«Alles für alle»

Die 13'000 Teilnehmer des 1.-Mai-Umzugs konnten an der Schlusskundgebung auf dem Bürkliplatz markige Reden hören. Trotz der Teilnahme maskierter Autonomer kam es zu keinen Zwischenfällen.

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Schluss mit Abzockerei, Mindestlöhne, sichere Renten und bezahlbare Mieten: Für diese Anliegen sind in der Stadt Zürich zum Tag der Arbeit Tausende von Arbeitnehmenden auf die Strasse gegangen. Nach Angaben von Polizei und Organisatoren beteiligten sich rund 13'000 Personen am Demonstrationszug durch die Innenstadt. An der Spitze marschierten die Gewerkschaften, gefolgt von den Roten Falken sowie linken Organisationen und Gruppierungen. Auffallend stark vertreten waren im Umzug Familien mit Kindern.

Auf zahlreichen Transparenten forderten die Gewerkschaften «faire Löhne und bessere Renten». Weitere Anliegen waren «Abzocker stoppen», «Keine Privatisierung», Arbeitszeitverkürzung für Lehrkräfte oder der Ausbau des Service public.

Dem Umzug angeschlossen hatten sich auch rund 300 Aktivisten der autonomen Szene, angeführt von der Zürcher Linksaktivistin Andrea Stauffacher. Viele von ihnen waren entweder vermummt oder trugen Masken, die UBS-Chef Sergio Ermotti darstellen sollten. Bei der Polizeihauptwache Urania bewarfen sie Polizisten mit Wasserballons und feuerten Knallpetarden ab.

Höchste Zeit für Lohngerechtigkeit

An der Schlusskundgebung prangerte die Tessiner SP-Nationalrätin Marina Carobbio die Abzockermentalität an, die auch in der Schweiz überhandgenommen habe. Der gierigste Abzocker, CS-Chef Brady Dougan, zahle sich selber 1820-mal mehr aus, als der Angestellte mit dem tiefsten Lohn verdiene.

«Es macht mich wütend, wie sich ein paar wenige immer mehr nehmen und von den Bürgerlichen mit Steuergeschenken überhäuft werden. Es macht mich sprachlos, mit welcher arroganten Selbstverständlichkeit sie dies tun. Und es empört mich, dass sie sich auf Kosten von uns allen bereichern», rief Carobbio den Teilnehmenden der Kundgebung zu.

Explodierende Mieten

Ein Uhrenarbeiter im Tessin oder eine Verkäuferin in Zürich mit rund 3000 Franken im Monat verdienten so viel wie Dougan alle fünf Minuten, kritisierte Carobbio. Es sei höchste Zeit für mehr Lohngerechtigkeit. Die 1:12- und die Mindestlohninitiative seien der erste Schritt dazu, sagte die Tessiner Politikerin und Präsidentin des Schweizerischen Mieterinnen- und Mieterverbandes.

Weiter forderte sie flankierende Massnahmen gegen Mietzinsexplosion und Wohnungsnot. Es brauche ein starkes Mietrecht gegen überhöhte Anfangsmieten und gegen missbräuchliche Kündigungen. Lohnerhöhungen oder höhere Renten nützten nichts, wenn diese immer schneller von explodierenden Mieten aufgefressen würden.

Dank an das städtische Personal

Der Zürcher SP-Stadtrat André Odermatt bezeichnete in seiner Rede den 1. Mai als die «wichtigste, traditionsreichste und zukunftsträchtigste politische Veranstaltung in der Stadt Zürich». Der Vorsteher des Hochbaudepartementes dankte den fast 30'000 Menschen, die bei der Stadtverwaltung beschäftigt sind und «jeden Tag dazu beitragen, dass die Stadt Zürich funktioniert».

Für das 1-Mai-Komitee sprach der griechische Streikführer Panagiotis Katsaros, der kurzfristig für die erkrankte Landsfrau Sofia Roditi eingesprungen war. Katsaros übte harsche Kritik an der Sparpolitik der Europäischen Union. Einst sei ein Europa der Völker versprochen worden. Heute sei es ein Europa der Banken und der Gier.

«Alles für alle»

Arbeitnehmer der Stadt Zürich brachten ihre Anliegen für bessere Arbeitsbedingungen vor. Gefordert wurden etwa Mindestlöhne und Gesamtarbeitsverträge. Zudem wurde vor einem Qualitätsabbau in den schulischen Horten gewarnt.

Viel Applaus und Begeisterung erntete die Schaffhauser AL-Kantonsrätin und Journalistin der «Wochenzeitung» (WOZ), Susi Stühlinger. Die Poetry-Slam-Künstlerin ging in ihrem poetischen und originellen Vortrag «Alles für alle» den Themen Ausländer, Frauen, Reichtum oder Abzocker auf den Grund.

Stadt- und Kantonspolizei waren mit einem grösseren Aufgebot in der Innenstadt präsent. Sie hielten sich jedoch im Hintergrund und liessen sich nicht von vermummten Demonstranten provozieren. Bereits im Vorfeld hatte die Polizei klargemacht, dass sie Nachdemos und Ausschreitungen im Keim ersticken werde.

Erstellt: 01.05.2013, 16:12 Uhr

Für mehr Lohngerechtigkeit

Für die Tessiner SP-Nationalrätin Marina Carobbio ist es höchste Zeit für mehr Lohngerechtigkeit. Doch auch flankierende Massnahmen gegen Mietzinsexplosionen seien nötig, sagte die Präsidentin des Schweizerischen Mieterverbandes in ihrer Ansprache zum Tag der Arbeit in Zürich. «Es macht mich wütend, wie sich ein paar wenige immer mehr nehmen und von den Bürgerlichen mit Steuergeschenken überhäuft werden. Es macht mich sprachlos, mit welcher arroganten Selbstverständlichkeit sie dies tun. Und es empört mich, dass sie sich auf Kosten von uns allen bereichern», rief Carobbio den Kundgebungsteilnehmenden auf dem Bürkliplatz zu.

In Zürich arbeiteten gelernte Verkäuferinnen für 2800 Franken netto pro Monat, und ein Angestellter der Uhrenindustrie im Tessin erhalte 2900 Franken. Das sei gerade mal so viel, wie der CS-Konzernchef Brady Dougan in fünf Minuten verdiene. «Das hat nichts mit Leistung und Verantwortung zu tun, sondern mit unanständiger Gier.» Die Verkäuferin in Zürich und der Uhrenarbeiter im Tessin seien keine Einzelfälle, stellte Carobbio fest. In der Schweiz arbeiteten 400'000 Menschen, die von ihrem Lohn nicht leben könnten. Und Rentnerinnen und Rentner, die nur mit der AHV auskommen müssten, hätten nicht mehr genügend Geld, um ihren Ruhestand zu geniessen.

Es sei höchste Zeit für mehr Gerechtigkeit. Die 1:12-Initiative, die Mindestlohninitiative und die Initiative «AHV plus» seien erste wichtige Schritte dazu, sagte die Tessiner Nationalrätin und Präsidentin des Schweizerischen Mieterinnen- und Mieterverbandes. Weiter forderte Carobbio flankierende Massnahmen gegen Mietzinsexplosion und Wohnungsnot. Es brauche ein starkes Mietrecht gegen überhöhte Anfangsmieten und missbräuchliche Kündigungen. Lohnerhöhungen oder höhere Renten nützten nichts, wenn diese immer schneller von explodierenden Mieten aufgefressen würden. (sda)

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