Platzhirsch

«Als Privatperson habe ich mehr Zeit, den Platz zu geniessen»

Alt-Stadträtin Ruth Genner hofft, dass der neue Sechseläutenplatz vielfältig genutzt wird.

«Ich freue mich sehr über die Weite»: Die frühere Tiefbauvorsteherin Ruth Genner auf dem Sechseläutenplatz. Foto: Dominique Meienberg

«Ich freue mich sehr über die Weite»: Die frühere Tiefbauvorsteherin Ruth Genner auf dem Sechseläutenplatz. Foto: Dominique Meienberg

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Wie fühlen Sie sich, wenn Sie auf dem neuen Sechseläutenplatz stehen?
Ich freue mich sehr über die Weite. Der Platz ist einladend, und ich finde es super, dass Zürich jetzt ein so schönes Wahrzeichen hat.

Was bedeutet er für Zürich?
Der neue Platz ist ein Ort für die Be­völkerung geworden und das inmitten der Stadt: ein Begegnungs- und Auf­enthaltsort!

Entspricht der fertige Platz Ihren Idealvorstellungen?
Die Bilder im Vorfeld waren fantastisch, aber die Realität ist besser, weil Leben auf dem Platz ist, der Wind vom See her weht.

Warum hat Zürich diesen Platz gebraucht?
Bisher gab es in Zürich keinen so weitläufigen Platz, der nur für Menschen da ist. Das Ergebnis ist toll. Ich habe beim Bundesplatz gesehen, dass sich die Leute auf den Boden setzen. Schön, dass sie sich auch in Zürich überall niede­rlassen, wo es ihnen gerade gefällt.

Ist es eine Erleichterung, diesen Platz als Privatperson und nicht als Politikerin nutzen zu können?
Als Privatperson habe ich viel mehr Zeit den Platz zu geniessen, als Stadträtin musste ich immer gleich zum nächsten Termin.

Inwiefern überschattet die Schlammschlacht um den Spurabbau am Utoquai den neu entstandenen Sechseläutenplatz für Sie?
Es bleibt kein Schatten. Auseinander­setzungen gehören zur Politik, beim Sechseläutenplatz wurden sie leider nicht mehr sachlich geführt. Zum Glück ist der Disput abgeschlossen.

Freuen Sie sich, auf der noch zu gestaltenden Velospur am Sechseläutenplatz vorbeizuradeln?
Die Velospur wurde vom Gemeinderat beschlossen, in meinen Augen hätte es sie nicht gebraucht, weil das Velofahren auf dem Platz ja erlaubt ist. Im nächsten Jahr wird sie gebaut.

Sie gelten als Mutter des neuen Sechseläutenplatzes. Was wünschen Sie sich für ihn, was möchten Sie ihm ersparen?
Am meisten freut mich, wenn der Platz auf vielfältige Weise belebt ist. Entsprechend hoffe ich, dass keine Auseinandersetzungen auf dem Platz stattfinden.

An etwa 180 Tagen pro Jahr darf der Sechseläutenplatz bespielt werden. Schade oder richtig?
Absolut richtig. Selbstverständlich wollen viele den Platz für Veranstaltungen buchen, aber die eindrückliche Eroberung durch die Bevölkerung zeigt, dass er möglichst oft frei bleiben muss.

Welche Erinnerungen haben Sie als junge Studentin an diesen Platz?
Das war wohl die am häufigsten angesäte Wiese der Stadt, und trotzdem war sie für die Bevölkerung nicht brauchbar.

Heute auf dem Platz: 20 Uhr Swiss Jazz Orchestra & Friends (mit Sina, Michael von der Heide, Adrian Stern u. a.). Der Eintritt ist gratis.

Erstellt: 23.04.2014, 02:40 Uhr

Der Platz ist eröffnet, doch die Fontäne hat Schluckauf

Zürich – Oh ja, es gibt derzeit eine Menge zu feiern in der Stadt Zürich. Am späten Samstagabend war es der Meistertitel der ZSC Lions, am späten Ostermontagnachmittag stand der Cupsieg des FC Zürich fest – und gestern, nicht ganz so spät (es gab diesmal übrigens auch keine ­Verlängerung), folgte die offizielle Er­öffnung des neuen Sechseläutenplatzes.

Ab 18 Uhr trafen die ersten bekannten Gesichter aus Kultur, Politik und Wirtschaft am Bellevue ein. Die meisten hatten sich richtig fein gemacht. Was einen jungen Mann etwas zu irritieren schien, denn er sagte: «Was soll der ganze Pomp? Es geht doch bloss um einen Platz!» Nun, wie Stadtpräsidentin Corine Mauch in ihrer Rede treffend herausstrich, ist ein bedeutender Platz halt meist mehr als die Summe seiner Bausubstanz: «Plätze prägen das Bild einer Stadt. Sie sind Orte von grossen Inszenierungen, von poli­tischen Umbrüchen. Und auch der ­Sechseläutenplatz hat viele Gesichter.»

Damit sprach Mauch nicht nur das Zunftwesen und den Circus Knie an, die hier gastieren, sondern erinnerte auch an die Anbauschlacht im Zweiten Weltkrieg, bei der auf dem Sechseläutenplatz Kartoffeln angepflanzt wurden. Des Weiteren würdigte Mauch ihre zurückgetretene Stadtratkollegin Ruth Genner, die treibende Kraft hinter der Neugestaltung, indem sie sagte: «Du hättest uns kein schöneres Abschiedsgeschenk machen können, Ruth. Danke!»

Dann, um Viertel vor sieben, war der grosse Augenblick gekommen: die Inbetriebnahme des Wasserspiels, dem vermeintlichen Star des Abends. Doch das Highlight wurde zur Enttäuschung: Die Fontäne schien eine Art Schluckauf zu haben; statt den Wasserstrahl fünf Meter in die Höhe zu jagen, spie das Nass kraft- und saftlos vor sich hin. Erschaudernd unpassend wurde dazu auch noch der potente Rocksong «I Was Made for Loving You» von Kiss eingespielt, Wasser und Musik fanden nie zusammen.

Der Techno-Papst beim Böögg

Um andere Stars ging es etwas abseits des Wassers. Da stand nämlich SVP-Gemeinderat Mauro Tuena und diskutierte über seine Lieblingsvereine, den ZSC und den FCZ. Auf die Frage, was ihm mehr bedeute, diese Einweihung oder die Sporttriumphe, sagte er: «Blöde Frage.» Auf die Nachfrage, ob er lieber Basel oder GC als Schweizer Meister sehen würde, meinte er lachend: «Wenn ich nur die zwei zur Auswahl habe, eindeutig GC.» Und ganz der Politiker, fügte er noch verstohlen und leise hinzu: «GC-Fans sind schliesslich auch Wähler.»

Was sonst noch passierte? Eher Vergnügliches als Wichtiges. Zum Beispiel dies: In der Schlange, in der jene Menschen standen, die zum Böögg-Double hinauf wollten, um sich mit dem Schneemann in einem Selfie zu verewigen, entdeckte man Persönlichkeiten, die man da nicht unbedingt erwartet hätte; unter anderem den Techno-Papst Arnold Meyer.

Oder dies: Kaum hatte Frau Mauch die Rede beendet, tippte eine sympathische ältere Dame dem Schreibenden auf den Rücken: «Sie, ich kenne Sie. Sind Sie Res Strehle, der Chef vom Tagi?» Als der Schreibende sagte, das sei viel der Ehre, treffe aber nicht zu, schaute sie nochmals ganz genau hin und meinte: «Ah, jetzt sehe ich es: Strehle ist ein wenig älter und hat mehr graue Haare.» So viel zum offiziellen Teil, jetzt kann das fünftägige Volksfest beginnen. (Thomas Wyss)

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