800 Franken an die Polizei – Das gibt die Stadt für jeden Zürcher aus

Lehrerlöhne, Sicherheit, Theater: Knapp 9 Milliarden Franken Ausgaben budgetiert die Stadt Zürich 2020. Wie viel Geld pro Kopf wohin fliesst.

Für jede Bewohnerin gibt die Stadt Zürich 800 Franken für die Polizei aus, davon 500 Franken für Löhne: Stadtpolizisten mit Wasserwerfern. Foto: Keystone

Für jede Bewohnerin gibt die Stadt Zürich 800 Franken für die Polizei aus, davon 500 Franken für Löhne: Stadtpolizisten mit Wasserwerfern. Foto: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Stadt Zürich kann einem Angst einjagen. Sie ist ein Riesenorganismus. Erschlagend wirken die Unsummen an Geld, die sie verschlingt: Fast neun Milliarden Franken will der Stadtrat nächstes Jahr ausgeben, eine Milliarde mehr als noch vor zehn Jahren. So steht es im Budgetentwurf, den das Parlament ab heute in stundenlanger Kleinarbeit auseinandernehmen wird.

Fassbar werden die Dimensionen, um die es dabei geht, durch ein Gedankenspiel: Schrumpfen wir die Stadt auf eine Grösse, mit der wir gut zurande kommen – auf Menschenmass. Dazu teilen wir alle Finanzkennzahlen durch die Zahl aller Bewohnerinnen und Bewohner – und siehe da, dieses imaginäre Mini-Zürich operiert nicht mehr mit Milliarden. Pro Kopf budgetiert die Stadt fürs kommende Jahr etwas über 20000 Franken Ausgaben.

Überraschend ist, dass die Ausgaben des realen Zürich seit 2010 zwar um eine Milliarde Franken gestiegen sind, die Gesamtausgaben unserer Mini-Stadt aber nur um 200 Franken. Der Grund: Die Stadtbevölkerung ist in diesem Zeitraum entsprechend gewachsen.

Der Rechnungsprüfungskommission des Parlaments sind auch diese 200 Franken noch zu viel. Sie kritisiert, die Pro-Kopf-Ausgaben müssten bei zunehmender Bevölkerung stagnieren oder sinken, weil manche Güter in grösserer Anzahl günstiger herzustellen sind. Dies sollte gerade für die Verwaltung gelten, in der diverse Abläufe aufgrund der Modernisierung effizienter geworden sind.

Gesunken ist der Pro-Kopf-Aufwand im Vergleich mit 2010 aber nur in drei Departementen: Die Stadt budgetiert sowohl für den Hochbau als auch für Tiefbau und Entsorgung (TED) heute über 20 Prozent weniger als damals, was beim TED vor allem auf Sondereffekte wegen neuer Verbuchungspraxen und Budgetschwankungen im Tiefbau zurückzuführen ist. Und für die ­Sicherheit zahlt die Stadt 10 Prozent weniger. Am stärksten gewachsen sind die Ausgaben für Schule und Sport, die um 17 Prozent zugelegt haben: von fast 2500 auf 2900 Franken pro Kopf.

 Die Stadt finanziert diesen Aufwand zu einem Drittel über Steuergeld. Je ein weiteres Drittel sind Gebühren und Erträge, etwa aus Kapital­anlagen.

Gestiegen sind auch die Personalkosten unserer Mini-Stadt, von fast 6500 auf über 6700 Franken. Die Verwaltung wächst also schneller als die Bevölkerung, was im Gemeinderat für Diskussionen sorgen wird. Am Gesamtbild werden aber auch die aggressivsten Sparanträge nichts Entscheidendes ändern. Selbst wenn das Parlament in allen Punkten der sparfreudigen SVP folgen würde, reduzierte dies die Gesamtausgaben nur um gut 100 Franken pro Kopf.

Aber wofür gibt die Stadt ­dieses Geld eigentlich aus? Ein paar Beispiele: Von den gut 20000 Franken, die Zürich pro Kopf budgetiert, gehen …

  • … knapp 800 Franken an die Stadtpolizei. Das sind 100 Franken weniger als 2010. Mehr als die Hälfte davon sind Lohnkosten, nämlich 500 Franken.
  • … mehr als 2200 Franken ans Schulamt, einen der am schnellsten wachsenden Budgetposten. Davon gehen etwa 880 Franken für die Löhne des Lehrpersonals weg. Weitere 450 Franken kostet das Verwaltungspersonal.
  • … 345 Franken an die Kultur, davon 90 Franken ans Schauspielhaus, aber nur 30 Rappen an die Zürcher Sängerknaben.
  • … fast 2500 Franken ans Elektrizitätswerk, den mit Abstand grössten Brocken im Budget. Er ist seit 2010 rasant gewachsen. Etwa wegen der Expansion ins Geschäft mit dem Glasfasernetz und mit Energiedienstleistungen. Dennoch ist das EWZ in der Debatte nur am Rand ein Thema, denn es operiert mit einem eigenen Budget und hat im Gegensatz zu anderen Verwaltungsbereichen eine positive Erfolgsrechnung, da es auch Einnahmen generiert.
  • … über 1000 Franken an die Sozialen Dienste – 150 Franken weniger als noch 2010. Die wirtschaftliche Unterstützung von Schweizern schlägt dabei mit 380 Franken zu Buche, jene von Ausländern mit 320 Franken.

Übrigens: Die Stadt finanziert diesen Aufwand nur zu einem Drittel über Steuergeld. Je ein weiteres Drittel sind Gebühren und Erträge, etwa aus Kapital­anlagen. Der statistische Durchschnittszürcher zahlt pro Jahr etwa 3000 Franken Gemeindesteuern plus ein paar Gebühren. Sein persönliches Mini-Zürich ist deutlich mehr wert.

Erstellt: 11.12.2019, 09:17 Uhr

Artikel zum Thema

Wie man Velofahrer ins Parkhaus lockt

Video Der «Velopalast» unter dem HB steht halb leer. Ein Vergleich mit anderen Städten zeigt, was es braucht, um die Veloabstellplätze zu füllen. Mehr...

Zürcher Steuerfuss bleibt bei 100 Prozent

Nach vier Tagen Budgetdebatte hat der Kantonsrat eine Senkung des Steuerfusses mit 97:81 Stimmen abgelehnt. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Kommentare

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sie wollen täglich die besten Beiträge aus der Redaktion?
Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter «Der Morgen».

Die Welt in Bildern

Was für eine Plage: Eine Bauernstochter in Kenia versucht mit ihrem Schal Heuschrecken zu verjagen. (24. Januar 2020)
(Bild: Ben Curtis) Mehr...