App will Zürcher Taximarkt aufmischen

Mit einer neuen App soll Bewegung ins Taxigewerbe kommen. Doch die App hat für die Stadtzürcher Fahrer nicht nur Vorteile. Einige werden sich mehr anstrengen müssen.

«Bereits sind 150 Fahrer mit an Bord»: Taxistand am Zürcher Hauptbahnhof.

«Bereits sind 150 Fahrer mit an Bord»: Taxistand am Zürcher Hauptbahnhof. Bild: Keystone

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Es soll ganz einfach sein: Wer sich «My Taxi» auf sein Smartphone lädt, kann jederzeit ein Taxi rufen, seine Wünsche – wie Kindersitz oder Kreditkartenzahlung – angeben, und die Taxis in seiner Nähe können den Auftrag annehmen. Danach sieht der Kunde auf einer Karte, wie sich das Taxi seinem Standort nähert. Nach Deutschland und Österreich wird die App morgen auch für Zürich erhältlich sein. In Zukunft sollen weitere Schweizer Städte hinzukommen.

«Bereits sind 150 Taxifahrer in Zürich mit an Bord», erklärt Maximilian Neuhaus, Geschäftsführer von My Taxi Schweiz, «die eine Hälfte im Tages-, die andere im Nachtdienst.» Gemessen an den rund 1700 Taxifahrern auf Zürichs Strassen ist dies noch eine relativ kleine Ausbeute, doch Neuhaus ist sich sicher, dass die Zahl schnell zunehmen wird. «In Berlin ist rund jedes fünfte Taxi über uns erreichbar, Tendenz steigend.»

Auch in Zürich kämen durch Mund-zu-Mund-Propaganda bereits stets neue Interessierte hinzu. Zudem sei eine Abdeckung der Kundenbedürfnisse in der Stadt schon mit der jetzigen Zahl an Fahrern gewährleistet. «Jeder Kunde wird innert weniger Minuten ein Taxi bekommen.»

Landtaxis können zum Problem werden

Bei den Taxifahrern stösst die Neuerung denn auch auf Interesse, wie Dolores Zanini, Präsidentin der IG-Taxi, erklärt. «Ich werde mitmachen.» Allerdings müssen sich die Taxifahrer durch die App auch auf unliebsame Konkurrenz gefasst machen: die Landtaxis. Bisher ist es diesen untersagt, innerhalb der Stadt Fahrten zu machen, sofern sie nicht ausdrücklich einen Auftrag erhalten. «My Taxi» ändert dies.

«Die Landtaxis werden nicht ausgeschlossen, da wir natürlich den ganzen Kanton abdecken wollen», erklärt Neuhaus. Und: «Es ist ihnen gesetzlich nicht untersagt, direkte Aufträge auf Stadtgebiet anzunehmen.» Jeder Taxifahrer, der mitmache, unterschreibe einen Vertrag, dass er sich an die geltenden Regeln halte. «Wir können dies aber im Einzelfall nicht kontrollieren.» Dies sei Sache der Polizei.

IG-Taxi-Präsidentin Zanini ist dies ein Dorn im Auge. «Ich kämpfe seit Jahren dagegen, dass Landtaxis in Zürich illegal Kunden bedienen. Dies darf mit dieser App auf keinen Fall plötzlich vereinfacht werden.»

Fahrerbewertung möglich

Anders sieht die Sache bei ausländischen Fahrern aus. Zwar können diese mittels der App theoretisch ebenfalls Kunden in der Schweiz bedienen. Hier schreiten die App-Betreiber aber ein. «Dies ist nicht legal, wir kontaktieren die Fahrer umgehend», erklärt Neuhaus.

Weshalb aber sollen die Kunden, statt einer einfachen Telefonnummer zu wählen, ihr Taxi über eine App bestellen? Neuhaus sieht verschiedene Vorteile: Einerseits würde die App nicht nur in Zürich funktionieren, sondern auch in Deutschland oder Österreich. «Dort kennt man die Nummer nicht immer.» Andererseits habe man die Möglichkeit, mehr über den Fahrer zu erfahren als bei einer normalen Bestellung. «Sobald ein Taxifahrer die Fahrt annimmt, sieht man ein Bild von ihm und eine durchschnittliche Bewertung seiner Leistungen durch vorherige Kunden.»

Fahrer, die nur schlechte Bewertungen erhalten, werden die Betreiber von ihrem Dienst nicht ausschliessen. Dies sei auch gar nicht nötig. «Sie haben die Möglichkeit, nur Taxis mit Höchstbewertungen anzufordern, sämtliche anderen werden so ausgesiebt.» Neuhaus schätzt, dass gerade dies im qualitätssensiblen Zürich ein grosser Vorteil ist. «Auch die Fahrer müssen sich dann mehr anstrengen.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.02.2012, 12:30 Uhr

Alles auf einen Blick: App «My Taxi». (Bild: myTaxi)

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