Asylunterkunft geht in die Verlängerung

Weil sich der Bau einer Wohnsiedlung verzögert, will die Asyl-Organisation Zürich das Areal im Kreis 11 bis 2017 zwischennutzen. Die Standortsuche für Containersiedlungen ist schwierig, wie ein Fall in Seebach zeigt.

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Im Sommer 2010 sind die ersten Asylsuchenden aus ihrer Unterkunft im ehemaligen Hotel Atlantis in die Containersiedlung an der Leutschenbachstrasse 72 gezogen – die erste Anlage dieser Art in Zürich. Nun soll die Frist für den Betrieb der temporären Siedlung auf dem sogenannten Heineken-Areal bis zum 31. März 2017 verlängert werden, wie dem «Tagblatt der Stadt Zürich» zu entnehmen ist.

In den Wohnmodulen im Kreis 11 leben rund 100 Asylsuchende und vorläufig Aufgenommene, die durch die Asyl-Organisation Zürich (AOZ) betreut werden. Die Siedlung war von Anfang an als provisorische Zwischennutzung geplant, bis die Stadt Zürich auf dem Areal ihre Wohnüberbauung Leutschenbach-Mitte errichtet.

«Ursprünglich ist man davon ausgegangen, dass mit dem Bau 2015 begonnen werden kann, deshalb war auch unsere Zwischennutzung bis zu diesem Zeitpunkt terminiert», sagt AOZ-Direktor Thomas Kunz auf Anfrage. Inzwischen sei jedoch klar, dass frühestens 2017 gebaut werden könne. «Nun möchten wir den Verbleib der temporären Siedlung bis dahin sichern und haben in Absprache mit der Stadt Zürich eine entsprechende Bewilligung beantragt.»

Betrieb mit «normalen Zwischenfällen»

Der Betrieb der Asylunterkunft laufe im Allgemeinen problemlos, so Kunz weiter. Die erwerbsfähigen Erwachsenen gehen einer Arbeit oder Beschäftigung nach, die Kinder im schulpflichtigen Alter besuchen einen Kindergarten oder die öffentliche Schule im Quartier. «Es kann vorkommen, dass es zu ganz normalen Zwischenfällen kommt – beispielsweise wenn beim Ballspielen der Kinder eine Scheibe zu Bruch geht. Die Bewohner der Siedlung sind aber im Quartier gut integriert und akzeptiert.»

Kunz rechnet daher auch nicht mit Widerstand gegen die Verlängerung der Bewilligung. Bereits als die AOZ vor rund zwei Jahren die Siedlung um einige Elemente vergrössert und ergänzt hatte, informierte sie die Quartierbevölkerung vorgängig und reichte ein entsprechendes Baugesuch ein. «Damals gab es keine Einsprachen. Daher gehe ich davon aus, dass es auch jetzt keine Rekurse geben wird.»

Frühzeitige Suche nach neuen Standorten

Nichtsdestotrotz sei klar, dass mit der Planung neuer Standorte für die Containermodule frühzeitig begonnen werden müsse. «Zumal wir mit Einsprachen rechnen müssen, auch wenn alle baurechtlichen Auflagen erfüllt sind – wie das Beispiel Seebach zeigt.»

Gegen die dort geplante Siedlung für Asylsuchende im Gebiet Zihlacker haben die Anwohner bis vor Bundesgericht rekurriert. Erst im vergangenen Oktober hat das Gericht ihre Beschwerde abgewiesen. Zwar bestätigt es die von den Rekurrenten bemängelten hohen Lärmwerte. Das öffentliche Interesse am Bau von Asylunterkünften überwiege jedoch. Der Bau von temporären Siedlungen «erscheint daher unumgänglich», begründet das Gericht den Entscheid.

Die AOZ sieht nun vor, nach dem Wegzug vom Heineken-Areal einen Teil der Module von Leutschenbach in der neuen Siedlung in Seebach zu integrieren. «Für die restlichen Module müssen wir in den nächsten zwei Jahren weitere Standorte suchen und rechtzeitig eine Baueingabe machen», sagt Kunz.

Erstellt: 07.01.2015, 12:27 Uhr

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