«Absolut geschmacklos»

CDU-Politiker Siegfried Kauder ist empört über Bundesrätin Doris Leuthard. Sie habe mit ihrer Aussage die deutsche Politik grob beleidigt.

«Manchmal meint man, eine Maschine lande im Garten»: Siegfried Kauder, Rechtsanwalt und seit 2002 Bundestagsabgeordneter für die CDU.

«Manchmal meint man, eine Maschine lande im Garten»: Siegfried Kauder, Rechtsanwalt und seit 2002 Bundestagsabgeordneter für die CDU. Bild: Keystone

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Siegfried Kauder, der im grenznahen Villingen-Schwenningen zu Hause ist, gehört zu den umtriebigsten Fluglärmgegnern aus Süddeutschland. Und er fühlt sich als einer jener Politiker, die Bundesrätin Doris Leuthard am Montag an einer Podiumsdiskussion in Zürich als «Taliban» bezeichnet hat. Kauder findet diesen Vergleich «absolut geschmacklos», wie er gestern dem TA sagte. Dies sei «weder die übliche politische noch die diplomatische Sprache». Mit der «Persönlichkeit dieser Dame» wolle er nichts zu tun haben.

Geärgert hat ihn auch Doris Leuthards Aufforderung an seinen Bruder Volker Kauder, den Fraktionschef der CDU im deutschen Bundestag, er solle doch einmal mit Siegfried «ein Bier trinken». Er und sein Bruder bräuchten kein Bier, um Dinge zu besprechen, so Siegfried Kauder, der Jüngere der beiden. Wenn sie sich träfen, sei der Fluglärm auch nicht das vorrangigste Thema.

Die örtlichen deutschen Behörden sind ebenfalls «entsetzt und zutiefst enttäuscht», wie das Landratsamt Waldshut mitteilte. Leuthards Taliban-Aussage sei ein nicht hinnehmbarer Vergleich, der angesichts der Verbrechen, die mit der Taliban-Bewegung verbunden seien, die deutsche Politik grob beleidige und diskriminiere. «Auch in der Hitze des Schweizer Wahlkampfs sollte sich Bundesrätin Leuthard mässigen», hiess es in der Medienmitteilung weiter.

Keine Kompromissbereitschaft

Während aus Berlin zuletzt Signale kamen, dass Deutschland an einer Einigung im Fluglärmstreit interessiert ist, bleiben die süddeutschen Regionalpolitiker hart – auch Siegfried Kauder. Von dem Gutachten, welches belegt, dass Süddeutschland viel weniger vom Fluglärm betroffen ist als der Grossraum Zürich, hält er nicht viel. «Ich kann Sie gerne mal einladen und wecke Sie dann morgens um fünf Uhr, wenn Sie nicht eh schon wach sind», sagt er. Die Lärmbelastung in den betroffenen deutschen Gemeinden sei unterschiedlich. Manchmal höre man nichts, «manchmal meint man, eine Maschine lande im Garten».

Kauder unterstützt eine Petition, die eine Beschränkung der Überflüge über Süddeutschland auf 80'000 verlangt. Der zuständige Ausschuss im Bundestag hat sich ebenfalls dafür ausgesprochen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.08.2011, 08:51 Uhr

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