80 Prozent der Stadtpolizisten wohnen auswärts

Experten befürchten, es fehle im Korps an Verständnis für urbane Probleme.

Kaum Städter: Stadtpolizisten wohnen selten in Zürich.

Kaum Städter: Stadtpolizisten wohnen selten in Zürich. Bild: Urs Jaudas

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In einem Bericht an den Zürcher Sicherheitsvorstand Richard Wolff (AL) bemängeln Fachleute des Schweizerischen Kompetenzzentrums für Menschenrechte, dass nur noch wenige Angehörige der Stadtpolizei in der Stadt Zürich wohnen. Rund 80 Prozent der rund 1700 uniformierten Polizistinnen und Polizisten und 500 zivilen Angestellten wohnen laut dem Bericht nicht innerhalb der Stadtgrenzen, sondern «in der äusseren, ländlichen Agglomeration oder noch weiter ausserhalb».

Gegenüber dem Kompetenzzentrum hielten mehrere Experten und auch ein Mitglied des Korps selbst fest, es sei wichtig, Personen mit städtischem Wohnsitz oder wenigstens mit städtischer Herkunft stärker für den Polizeiberuf zu motivieren. Die Fachleute sehen einen Vorteil darin, dass Polizeiangehörige auch im privaten Wohnumfeld Kontakt mit Minderheiten haben.

Sicherheitsvorsteher Wolff hat einen Teil der Empfehlungen des Kompetenzzentrums für Menschenrechte bereits umgesetzt. Um sogenanntem Racial Profiling – willkürlichen Personenkontrollen nur aufgrund der Hautfarbe oder der vermuteten nationalen Herkunft – vorzubeugen, müssen die Polizeiangehörigen neu die Gründe für die Kontrolle immer angeben.

Nicht eingehen will Wolff aber auf die im Bericht nur beiläufig erwähnte Idee, vermehrt Bewerberinnen und Bewerber aus der Stadt Zürich zum Polizeiberuf zuzulassen. Gegenüber der «NZZ am Sonntag», die über den tiefen Anteil von Stadtzürchern im Korps berichtete, hielt der Sprecher des Sicherheitsdepartements fest, das wichtigste Kriterium bei der Rekrutierung sei die Qualität. Zudem verlange man von den Bewerberinnen und Bewerbern, dass sie sich mit der Stadt Zürich identifizieren. «Das genügt», sagte der Sprecher.

Ausbildung verbessern

Dass kaum noch Polizisten in der Stadt wohnen, ist seit Jahren ein politisches Thema. Der grüne Gemeinderat Markus Knauss, Mitglied der Sicherheitskommission, sprach schon von einer «bedenklichen Entwicklung». Für eine gute Polizeiarbeit brauche es Personen, die mit den hiesigen urbanen Verhältnissen vertraut seien. Als Hauptproblem wurde allerdings genannt, dass die Polizisten bei unvorhergesehenen Grosseinsätzen zu spät von ihren Wohnorten eintreffen könnten.

Video: Für die Zürcher Stadtpolizisten gelten neue Regeln bei Personenkotrollen

Daniel Blumer, Kommandant der Stadtpolizei, zum neuen Vorgehen gegenüber kontrollierten Personen. Video: Tamedia Webvideo/hoh

Laut SP-Gemeinderätin Simone Brander, der Präsidentin der Spezialkommission Sicherheitsdepartement, ist dieses Problem dank der Alarmierung über die privaten Smartphones der Korps-Angehörigen unterdessen gelöst. Man könne den Polizistinnen und Polizisten allerdings nicht zusätzlich noch vorschreiben, in Zürich Wohnsitz zu nehmen, sagt Brander, «aber eine Lösung könnte sein, in der Ausbildung das Verständnis für spezifisch städtische Probleme zu fördern». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.12.2017, 07:08 Uhr

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