Auffangstation für Igel feiert Geburtstag

Seit zehn Jahren betreut das Zürcher Igelzentrum stachlige Patienten und berät ihre Freunde - zurzeit besonders beim Aufpäppeln verwaister Babys.

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Sie wiegen 67 respektive 82 Gramm, sind etwa 14 Tage alt und möchten alle zwei Stunden essen. Weil die Igelbabys das noch nicht selbstständig können, sind sie in der Obhut einer freiwilligen Helferin. Diese flösst ihnen alle zwei Stunden mit einer Pipette Welpenersatzmilch ein und stehts nachts zweimal auf zum Schöppeln. Auch die Verdauung funktioniert nur mit Hilfe: Wird das Geschlechtsteil der Igelchen massiert, liegen sie wie hypnotisiert da, und Urin und Kot tröpfeln aus ihnen heraus. Die ersten Tage nach ihrer Rettung vom Trottoir sind sie noch auf wackligen Beinen gestanden und immer wieder auf ihrem Rücken gelandet. Mittlerweile tappen sie schon recht forsch umher, kratzen sich auch mal, ohne hinzufallen, und versuchen sich schon im Einkugeln. Sobald sie selbstständig läppeln können, werden sie ins Igelzentrum transferiert, dort weiter gestärkt und dann ausgewildert.

3000 bis 6000 Igel leben nach Schätzungen des Igelzentrums Zürich (IZZ) in der Stadt. Schwamendingen und Altstetten sind richtige Igelhochburgen, da diese Quartiere sehr grün sind und viele Unterschlupfmöglichkeiten bieten. Der Vergleich zwischen Igelbeobachtungen von 1992 und neueren Zahlen des IZZ zeigt, dass sich die Situation der Igel in der Stadt in den letzten 15 Jahren kaum verändert hat. «In Zürich lebt nach wie vor eine grosse Igelpopulation, die hier geeignete Lebensbedingungen vorfindet», sagt der IZZ-Geschäftsführer Simon Steinemann.

Gut gemeinte Zwangsumsiedlungen

Wird ein Zürcher Igel krank oder verletzt er sich, hilft das IZZ weiter. 2007 wurden 145 Igelpatienten aufgenommen und in der Regel drei Wochen später überlebensfähig wieder in die Natur entlassen. Fast wichtiger als die stationäre Betreuung sei die Telefonberatung, sagt Steinemann. Rund 2250 Gespräche führten die IZZ-Mitarbeitenden vergangenes Jahr mit Igel-Ratsuchenden. Manche haben ihren ersten Igel gesehen und möchten mehr über dessen Leben erfahren, andere haben einen Igel im Garten und wollen ihm einen Unterschlupf bauen, und nochmals andere sorgen sich um einen Igel - ob zu Recht oder nicht lasse sich meist anhand seines Gewichts und seiner Aktivität abschätzen. Es gebe auch Fälle, wo man die Igelfreunde von gut gemeinten, aber ganz unglücklichen Aktionen abhalten müsse: «Immer wieder möchten Leute ihren Quartierigel in den Wald zwangsumsiedeln, weil sie glauben, ihm wäre dort wohler.»

Zwischen Sommer- und Weihnachtsferien kommen fast täglich Schulklassen ins Igelzentrum, um mehr über die stachligen Wildtiere zu lernen. «Davon profitieren auch die Eltern, weil die Kinder ihr neu erworbenes Wissen mit ihnen teilen», so Steinemann.

In den vergangenen zehn Jahren hat sich das IZZ zu einem richtigen Kompetenzzentrum entwickelt. Die Anzahl der Telefonberatungen hat sich verdreifacht, und es gehen auch Anfragen aus Deutschland, Frankreich und Polen ein. Nebst dem Landschaftsarchitekt Simon Steinemann und der Tierärztin Annekäthi Frei arbeiten weitere zehn Angestellte teilzeit im Dienste der Igel. Unterstützt werden sie von weiteren zehn freiwilligen Helferinnen, die verwaiste Jungtiere bis zu ihrer nächsten Station zu Hause umhegen.

Spenden für die Sympathieträger

Dank der grossen Sympathie, die viele den Igeln entgegenbringen, kann sich das IZZ vor allem mit Spendengeldern finanzieren. Der Zürcher Tierschutz ist seit der Pionierzeit ein treuer Geldgeber, und neu unterstützt auch Grün Stadt Zürich die städtischen Igel. Das IZZ hat allen Grund zum Jubilieren. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.08.2008, 21:59 Uhr

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