Ältester Zürcher Sportclub hat Platzprobleme

Die «Tribute von Panem»-Filme haben Folgen: Immer mehr Zürcher wollen Bogenschiessen. Doch jetzt wirds eng. Und die Stadt unterstützt den Bau einer neuen Halle nicht.

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«Wir suchen händeringend nach mehr Platz, denn unser Club platzt wegen Mitgliederzuwachs aus allen Nähten», sagt Kurt Nünlist. Er ist Präsident des erfolgreichsten Bogensportvereins der Schweiz, dem Bogensportzentrum Zürich (BSZZ). Das Schiessen mit Pfeil und Bogen boomt bei Jugendlichen. Nicht zuletzt wegen Filmen wie «Tribute von Panem» oder «Merida» mit ihren weiblichen Heldinnen, wie Nünlist sagt.

Der grösste Wunsch des Vereins: eine eigene Halle. «Deswegen stehen wir mit der Stadt Zürich seit längerer Zeit in Verhandlung», sagt Nünlist, selber zweifacher Weltrekordhalter, 20-facher Schweizerrekordhalter sowie 41-facher Schweizer Meister im Bogenschiessen.

Derzeit schiessen die BSZZ-Mitglieder in Wiedikon an der Sieberstrasse 14 in einer ehemaligen Lebensmittelfiliale ihre Pfeile auf die Zielscheiben. «Die enge Platzsituation ist für uns seit einigen Jahren unbefriedigend,» sagt Nünlist. Er sei dadurch gezwungen, die Trainings grösstenteils auf nicht offiziellen Wettkampfdistanzen durchzuführen.

«Die Halle ist kein Luxusbau»

Die neue Bogensporthalle soll, wenn es nach dem BSZZ geht, am Waldrand, oberhalb des Schützenhauses Albisgüetli, gebaut werden. Das Gebäude ist geschlossen, zweistöckig, 55 Meter lang und 15 Meter breit. Damit stünden dem Club insgesamt 1650 Quadratmeter Nutzung zur Verfügung. Kostenpunkt: 1,5 Millionen Franken.

«Die Halle ist kein Luxusbau», sagt Nünlist, «aber sie ermöglicht ein Bogenschiessen in allen Bereichen.» Sichergestellt sei damit ein professionelles Training für Wettkämpfe sowie die Ausbildung neuer Schützinnen und Schützen. «Die Finanzierung ist fast gesichert. Wir könnten sofort mit dem Bau loslegen», sagt Nünlist.

Von den Baukosten von 1,5 Millionen Franken würde das BSZZ rund 80 Prozent übernehmen, weitere 10 Prozent steuert der Zürcher Kantonalverband der Bogenschützen bei. Clubpräsident Nünlist will nicht nur die Investitionskosten möglichst niedrig halten, auch die Nebenkosten sollen bezahlbar bleiben.

Keine Unterstützung

Das Wunschgrundstück des Clubs beim Albisgüetli ist derzeit eine Brache, gehört der Stadt Zürich und wird von Grün Stadt Zürich verwaltet. Das Stück Land liegt in der Erholungszone E1, in der laut Bau- und Zonenordnung (BZO) nur offene Sport- und Freizeitanlagen erlaubt sind, wie Grün-Stadt-Zürich-Direktorin Christine Bräm in einem Schreiben an das BSZZ mitteilt. Die geplante neue Halle erfordere diese Anforderungen nicht. Somit könne Grün Stadt Zürich das Projekt nicht unterstützen.

Die Ablehnung der Stadt bereitet Nünlist keine Freude. Er kann nicht verstehen, dass Grün Stadt Zürich zugunsten des Jugendsports nicht Hand bietet. «Man kann ein Grundstück doch umzonen. Warum soll dies im Albisgüetli nicht möglich sein, so wird unser gesamtes Hallenprojekt blockiert.», sagt er.

Chance für Umzonung sehr gering

Lukas Handschin, Mediensprecher von Grün Stadt Zürich, weiss die Antwort. Eine Umzonung wäre im Prinzip möglich, sei aber erstens ein langwieriger Prozess und zweitens brauche es vor allem einen politischen Entscheid.

Für das besagte Grundstück seien die Chancen für eine Umzonung seiner Meinung nach gering bis fast aussichtslos. «Es wäre für das Bogensportzentrum Zürich realistischer, sich für die Halle ein Grundstück in einer Bauzone auszusuchen, welche alle ihre Anforderungen erfüllt», sagt Handschin.

Das Bogensportzentrum Zürich kämpft weiter für den Standort Stadt Zürich. Nünlist: «Wir holen uns nun politische Hilfe.» Seit 2011 habe das BSZZ rund 120 Schweizer-Meister-Titel geholt, «60 Prozent davon mit unseren Junioren». Es könne doch nicht sein, dass ein erfolgreicher Sportclub gezwungen sei, wegen eines neuen Standorts die Stadt Zürich zu verlassen, sagt Nünlist.

Erstellt: 22.03.2017, 16:17 Uhr

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