«Auf dem Geroldareal haben wir weniger Mühe mit der Nachbarschaft»

Stadtrat Martin Vollenwyder (FDP) sagt, für das neue Kongresszentrum gebe es bessere Orte. Doch diese seien weniger realistisch als das Areal neben dem Bahnhof Hardbrücke.

Realistischer Ort für das neue Kongresszentrum: Blick von der Hardbrücke auf die Geroldstrasse.

Realistischer Ort für das neue Kongresszentrum: Blick von der Hardbrücke auf die Geroldstrasse. Bild: Reto Oeschger

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Herr Vollenwyder, Sie haben die Verhandlungen mit dem wichtigsten Grundeigentümer auf dem Gerold­areal eingestellt, weil dieser nicht die Aufzahlung leisten wollte für einen Landtausch. Dieser Tausch hätte aber vor allem der Stadt etwas gebracht: genügend Platz fürs Kongresszentrum. Warum sollte Georg Mayer-Sommer neun Millionen Franken zahlen für ein Land, das er nicht frei nutzen kann, sondern das Teil des Kongresszentrums wird?
Diese Aufzahlung wäre nur dann fällig geworden, wenn das Kongresszentrum nicht gebaut wird. Wenn etwa die Stimmberechtigten Nein gesagt hätten. Dann hätte Mayer-Sommer enorm profitiert, denn mit dem Tausch erhält er das Grundstück neben der Hardbrücke, wo eine Zentrumszone Z7 gilt, während sein heutiges Grundstück in der Mitte des Geroldareals Z6 ist. In der Z7 ist die Ausnützung grösser, und das wollte der Stadtrat entschädigt haben.

Warum ein Tausch und nicht viel einfacher ein Kauf?
Das war nie Thema.

Vor einem Jahr, als sich der Stadtrat fürs Geroldareal als bevorzugten Standort des Kongresszentrums entschied, schrieb er, die Verhandlungen mit den Grundeigentümern seien weit fortgeschritten. War das gelogen, oder wurden Sie vom Grundeigentümer an der Nase herumgeführt?
Weder noch. Wir verhandelten damals bereits über die Höhe der Aufzahlung; vieles anderes, was anfangs Schwierigkeiten bereitete, war geklärt. Ich fühle mich auch nicht hintergangen, denn es waren faire Verhandlungen. Beide Positionen sind nachvollziehbar: Mayer-Sommer will das Familiensilber zusammenhalten, und der Finanzvorsteher muss das Geschäft vor der Öffentlichkeit verantworten können.

Bedauern Sie das Scheitern der Verhandlungen überhaupt? Sie haben früher den Carparkplatz oder die Kaserne als Ihre favorisierten Standorte bezeichnet.
Ja, ich bedaure das.

Mein Verdacht ist, Sie wurden im Stadtrat überstimmt und vertreten das Geroldareal contre cœur.
Nein. Die beste Lage wäre für mich immer noch am See, doch das haben die Stimmbürger 2008 abgelehnt. Danach hat der Stadtrat eine Auslegeordnung gemacht, und da bin auch ich zum Schluss gekommen, dass wir auf das Geroldareal setzen sollten.

Aber das Geroldareal ist weit vom See und von der Altstadt entfernt. Und Sie haben für das Kongress­zentrum am See immer mit dem ­touristischen Mehrwert geworben.
Sicher ist der Carparkplatz vom Tourismus her besser gelegen. Aber er schneidet schlechter ab wegen der Realisierungsdauer. Auf dem Geroldareal haben wir weniger Mühe mit der Nachbarschaft; beim Carparkplatz vorne im Kreis 5 oder bei der Kaserne gäbe es tonnenweise Rekurse. Es gibt bei diesem Grossprojekt eben nicht nur die Bedürfnisse des Kongressbetriebs oder der Architektur zu berücksichtigen, sondern auch die praktische und die politische Seite.

Dann muss man halt die zwei Jahre für die Rechtshändel einplanen, hat dann aber den richtigen Standort.
Wir haben nicht unendlich Zeit. Das Kongresshaus und die Tonhalle müssen dringend saniert werden. Für die Planung der Renovation müssen wir wissen, für welchen Zeithorizont wir sanieren: für 10, 20 oder 30 Jahre. Dafür müssen wir wiederum wissen, wie gross das neue Kongresszentrum sein wird. Aus zeitlichen Gründen ist das Geroldareal das zweitbeste nach dem See.

Wenns so eilt: Warum wird erst jetzt abgeklärt, ob auf dem Carparkplatz die Baulinie für den Stadttunnel überbaut werden darf?
Wir haben das schon zu Beginn der Standortsuche abgeklärt und vom Bundesamt für Strassen ein Nein erhalten. Der Bau dieses Tunnels ist in der Zwischenzeit aber nicht realistischer geworden, deshalb sind wir nochmals beim Kanton vorstellig geworden, der das in Bern abklärt. Ende Mai sollten wir die Antwort haben.

Das Amt für Städtebau untersucht jetzt, ob es auf dem Geroldareal auch ohne das Grundstück von Mayer-Sommer ginge. Wohl mit einem Hochhaus. Und wenn sich das als unmögliches Gewürge herausstellt – ist Zürichs Kongresszentrum dann gestorben?
Nein. Der Stadtrat will das Kongresszentrum unbedingt, auch wenn das Gerold­areal wegfällt. Der Carparkplatz wird jetzt sehr genau angeschaut, und da Stadt und Kanton neu über die Nutzung der Kaserne diskutieren, rückt auch sie wieder ins Blickfeld. Realistisch ist dieser Standort jedoch nur, wenn das Kasernengebäude abgebrochen werden darf. Und dazu bietet die kantonale Denkmalpflege noch keine Hand.

Wann wissen wir mehr?
Vor den Sommerferien. Dann wird der Stadtrat seine Weisung für die Sanierung der Tonhalle und des Kongresshauses vorstellen. Die Weisung wird begleitet sein von einem Bericht, wie es mit dem Kongresszentrum weitergehen soll.

Erstellt: 25.03.2013, 07:14 Uhr

Martin Vollenwyder
Der FDP-Stadtrat leitet seit 2002 das Finanzdepartement. Mitte Mai tritt er vorzeitig zurück.
(Bild: Nicola Pitaro)

Artikel zum Thema

Viel weniger Platz für das Kongresszentrum

Die Verhandlungen mit dem privaten Grundbesitzer auf dem Geroldareal sind gescheitert. Damit verliert der vom Stadtrat favorisierte Standort seinen grössten Vorteil: das weite Gelände. Mehr...

Die Wirtschaft ist gegen das Geroldareal

Die wichtigsten Wirtschaftsverbände des Kantons lehnen ein neues Kongresszentrum beim Bahnhof Hardbrücke ab. Sie schalten jetzt den Regierungsrat ein. Mehr...

«Das Geroldareal ist nun einmal nur die Nummer zwei»

Architekt Walter Wäschle kritisiert den Stadtrat für den Standortentscheid zum Kongresszentrum. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Kampf gegen das Aussichtslose: In Kalifornien versuchen die Feuerwehrleute immer noch das Ausmass der Buschfeuer einzugrenzen. (11. Oktober 2019)
(Bild: David Swanson) Mehr...