Absteigen oder 2000 Franken zahlen

Die Verkehrssituation am Bahnhof Giesshübel im Kreis 3 verleitet zu illegalen Fahrten. Ab sofort drohen fehlbaren Velofahrern aber saftige Bussen.

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Falschfahren gehört für viele Velofahrer, die auf dem schnellsten Weg vom Friesenberg-Quartier zum Hauptbahnhof fahren möchten, fast schon dazu. Wer die Geleise der Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn (SZU) und die Sihl passieren will, muss via Manessestrasse und Utobrücke fahren. Das ist vielen zu lange. Sie wählen den direkten Weg über den Bahnhof Giesshübel – und verstossen dabei gegen die Verkehrsregeln.

Zwar ist es nicht verboten, das Fahrrad übers Perron und die daran anschliessende Fussgängerbrücke über die Sihl zu schieben. Weil es aber rasch gehen soll, steigen Velofahrer nicht ab. Dieses Fehlverhalten wird sie ab sofort teuer zu stehen kommen: Die SZU kann nun Bussen von bis zu 2000 Franken aussprechen.

Neue Schilder und Bodenmarkierungen

Wie bei einem Parkverbot für Unberechtigte auf privaten Parkplätzen musste auch das nun geltende Velofahrverbot auf dem Bahnhof Giesshübel von einem Richter abgesegnet werden. «Wir haben daher beim Bezirksgericht Zürich ein sogenanntes audienzrichterliches Urteil erwirkt. Damit haben wir nun die Befugnis, ein Privatverbot auszusprechen», sagt SZU-Marketingleiter Marco Graf auf Anfrage.

Auf der Seite des Hürlimannareals ist bereits seit längerem ein Fahrverbotsschild vor der Fussgängerbrücke aufgestellt. Seit dem 28. Oktober machen nun auch noch grosse Bodenmarkierungen auf dem Perron die Velofahrenden auf das Verbot aufmerksam. «Wir werden in den nächsten Tagen noch Schilder aufstellen, damit wir Fehlbare büssen können», so Graf. Auch das Tiefbauamt sei in diesen Prozess involviert gewesen.

Diese Massnahmen seien dringend nötig gewesen, erklärt Graf das Vorgehen. «Die Platzverhältnisse am Bahnhof Giesshübel sind relativ eng. Gerade zu Stosszeiten wird das Perron rege benutzt. Daher herrscht eine latente Unfallgefahr – vor allem weil einige Velofahrer ziemlich rücksichtslos durchfahren.» Einerseits könne es so zu Zusammenstössen mit Fahrgästen kommen. Andererseits sei die Gefahr gross, dass die Radfahrer oder Fussgänger beim Ausweichen auf die Geleise stürzen oder von einem fahrenden Zug erfasst werden. «Seit die Bodenmarkierung angebracht ist, steigen viele Leute vom Rad und schieben das Velo durch die Haltestelle oder sie umfahren sie gleich ganz. Einige Unverbesserliche fahren aber immer noch mit dem Velo über das Perron.»

Ein Bahnübergang für Velofahrer und Fussgänger

Dass die Situation am Bahnhof Giesshübel für alle Beteiligten unbefriedigend ist und zu vielen illegalen Fahrten führt, haben auch Hans Urs von Matt und Mirella Wepf von der SP Kreis 3 erkannt. Vor zwei Jahren haben sie in einem Postulat die Realisierung einer direkten Veloroute zur rechtsseitigen Sihlpromenade gefordert. Ihre Idee: Mit einem Bahnübergang soll es den Velofahrern und Fussgängern möglich sein, die Geleise direkt zu queren. Das Postulat wurde im vergangenen Sommer mit 91 zu 23 Stimmen dem Stadtrat zur Prüfung überwiesen. Bis Anfang Juni 2015 muss das zuständige Tiefbau- und Entsorgungsdepartement das Postulat beantworten.

Marco Graf bezeichnet Bahnübergänge, wie sie die SP fordert, als einen Gefahrenherd, den man schweizweit abzubauen versuche. Aber auch für die SZU sei zentral, dass auf dem Bahnhof und im Bereich der Geleise nicht Velo gefahren werde. «Nur so kann die Unfallgefahr auf ein Minimum reduziert werden.»

Pro Velo fordert direkten Radweg in die City

Pro Velo Zürich versteht das Anliegen der SZU, den Kunden am Bahnhof Giesshübel eine sichere Infrastruktur zur Verfügung zu stellen, wie die Interessengemeinschaft am Dienstagabend in einer Medienmitteilung festhält. Sie fordert von der Stadt Zürich jedoch einen direkten Weg vom Friesenberg und von der Binz in die City. «Täglich pendeln auf diesem Weg tausende Personen von den Wohngebieten in die Innenstadt und zurück», heisst es in der Mitteilung. «Es kann nicht sein, dass auf einer Strecke von 600 Metern ein Umweg von 800 Metern erwartet wird, um legal vom Bahnhof Binz auf die Velohauptader auf der Sihlpromenade zu gelangen.»

Bis zur Realisierung einer definitiven Lösung wünscht sich Pro Velo eine «praktikable» Zwischenlösung. Ausnahmsweise auch als Mischverkehr mit den Benützern der SZU. «Was am Bahnhof Hardbrücke funktioniert, soll auch am Bahnhof Giesshübel als Übergangslösung möglich sein.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.11.2014, 13:24 Uhr

Bahnhof Giesshübel

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