Allergiker leiden im Allergikerhaus

Ein Mehrfamilienhaus in Leimbach ist für hochallergische Menschen gebaut worden. Doch einige Mieter mussten wieder ausziehen.

Wohnen auf Probe: In Leimbach können die Allergiker erst mal ausprobieren, ob ihnen das Wohnen im MCS-Haus behagt.

Wohnen auf Probe: In Leimbach können die Allergiker erst mal ausprobieren, ob ihnen das Wohnen im MCS-Haus behagt.

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Das Pilotprojekt am Rebenweg in Zürich-Leimbach sollte die Erlösung für Menschen sein, die an einer schweren Chemikalienunverträglichkeit leiden. Für die Betroffenen ist es sehr schwierig, geeigneten Wohnraum zu finden, da bereits kleinste Mengen Chemikalien krankhafte Zustände bei den jeweiligen Personen auslösen können.

Ein halbes Jahr nach dem Erstbezug im Dezember 2013 stehen 4 der insgesamt 15 Wohnungen bereits wieder leer. So stellt sich die Frage nach dem Bedarf dieses doch finanziell aufwendigen Projekts, das die Baugenossenschaft zusammen mit der Stadt Zürich für rund 6 Millionen realisiert hat.

Marianne Dutli, Co-Präsidentin der Wohnbaugenossenschaft Gesundes Wohnen MCS, erklärt, warum es trotz vielen Interessenten zu diesem Leerstand gekommen ist: «MCS ist eine Krankheit, die von Person zu Person unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Dementsprechend ist es tatsächlich so, dass vier Mieter aus den Wohnungen in Leimbach wieder ausziehen mussten, weil sie auf gewisse Emissionen allergisch reagiert haben.»

Unmöglich, alle Emissionen auszuschliessen

Diese Feststellung sei allerdings keine Überraschung. Es sei bereits in der Planungsphase festgestellt worden, dass es unmöglich sein werde, ein Haus zu bauen, das für alle MCS-Betroffenen verträglich ist. Trotz sorgfältiger Auswahl der Baumaterialien konnten nicht alle Emissionen ausgeschlossen werden. Eine Auslüftungsphase von drei Monaten nach Fertigstellung bis Bezug wurde zwar eingeplant, jedoch habe sich gezeigt, dass diese Zeit für schwer MCS-Betroffene nicht ausreiche. Wie lange es genau dauere bis eine maximale Verträglichkeit erreicht ist, sei schwer abzuschätzen, sagt die Architektin.

Diese Übergangsphase ist für Dutli auch mit ein Grund, warum interessierte Personen sehr vorsichtig seien. Es brauche mit dieser Krankheit eine gewisse Überwindung, um sein oft mühsam ausgesuchtes Umfeld zu verlassen und sich auf ein solches Experiment einzulassen.

Probewohnen möglich

Um diesem Zögern entgegenzuwirken, bietet die Genossenschaft deshalb neu ein Wohnen auf Probe an. MCS-Betroffene können sich so absichern, ob für sie das Wohnen am Rebenweg die gewünschte Linderung mit sich bringt oder nicht. Marianne Dittli ist denn auch zuversichtlich, dass mit dieser Massnahme die Wohnungen sehr bald schon wieder vermietet sind.

Trotzdem ist es auch für Nichtallergiker möglich, sich für die Wohnungen zu bewerben. Interessierte müssen sich aber an die strenge Hausordnung halten, die im MCS-Wohnhaus gilt. Laut dieser Regelung ist beispielsweise das Rauchen und Grillieren im Haus, auf den Balkonen und im Garten verboten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.05.2014, 11:05 Uhr

MCS: Wissen noch lückenhaft

Menschen, die von Multiple Chemical Sensitivity (MCS) betroffen sind, reagieren überempfindlich auf Alltagsstoffe wie Parfüms, Rauch, Lösungsmittel, Insektizide oder Pestizide. Die Folgen: chronische Erschöpfung, Muskelkrämpfe, Übelkeit, Hautausschläge, Schwindel, Gedächtnisstörungen, Angstgefühle und Depressionen. Die MCS-Forschung ist noch jung, das Wissen lückenhaft; entsprechend schwer tun sich die Ärzte, das Phänomen als organisches Leiden anzu- erkennen. Neue Forschungen zeigen, dass veränderte genetische Anlagen im Körper dem MCS-Patienten den Abbau von toxischen Chemikalien – auch in kleinsten Mengen – erschweren bis verunmöglichen. (sth)

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