Abrechnung vor der Champion-Bar

Nun ist klar, was der Grund für die wilde Schiesserei in Winterthur vor der Bar des ältesten Berisha-Bruders war: ein Streit um Heroin.

Es ging um Heroin: Vor der Champion-Bar in Winterthur kam es zu einer wilden Schiesserei. Foto: PD

Es ging um Heroin: Vor der Champion-Bar in Winterthur kam es zu einer wilden Schiesserei. Foto: PD

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Rund ein Dutzend Schüsse fielen am Abend des 3. April 2012 an der Zürcherstrasse in Winterthur-Töss. Es war der Schlusspunkt eines Streits um die Bezahlung von Heroin mit schlechter Qualität. Gestern stand einer der beteiligten Schützen vor dem Bezirksgericht Winterthur: der älteste der fünf ­Berisha-Brüder. Der 44-jährige kosovarische Familienvater sitzt seit zehn Monaten im Gefängnis und ist wegen versuchter Tötung, Drogendelikten, Ausnützung einer Notlage, Hehlerei und weiterer ­Delikte angeklagt. Staatsanwältin Silvia Steiner forderte achteinhalb Jahre.

Im Prozess ging es noch nicht um die Delikte von Berisha, sondern um eine mitangeklagte Barfrau. Die Bosnierin ­arbeitete illegal in der Champion-Bar und betreute laut Anklageschrift im ­Auftrag von Berisha die Drogenkunden, die in der Bar Heroin kauften oder anlieferten. Sie ist geständig und wurde im abgekürzten Verfahren zu 34 Monaten verurteilt, davon 11 Monate unbedingt. Sie ist bereits seit einem Jahr in Haft und wird nun in die Freiheit entlassen.

Sohn von Berisha war dabei

In der gestern nun erstmals einsehbaren Anklageschrift im Fall Berisha wird die Schiesserei detailliert beschrieben. Berisha hatte einen unbekannten Heroinlieferanten einem Landsmann vermittelt. Der Lieferant brachte 250 Gramm Heroingemisch. Der Landsmann zahlte wegen der schlechten Qualität aber nicht. Berisha haftete gegenüber dem Lieferanten für den Preis von 9000 Franken. Am Abend des 3. April 2012 sollte die Angelegenheit bereinigt werden. Der Landsmann kam mit einem Begleiter in die Champion-Bar zu Berisha.

Die beiden Männer stritten sich, der Landsmann zog einen Revolver und zielte auf Berisha. Dieser und die Gäste forderten ihn auf, die Angelegenheit draussen auszutragen. Der Landsmann ging hinaus. Berisha nahm eine geladene Pistole, die er für alle Fälle in der Bar versteckt hatte, machte eine Ladebewegung und folgte ihm. Kaum draussen, schoss Berisha auf den Kontrahenten, der sich nun beim benachbarten Haus (Fust-Filiale) befand. Der Landsmann suchte hinter seinem parkierten Auto Deckung, Berisha feuerte hinter der Säule der Fust-Filiale erneut auf den Kontrahenten. Weitere Schüsse konnte er nicht abgeben, weil sein damals noch minderjähriger Sohn in der Nähe war.

Nun schoss der Kontrahent zurück und verletzte Berisha am linken Arm, vermutlich durch einen Abpraller. Insgesamt soll Berisha mindestens sieben- bis achtmal geschossen haben, der Kontrahent mindestens zweimal. Nach der Schiesserei flüchtete dieser mit seinem Begleiter unverletzt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.10.2014, 20:45 Uhr

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