Afrikaner füllen Zürcher Asylzentren

Seit zwei Wochen sind die Asylzentren des Kantons praktisch voll. Das Sozialamt muss Notlösungen suchen.

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«Die Mehrheit unserer Durchgangszentren ist zurzeit voll, zum Teil bis aufs letzte Bett», sagt Thomas Schmutz, der Informationsbeauftragte der Zürcher Fachorganisation AOZ (Asyl-Organisation Zürich). Die AOZ betreibt im Auftrag des Kantons vier solcher Zentren für insgesamt 490 Asylbewerber. «In einigen Unterkünften wird es jetzt sehr eng», sagt Schmutz. «Zum Beispiel wurden Mehrzweckräume wieder zu Wohn- und Schlafplätzen umfunktioniert. Auch verfügen wir im Moment nur noch über geringe Möglichkeiten, Personen nach betreuerisch sinnvollen Kriterien in die Zimmer einzuteilen.»

In den beiden weiteren Zürcher Durchgangszentren, die von der privaten ORS Service AG betrieben werden, ist in den letzten Wochen die Belegung ebenfalls stark angestiegen. Das erklärte gestern Eric Jaun, Geschäftsleiter der Firma, die ebenfalls im Auftrag des Kantons arbeitet. «Als Profis in der Asylbetreuung sind wir in der Lage, auf die steigenden Zahlen schnell zu reagieren», sagt Jaun. «Wir führen aber nur die Aufträge des kantonalen Sozialamts aus, in dessen Auftrag wir arbeiten.»

Druck auf die Gemeinden steigt

Ruedi Hofstetter, Chef des kantonalen Sozialamts, bestätigt, dass die Belegung der Asyl-Durchgangszentren zum Teil 100 Prozent erreicht hat. «In den letzten zwei Wochen haben wir eine deutliche Zunahme gespürt.» Jetzt kommt dem Sozialamt in die Quere, dass zwei geplante Zentren in Eglisau und Oberembrach durch baurechtliche Rekurse schon seit Jahren blockiert sind. «Wir müssen jetzt Notunterkünfte suchen», sagt Hofstetter. Der Druck auf die Gemeinden, solche Unterkünfte zur Verfügung zu stellen, werde wachsen. Das Sozialamt überlegt sich auch die Umnutzung von Asyl-Nothilfezentren zu Durchgangszentren.

Von einer dramatischen Lage bei den Flüchtlingsunterkünften im Kanton Zürich mag zwar noch keiner der Verantwortlichen sprechen. «Wir müssen uns jetzt allerdings wieder auf mehr Asylbewerber einrichten, nachdem deren Zahl in den letzten drei Jahren stabil tief geblieben ist», erklärt Sozialamtschef Hofstetter.

Der Anstieg der Asylgesuche wird sich dieses Jahr in Zürich weiter fortsetzen. Der Kanton spürt die Zunahme immer mit leichter Verspätung auf den Bund. Und der geht von einem markanten Anstieg aus: Der Chef des Bundesamts für Migration, Eduard Gnesa, rechnet damit, dass die Zahl von Asylsuchenden dieses Jahr wieder auf über 12 000 klettern wird. Ein Sprecher des Bundesamtes bestätigte gestern entsprechende Zahlen, die der «Blick» veröffentlicht hatte. Im Juli hatten laut der offiziellen Asylstatistik 1096 Personen in der Schweiz um Asyl nachgesucht. Im Juli vor einem Jahr waren es nur 876 gewesen. Die Augustzahlen sind noch nicht bekannt.

Das Lampedusa-Phänomen

Eine Erklärung für den Anstieg der Asylgesuche liegt bei den Flüchtlingen aus dem nördlichen Afrika. In den Empfangszentren des Bundes meldeten sich in den letzten Monaten und Wochen immer mehr Menschen aus Eritrea, Somalia und Nigeria. Diese kommen jetzt in die Zentren des Kantons, wie ORS-Chef Jaun beobachtet. Hofstetter stimmt dem zu und spricht vom Lampedusa-Phänomen, das jetzt in Zürich zu spüren sei.

Die süditalienische Insel Lampedusa hatte in den letzten Wochen mit grossen Zahlen von Bootsflüchtlingen aus Afrika Schlagzeilen gemacht. Anfang August waren an einem einzigen Donnerstag fast 1000 Flüchtlinge auf der Insel zwischen Sizilien und Tunesien angelangt. Zwei Wochen später kamen innerhalb von 24 Stunden nochmals 900 Flüchtlinge, überwiegend aus Eritrea, auf Lampedusa an. Dieser Flüchtlingsstrom wälzt sich über Italien nach Norden und auch in die Schweiz. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.08.2008, 10:19 Uhr

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