Baumschutz kommt vor der Baubewilligung

Der Hauseigentümerverband kritisiert die geplante Einführung von Baumschutzgebieten in Zürich. Dabei werden die Eigentumsrechte dadurch gar nicht eingeschränkt, heisst es bei Grün Stadt Zürich.

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Der Zürcher Stadtrat sorgte für einigen Wirbel, als er vergangene Woche den überarbeiteten Regionalen Richtplan und die teilrevidierte Bau- und Zonenordnung (BZO) präsentierte. Zu reden gab insbesondere die Einführung von Baumschutzgebieten, in denen das Fällen von Bäumen mit einem Stammumfang von mehr als 80 Zentimetern bewilligungspflichtig wird.

Der Hauseigentümerverband (HEV) sieht darin eine Verschlechterung gegenüber der BZO-Version aus dem Jahr 1999 und will den Artikel korrigieren. «Der Passus schränkt den Hauseigentümer ein. Der Wert seiner Liegenschaft sinkt über Nacht», sagte HEV-Direktor Albert Leiser im Gespräch mit dem «Tages-Anzeiger».

Öffentliches Interesse steht im Vordergrund

Die Eigentumsrechte würden durch die vorliegende BZO nicht beschränkt, kontert Lukas Handschin, Mediensprecher von Grün Stadt Zürich. Die Ausnutzung bleibe gewährleistet. Mit den neuen Baumschutzvorgaben würde in Zukunft allerdings vor dem Fällen eines Baumes in der Schutzzone eine Interessenabwägung stattfinden – sowohl der Allgemeinheit als auch der jeweiligen Grundstückeigentümer. Ein Baum kann beispielsweise dann entfernt werden, wenn er die Nutzung eines Grundstücks übermässig einschränkt. «Den Entscheid, ob die Interessen der Grundeigentümer oder der Allgemeinheit höher zu gewichten sind, fällt die Bausektion – wie bei allen Baugesuchen der Stadt Zürich. Gegen den Entscheid kann man rekurrieren.

Darüber, ob ein Baum stadtbildprägend und somit schützenswert ist oder nicht, entscheidet laut Handschin vor allem seine Grösse. Gebäude und Baumkulisse müssen sich entsprechen. «Grosse Solitärbäume haben eine Wirkung weit über das jeweilige Grundstück hinaus. Würden überall nur noch kleine Kugelahorne stehen, wäre das nicht mehr stadtbildprägend.»

«Auf Privatgrundstücken kann ohne weiteres gefällt werden»

Schon heute kann Grün Stadt Zürich im Rahmen eines Baubewilligungsverfahrens Bäume vor dem Fällen bewahren, indem ein entsprechender Vertrag mit den Grundeigentümern abgeschlossen wird. Liegen keine Baugesuche vor, sind die Mittel der Stadt allerdings auf Beratungstätigkeiten beschränkt. «Bäume auf Privatgrundstücken können ohne weiteres gefällt werden – sei es, weil sie zu viel Arbeit machen oder weil sie die Sicht versperren», so Handschin.

Mit der Bezeichnung der Baumschutzgebiete sollen nun die wichtigsten charakteristischen Baumgruppen und damit das Erscheinungsbild der Stadt rings um das Seebecken erhalten und geschützt werden. Die ausgewählten Schutzgebiete erfüllen mindestens eines der untenstehenden Kriterien:

  • Der vorhandene Baumbestand befindet sich auf Kuppen oder an Hanglagen: Die Bäume sind somit auch vom Seeufer aus sichtbar
  • Die zu schützenden Bäume tragen massgeblich zum Bild eines «durchgrünten Quartiers» bei
  • Die Bäume sind Teil von parkartigen Gärten
  • Es handelt sich um einen Bestand von alten Bäumen mit mächtigen Volumen, die zusammen mit anderen Bäumen eine grüne Kulisse bilden
  • Die zu schützenden Bäume überragen Bauten oder wirken als Kontrapunkt zu den Gebäuden

Sonderfall Parkanlagen und Friedhöfe

Ausserhalb der Baumschutzgebiete wird punkto Baumschutz die bisherige Praxis weitergeführt. Sonderfälle sind Parkanlagen oder Friedhöfe. Diese sogenannten Gartendenkmäler befinden sich im Besitz von Grün Stadt Zürich. Es besteht daher gemäss Handschin keine unmittelbare Notwendigkeit für einen weitergehenden Schutz der dortigen Baumbestände.

Noch sind die vorgeschlagenen Änderungen zum Baumschutz, die im Artikel 11a der teilrevidierten Bau- und Zonenordnung festgehalten sind, nicht rechtskräftig. Der Stadtrat hat die überarbeitete Revisionsvorlage am 29. Oktober 2014 dem Gemeinderat zur Beratung und Festsetzung überwiesen.

Erstellt: 04.11.2014, 14:24 Uhr

Die neuen Baumschutzgebiete: Zum Vergrössern bitte anklicken. (Bild: Hochbaudepartement Zürich)

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