanitäter von Greenpeace und teilte seine Gefängniszelle mit einem anderen Aktivisten, wie er 20min.ch erzählt: «Die Stadtpolizei war gestern sehr aggressiv, die Kantonspolizei hat dies nachher aber sehr gut gehandhabt. Es war aber ein rauf und runter, bis ich endlich freigelassen wurde.»

In der Zelle sei man sehr abgeschottet. «Mir wurde alles weggenommen, konnte nicht mal mit meiner Familie in Kontakt treten, die im Ungewissen war.» Trotz Verhaftung würde er wieder bei der Aktion mitmachen. «Das war keine Abschreckung. Ich bin Stolz, fürs Klima einstehen zu können und werde sicher auch weitermachen», sagt Formaz. (dsa)

Erstellt: 09.07.2019, 18:22 Uhr

Artikel zum Thema

Stadtpolizei Zürich nimmt 64 Aktivisten fest

Video Klimaaktivisten blockierten am Montagmorgen die Eingänge der Credit Suisse am Paradeplatz. Um 13 Uhr beendete die Polizei die Aktion. Mehr...

Die Klimaschützer werden extremer

Aktivisten besetzten am Montag die Eingänge der CS am Paradeplatz. 64 wurden verhaftet. Politiker sehen die Aktion kritisch. Mehr...

Hitzköpfe kapern die Klimabewegung

Kommentar Die illegalen Besetzungen in Bern, Basel und Zürich lenken von den eigentlichen Zielen ab. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Bei Sonnenuntergang: Junge spielen Fussball am Ciliwung in Jakarta, Indonesien. (11. Juli 2019)
(Bild: Willy Kurniawan) Mehr...