Aeppli will alle Zürcher Primarlehrer zu Heilpädagogen machen

Die Bildungsdirektorin macht heiklen Vorschlag, um die Zahl der Lehrer pro Schulklasse zu reduzieren.

Soll die Zahl der Lehrer in den Schulzimmern reduzieren: Eine verlängerte Ausbildung zum Heilpädagogen.

Soll die Zahl der Lehrer in den Schulzimmern reduzieren: Eine verlängerte Ausbildung zum Heilpädagogen. Bild: Felix Schaad, Tages-Anzeiger

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Im Kanton Zürich werden schwierige Kinder seit einigen Jahren in die Normalklassen integriert. Das hat die Hektik und die Unruhe in den Klassen vergrössert. Teilweise sind neben den Hauptlehrern gegen zehn Speziallehrer und Therapeuten in den Klassen tätig.

Jetzt macht Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) im Interview mit dem TA einen neuen Vorschlag, um die Zahl der Lehrpersonen in den Schulzimmern zu reduzieren. Alle Primarlehrer sollen in Zukunft zu Heilpädagogen ausgebildet werden und dann deren Aufgaben in den Klassen übernehmen: die Förderung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen. Für das Primarlehrerdiplom genügte dann nicht mehr ein Bachelor (6 Semester). Nötig wäre ein Master, was die Ausbildung um mindestens anderthalb Jahre verlängern würde.

Lehrer sind nicht begeistert

Bei der Lehrerschaft wird der Vorschlag skeptisch aufgenommen. Beat W. Zemp, Zentralpräsident des Schweizerischen Lehrerverbands, begrüsst zwar, wenn die Primarlehrer künftig einen Heilpädagogik-Master machen müssten. Die heutige Ausbildung sei das absolute Minimum, aber: «Superlehrer erhält man so keine», sagt Zemp. Der Heilpädagoge sei in den Schulklassen nicht in jedem Fall ersetzbar. Manchmal sei es nötig, dass er physisch anwesend sei, um einen geordneten Unterricht zu garantieren.

Ähnlich denkt die Präsidentin des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbandes ZLV, Lilo Lätzsch. Sie gibt auch zu bedenken, dass nicht jeder Primarlehrer noch Heilpädagoge sein möchte. Es gebe viele, die die Klassenarbeit als ihre Hauptaufgabe ansähen. Auch für Lätzsch ist es zwingend, dass während mindestens 50 Prozent der Unterrichtszeit zwei Lehrpersonen anwesend sind.

Politiker sind mehrheitlich interssiert an Aepplis Vorstoss

«Klar skeptisch» zeigt sich Susanne Suter, Co-Präsidentin der Schulischen Heilpädagoginnen und -pädagogen. Für sie ist die Zeit für den Vorschlag noch nicht reif. Die Zusammenarbeit zwischen Heilpädagoge und Lehrer im gleichen Schulzimmer stecke «noch in der Entwicklungsphase».

Bei den Politikern stösst Aepplis Vorstoss auf mehr Interesse. Alles, was die Zahl der Lehrpersonen pro Klasse reduziere, sei grundsätzlich prüfenswert, sagt Johannes Zollinger, Präsident der EVP und Schulpräsident von Wädenswil. Der Präsident der Bildungskommission, Ralf Margreiter (Grüne), begrüsst jede Aufwertung der Ausbildung: «Wir brauchen bestqualifizierte Lehrer.» Die Klotener Schulpräsidentin Corinne Thomet (CVP) sagt, es gebe sowieso zu wenig Heilpädagogen. Wenig hält SVP-Kantonsrätin Anita Borer von Aepplis Vorschlag. Die Lehrerausbildung sei sowieso zu lang. Sie hat einen anderen Vorschlag, wie die Zahl der Lehrer pro Klasse reduziert werden könnte: die Wiedereinführung der Sonderklassen.

Erstellt: 29.05.2012, 07:30 Uhr

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