Bachelorstudium taugt nicht als Berufseinstieg

Designer mit Bachelorabschluss bemängeln an der ZHDK die Vorbereitung auf die berufliche Selbstständigkeit. Michael Krohn sagt, der Studiengang sei nicht darauf ausgelegt.

Haupteingang auf dem Toni-Areal: Die ZHDK hat jedes Jahr durchschnittlich 140 Bachelorstudenten in Design.

Haupteingang auf dem Toni-Areal: Die ZHDK hat jedes Jahr durchschnittlich 140 Bachelorstudenten in Design. Bild: Dominique Meienberg

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Der Vorwurf, der von ehemaligen Designstudenten der Zürcher Hochschule der Künste (ZHDK) laut wird, ist die mangelhafte Vorbereitung auf den Berufsalltag. Nach dem Abschluss finden sie oftmals nur Teilzeitstellen. Nebenbei müssen sie sich deshalb als Selbstständigerwerbende um Aufträge bemühen und eigene Projekte finanzieren.

Michael Krohn, stellvertretender Departementsleiter Design an der ZHDK, sagt auf Anfrage, dass es im Bachelor-Studiengang nicht primär darum gehe, die Studenten für eine unternehmerische Tätigkeit auszubilden. «Ziel des Bachelors ist die erste Berufsqualifizierung, die zu einer Festanstellung in einer Agentur oder Erfahrungen in verschiedenen Praktika führt.»

Will heissen: Die Studierenden lernen und üben die gestalterischen Grundlagen, reflexives Denken und wie man ein vordefiniertes Designprojekt durchführt. Letzteres soll die Kreativen auf die Arbeitsweise in Agenturen und für Designwettbewerbe vorbereiten, wo oftmals bestimmte Vorgaben gemacht werden.

Erst im Master Pflichtfach

Im Bachelor werden pro Studienjahr drei Module angeboten, welche die Berufssituation thematisieren. Die Titel lauten «Von der Idee zum Kreativbetrieb», «Fundraising für Projekte und Unternehmen» und «We create our jobs!». Gemäss Kursbeschrieb lernen Studierende dort, wie sie Strategien für Freelancing und Gründungen umsetzen, Budgets erstellen und eigene Erwerbsformen entwickeln. Allerdings überschneiden sich die Kurse zeitlich und sind für die total rund 140 Bachelorstudierenden in Design keine Pflicht. «Wir wollen nicht aus allen Bachelorstudenten Unternehmer machen», erklärt Krohn. Schliesslich sei es im sechssemestrigen Studiengang nicht möglich, die Studenten zu guten Designern, Forschern und Unternehmern auszubilden - wohl aber zu kompetenten Mitarbeitern.

Das Unternehmertum steht erst im Master im Fokus. Zu diesem werden nur noch 40 Studenten, also rund ein Drittel der Bachelorabsolventen, zugelassen. In Pflichtfächern widmen sie sich dem Aufbau einer unternehmerischen Selbstständigkeit und besprechen in Coachings sowohl ihre Bewerbungsunterlagen als auch persönliche Anliegen: wie man ein Unternehmen führt, sich im Markt positioniert oder Aufträge akquiriert. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.06.2015, 17:04 Uhr

Michael Krohn, stellvertretender Departementsleiter Design an der ZHDK. (Bild: Dominic Büttner)

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